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Deutscher Etappensieg: Haussler überrascht alle

Colmar Erst schlug er die Hände vor das Gesicht, dann flossen die Freudentränen: Nach seinem bravourösen Husarenritt durchs Elsass konnte Heinrich Haussler sein Glück kaum fassen.

«Dieser Sieg bedeutet mir unheimlich viel. Deshalb konnte ich die Tränen nicht zurückhalten», jubelte der Freiburger nach dem größten Erfolg seiner Karriere, mit dem er bei der 96. Tour de France für den ersten deutschen Etappensieg sorgte. Der gebürtige Australier vom Schweizer Cervelo-Radrennstall entschied die 200 Kilometer lange Berg- und Talfahrt auf dem verregneten Teilstück als Solist für sich und genoss im Ziel in Colmar die Huldigungen. «Ich habe mein Ding gemacht, bin wie verrückt gefahren. Ich mag dieses Wetter», meinte Haussler, der erst auf den letzten 1000 Metern an seinen Sieg geglaubt hatte. «Dann war es wie ein Traum.»

Bei seiner grandiosen Solo-Show kam Haussler zugute, dass er nur 30 Kilometer von Colmar entfernt wohnt und daher diese Strecke aus dem Effeff kennt: «Das ist hier mein Trainings-Gebiet gewesen. Ich bin auf allen Abfahrten volles Risiko gegangen», sagte Haussler nach seiner fantastischen 197-Kilometer-Flucht, ehe er von den Cervelo-Mitgliedern vor Freude schier erdrückt wurde. Noch im Vorjahr war Haussler, der im nächsten Jahr für sein Geburtsland fahren will und den Erfolg «eher als australischen Erfolg» einstufte, bei seiner damaligen Gerolsteiner-Equipe hinter den inzwischen gefallenen Stars Stefan Schumacher und Bernhard Kohl nur das fünfte Rad am Wagen gewesen und erst auf den letzten Drücker für die Tour nachnominiert worden.

Hinter dem 25-Jährigen bewältigten der Spanier Amets Txurruka (+4:11 Minuten) und der französische Andorra-Etappensieger Brice Feillu (+6:13) die Tortur durch den nasskalten Regen am schnellsten. Das Peloton mit allen Stars erreichte nach dem Temperatursturz von bis zu 20 Grad 6:43 Minuten nach Haussler das Ziel in Colmar. Ehe die Frankreich-Rundfahrt auf der Königsetappe in den Alpen in die entscheidende Kurve biegt, blieb an der Spitze alles beim Alten. Der italienische Glückspilz Rinaldo Nocentini darf weiter auf dem Tour-Thron Platz nehmen. Dahinter liegen die Astana-Asse Alberto Contador (+6 Sekunden) und Lance Armstrong (+8) in Lauerstellung.

Mit seinem Coup in Colmar entschädigte sich Haussler für die zweiten Plätze bei den Frühjahrsklassikern Mailand-San Remo und Flandern-Rundfahrt. Besonders bitter war sein Auftritt im März in San Remo, wo sich der sympathische Helfer von Cervelo-Kapitän und Titelverteidiger Carlos Sastre nur um wenige Millimeter dem Sprint-Dominatoren Mark Cavendish hatte geschlagen geben müssen. Im Vorjahr hatten bei der Tour deutsche Profis dreimal jubeln dürfen: Neben den beiden inzwischen annullierten Zeitfahrsiegen des überführten Dopers Schumacher verbuchte der Sachse Marcus Burghardt den Tageserfolg auf der 18. Etappe.

Nachdem Haussler, dessen Teamkollege Thor Hushovd sich wieder das Grüne Trikot vom vierfachen Etappensieger Cavendish holte, schon nach 3000 Metern in einer ersten Flucht-Gruppe vertreten war, löste sich der Freiburger 55 Kilometer nach dem Start in Vittel gemeinsam mit dem Franzosen Sylvain Chavanel und dem Spanier Ruben Perez Morena entscheidend vom Feld. Schnell erarbeitete sich das Trio einen Vorsprung von sechs Minuten, ehe es Milram-Kapitän Linus Gerdemann zu bunt wurde.

In der Abfahrt vom Col de la Schlucht nahm der 26-Jährige als Solist die Verfolgung auf. Doch mehr als zwei Minuten Vorsprung gewährte ihm das hinterher jagende Peloton nicht und holte Gerdemann schnell wieder ein. Schon in den Alpen wird sich zeigen, ob der Deutschland-Tour-Sieger mit dieser Aktion unnötig Reserven gelassen hat. «Wer nicht wagt, der nicht gewinnt», sagte Gerdemann.

Der famose Haussler hatte in der Tat richtig gepokert und nach dem Gipfel des 1193 Meter hohen Col du Platzerwasel seinen letzten Begleiter abgeschüttelt. Im Gefühl des sicheren Sieges gerieten die letzten 30 Kilometer zur Triumphfahrt für den lange in Cottbus trainierenden Cervelo-Fahrer, der bei der WM im September in Mendrisio/Schweiz für sein Geburtsland Australien starten will. BDR-Präsident Rudolf Scharping will ihn aber noch umstimmen.

Ein ersten Rückschlag musste das bislang unantastbare Star-Ensemble von Astana verkraften. Für Lance Armstrongs Edelhelfer Levi Leipheimer, der als Gesamtvierter auch eigene Ambitionen hatte, kam wegen eines gebrochenen Handgelenks das Tour-Aus. Ein Sturz am Vortag kurz vor dem Ziel in Vittel erzwang seine Aufgabe, durch die Andreas Klöden und Tony Martin auf die Ränge fünf und sechs kletterten. Von Benjamin Haller und Andreas Zellmer, dpa

dpa-infocom


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