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Zeppelin University: Akademische Höhenflüge am See

Friedrichshafen Angefangen hat das Experiment im Jahr 2003 in drei Räumen, mit 19 Studenten und dem jüngsten Hochschulpräsidenten Deutschlands.

Heute lernen fast 600 junge Leute an der privaten Zeppelin University (ZU) in Friedrichshafen.

Der Campus am Bodenseeufer wächst und wächst. Es gibt 22 Lehrstühle, vier permanente Gastprofessuren und mittlerweile 52 Partnerhochschulen. Während in der Wirtschaftskrise Expansionspläne vielerorts auf Eis liegen, hat die ZU seit vergangenem September vier neue Institute gegründet.

Für Stephan Jansen, Präsident der Hochschule und inzwischen 37 Jahre alt, liegen die Themen auf der Straße: «Wir starten gerade ein neues Projekt: 180 Studenten kümmern sich um die Zukunft der Warenhäuser.» Sehr spannend seien in diesen Zeiten auch «Studien in Krisenmanagement». Jansen sprüht vor Ideen und Esprit - ganz im Sinne des Luftschiffbauers Ferdinand Graf von Zeppelin, der der Universität ihren Namen gab. Hier im milden Süden, zwischen Apfelplantagen, Weinbergen und Segelbooten, sollen «Pioniere» ausgebildet werden, Querdenker und Fragensteller für das Management für Wirtschaft, Kultur und Politik. Die Studiengebühren von rund 700 Euro im Monat können über Bildungskredite der örtlichen Sparkasse aufgebracht werden.

Felix Langenmayr aus Kempten ist einer dieser Pioniere der ersten Stunde, er studiert Wirtschaftswissenschaften im Masterprogramm und findet gut, «dass man hier auch mischen kann, also interdisziplinär studieren und forschen». Einsteigen will er später in die Musikindustrie, schließlich hat er auch schon versuchsweise ein Musik-Label gegründet und legt bei Uni-Festen sowie im Uni-Radio Welle20 auf - eine Leidenschaft übrigens, die er mit seinem Hochschul-Präsidenten teilt.

Initiiert wurde die Hochschule 2003 von der Stadt Friedrichshafen im Verein mit der örtlichen Industrie. Nach nunmehr sechs Jahren ist das «Luftschiff ZU» mit seinen unkonventionellen Ideen auch bei den bodenständigen Württembergern gelandet, glaubt Jansen: «Anfänglich herrschte Skepsis in der Region, heute sind wir ein Zuzugs- und Wirtschaftsfaktor für Friedrichshafen.»

Mit zwei Hauptschulen in Friedrichshafen hat die ZU das Projekt «Rock your Life» gestartet, bei dem Studenten Schulabgänger bei der Berufswahl coachen. Das Programm soll nun auf andere Städte wie Berlin ausgedehnt werden. Was die Pionierschmiede am See als nächstes plant? «Wir denken über ein Institut zur Vermögenskulturforschung nach», sinniert Jansen. «Also ein internationaler Vergleich, wie mit Vermögen umgegangen wird.» Ein weiteres Forschungsvorhaben der ZU dreht sich um das sozialpolitische Modell des bedingungslosen Grundeinkommens.

Provokant fragt eine Werbebroschüre der Universität: »In welcher Welt leben wir eigentlich, dass es eine solche Universität geben muss?» Mit einer Abbrecherquote von nur 3,7 Prozent steht diese gut da im Vergleich zum deutschen Schnitt von 23 Prozent. Die hohe Motivation der Studierenden erklärt sich damit, dass das Studium umgestellt wurde, wie Jansen es ausdrückt: «Von Angebot auf Nachfrage.» Die Studenten fordern die Lehrangebote ein, die sie interessieren: Wenn sich zehn Studenten mit dem gleichen Wunsch finden, wird die Veranstaltung von der Universität finanziert, ob das nun ein exotischer Sprachkurs ist oder ein Seminar zur Friedensforschung mit einem indischen Experten. «Die Zahl dieser sogenannten Student Studies geht in die Hunderte», sagt Jansen. Ob es bei so viel Erfolg an der ZU auch Enttäuschungen gibt? Ihr Präsident grinst: «Die Studenten könnten ein bisschen wilder sein.» Von Anette Le Riche, dpa

dpa-infocom


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