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Spielsucht: Einarmiger Bandit statt Roulettetisch

Berlin Das Rattern des Automaten und das Klicken der Geldmünzen sind für viele Spieler vertraute Geräusche.

Oft sitzen sie stundenlang an den «Einarmigen Banditen», schmeißen Münze nach Münze in den Schlitz und drücken die bunt blinkenden Knöpfe.

Enttäuscht ziehen sie von dannen , wenn es ihnen mal wieder nicht gelungen ist, den Jackpot zu knacken. Lange vorbei scheinen die Zeiten, in denen Vermögen vor allem auf dem «grünen Tuch der Hoffnungen und Enttäuschungen» in Spielbanken verloren wurden, wie der russische Autor Fjodor Dostojewski 1866 in seinem Roman «Der Spieler» schrieb. «Die Hürden, in ein Kasino zu gehen sind viel höher, als die, eine Spielhalle zu besuchen», sagt Raphael Gassmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Voraussetzung seien beispielsweise schicke Kleidung, eine teils lange Anfahrt und hohe Einsätze.

Die Zahl der pathologischen Spieler, die meisten von ihnen sind Männer, wird von der DHS auf 100 000 bis knapp 170 000 geschätzt. Die Fraktion der Grünen im Bundestag geht sogar von bis zu 400 000 Betroffenen aus. Die Grünen fordern in einem Antrag Gesetze zur besseren Suchtprävention. Mehr als 70 Prozent der Spieler seien süchtig nach gewerblichen Geldspielautomaten, sagt Gerhard Meyer vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung an der Universität Bremen. «Die Spiele werden immer kürzer und die Beträge, die die Zocker pro Stunde verspielen können immer höher», berichtet Gassmann.

Die mit dem Automatenspiel verbundene «hohe Ereignisfrequenz» sei sehr gefährlich. Ein Hartz-IV-Empfänger könne seinen gesamten monatlichen Regelsatz von 359 Euro in viereinhalb Stunden an einem Gerät verspielen, sagt Meyer. Meistens nutzten die Süchtigen aber mehrere Automaten - dann könne das Geld in weniger als einer Stunde weg sein.

Das Wettmonopol in Deutschland ist eines der letzten staatlichen Monopole. Sportwetten und Lotterien dürfen nur unter Aufsicht der Länder betrieben und angeboten werden. Das Bundesverfassungsgericht erklärte dies 2006 als zulässig, solange die Anbieter alles tun, um die Spielsucht zu bekämpfen. Werbung ist seitdem verboten.

Von dieser Regelung ausgenommen sind allerdings die rund 220 000 Geldspielautomaten in Gaststätten und Spielhallen, die dem Gewerberecht unterliegen. In den vergangenen Jahren hatten sie immer mehr Zulauf. Die Umsätze stiegen von 2005 bis 2007 um mehr als zehn Prozent. Setzten sie vor vier Jahren noch knapp 5,9 Milliarden Euro um, waren es 2007 fast 7,8 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte dieses Geldes kam von Süchtigen, sagt Wirtschaftswissenschaftler Michael Adams von der Universität Hamburg.

Deshalb fordern Experten die Abschaffung der Geräte. «In Norwegen und Schweiz gibt es diese Verbote bereits», sagt die Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht (fags), Ilona Füchtenschnieder. Alternativ wäre auch der Rückbau der Automaten zu «reinen Unterhaltungsgeräten» denkbar, bei denen keine hohen Summen verspielt werden können. Die derzeitige Praxis sei für viele Spieler existenzgefährend, erklärt sie.

Eine dritte Möglichkeit bestünde darin, die Automaten wie auch die Lotterien in staatliche Hand zu übergeben. Damit wären Sperren wie bei Spielbanken für Spieler möglich. Per Ausweiskontrolle müssten sie dann vom Spielen abgehalten werden, sagte Füchtenschnieder. So könne verhindert werden, dass wie bisher viele gesperrte Kasino-Spieler auf die bislang frei zugänglichen Spielhallen ausweichen. Von Katia Rathsfeld, dpa

dpa-infocom


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