Nürburgring: Gab es den US-Investor nie?
CDU hat Beck im Visier Rheinland-Pfalz - Liefert die Landesregierung bei der Großinvestition am Nürburgring Stoff für einen neuen Eifelkrimi? Der Verdacht erhärtet sich.
Bei der verzweifelten Suche nach privaten Investoren für das mehr als 260 Millionen Euro teure Erlebniszentrum „Nürburgring 2009“ ist Ex-Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) offenbar einem groß angelegten Schwindel aufgesessen.
Eine eingescannte Unterschrift des geheimnisvollen US-Investors und Schecks von zweifelhaftem Wert hatten vor Deubels Rücktritt zuletzt auch Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) stutzig gemacht. Jetzt bestreitet der als Geldgeber avisierte Pierre S. Du Pont V. gegenüber Medien, von dem Millionenprojekt überhaupt etwas gewusst zu haben. Die Story sei „frei erfunden“. Sind Unterschriften also gefälscht?
Der US-Geschäftsmann will nie mit der Landesregierung oder dem dubiosen Schweizer Finanzvermittler Urs Barandun Kontakt gehabt haben. Behauptungen, dass er als Partner beim Nürburgring-Projekt aufgetreten sei, sind „völlig falsch und unbegründet“, sagte er dem „Spiegel“, dem es „innerhalb weniger Stunden“ gelungen ist, ihn zu erreichen.
Die Nachricht platzte in die Landtagsdebatte, in der CDU und FDP einen Untersuchungsausschuss forderten, der die Finanzaffäre rund um die „Grüne Hölle“ nach der Sommerpause aufhellen soll.
Zugleich prüfen Rechnungshof und Koblenzer Staatsanwaltschaft die undurchsichtigen Finanzierungspläne. Die Nürburgring GmbH hat angekündigt, dass ein Anwalt der Staatsanwaltschaft alle Unterlagen übergeben wird. Parallel dazu geht Hessens Staatsanwaltschaft einem Geldwäsche-Verdachtsfall nach, der in Zusammenhang mit dem Nürburgring-Deal stehen könnte.
Beck erklärte im Landtag, dass Deubel Zweifel an den umstrittenen Transaktionen stets „durch plausible Erklärungen“ ausgeräumt habe. FDP-Fraktionschef Herbert Mertin bezweifelt dies: Beck habe lange nicht einmal den Namen des Investors gekannt und offenbar auch nicht versucht, über einen direkten Kontakt in die USA Baranduns Version zu überprüfen.
FDP und CDU halten es für ungerecht, alle Fehler Deubel „in die Schuhe zu schieben“ und nicht nach Verantwortlichkeiten von Geschäftsführung und Aufsichtsrat zu fragen. CDU-Fraktionschef Christian Baldauf hofft, „dass ein Totalschaden am Nürburgring ausbleibt“. Beck warf er vor, den „Amtseid verletzt zu haben“, weil er dem Land und dem Steuerzahler „Schaden zugefügt hat“. Beck verteidigte die Investition, da sie Arbeitsplätze schaffe. Weder dem Land noch der GmbH sei ein Schaden durch das geplatzte Geschäft entstanden, rechtfertigte er sich.
Ursula Samary; Foto: dpa
RZO


















