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Wissenschaft

Mehr Sporen in der Luft als gedacht

Mainz/Washington In der Luft schweben viel mehr Pilzsporen als Forscher bisher vermutet haben: In jedem Kubikmeter zählten Mainzer Wissenschaftler 1 000 bis 10 000 Sporen.

Mit Erbgutanalysen identifizierten sie mehrere hundert Pilzarten in der Luft, wie das Max-Planck-Institut für Chemie und die Universität Mainz am Montag mitteilten. Bislang seien Forscher von weniger als hundert Arten in der Luft ausgegangen. Menge und Artenvielfalt seien jedoch wesentlich höher als bisher angenommen, berichten die Forscher um Ulrich Pöschl in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften («PNAS»; online vorab).

Für die Studie hatten die Forscher über ein Jahr Fein- und Grobstaub aus der Luft gefiltert und auf die Erbgutsubstanz DNA untersucht. Diese erste systematische Studie über Pilz-Erbgut in der Luft zeige, dass der Anteil der Pilze, die Allergien auslösen, Pflanzen schädigen und Krankheiten erregen könnten, größer sei als gedacht. Bislang seien Pilzsporen aus der Luft vor allem mit Anzuchtversuchen in Kulturschalen untersucht worden. Mit der neuen Methode ließen sich biologische Schwebteilchen besser charakterisieren. Solche Untersuchungen seien unter anderem wichtig für die Überwachung genveränderter Pflanzen.

«Insgesamt kennen wir heute über 100 000 Arten von Pilzen», erläuterte Wissenschaftlerin Janine Fröhlich von der Universität Mainz. Hochrechnungen gingen aber davon aus, dass es mehr als 1,5 Millionen Arten gibt. Die in der Luft gefundenen Arten gehörten überwiegend zu den Gruppen der Schlauch- oder der Ständerpilze, zu deren Vertretern sowohl beliebte Speisepilze wie Champignons oder Trüffel, aber auch potenzielle Krankheitserreger wie Schimmel- und Rostpilze zählen. Beide Gruppen schleudern zur Vermehrung ihre Sporen aktiv in die Luft. Wenn sie von Menschen oder Tieren eingeatmet werden oder in Kontakt mit Pflanzen kommen, können viele von ihnen Allergien oder Krankheiten auslösen.

Über den Nachweis der Sporen könne etwa untersucht werden, ob sich die Ökosysteme durch den Klimawandel verändern, erläuterte Studienleiter Pöschl vom Max-Planck-Institut für Chemie. Zudem sei es darum gegangen, welche Rolle Pilzsporen bei der Bildung von Niederschlag spielen können. «Pilzsporen und andere biologische Aerosolpartikel können als Kondensations- und Kristallisationskeime für Wassertropfen und Eiskristalle dienen und dazu beitragen, dass Wolken, Nebel und Niederschlag entstehen.» Eine genaue Analyse der Anzahl und Eigenschaften der Pilzsporen in der Luft hilft daher, die Abläufe im Klimasystem besser zu verstehen.

dpa-infocom