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Musik

Söhne Mannheims präsentieren neues Album

Berlin Die Söhne Mannheims schlagen neue Töne an. Früher sorgte die Band um Xavier Naidoo vor allem mit religiösen und mystischen Texten für Aufsehen.

Auf dem neuen Album «Iz On» machen diese Themen politischer Kritik und Liebesliedern Platz.

«Wir fühlten, dass man jetzt über andere Sachen reden muss», sagt dazu der musikalische Leiter der «Söhne» und Ko-Autor der meisten Songs, Michael Herberger.

So klingen die Lieder von «Iz On» - der Titel setzt das Buchstaben-Spiel der ersten beiden Alben «Zion» und «Noiz» fort - musikalisch sanfter als früher. Dafür wechseln sich Balladen wie «Das hat die Welt noch nicht gesehen» mit Gesellschaftskritik ab.

Politiker kriegen zum Beispiel in «Kraft unsres Amtes» mächtig was ab: Angela Merkel wird als Vasallin von George W. Bush abgestempelt, Peer Steinbrück habe die Übersicht verloren und «Frank Walter trägt die Haare nach der Kur nass». Fazit: «Koalition, Opposition, es ist nichts passiert». Und das anfangs eher entspannt klingende Lied «Junges Deutschland» endet mit dem klaren Satz: «Dass deutsche Waffen Menschen töten, find' ich echt scheiße».

Man wolle die Menschen aufrütteln, damit sie sich nicht alles von der Politik gefallen lassen, sagt der Sänger Henning Wehland, der zu den Söhnen Mannheims von der Rock-Band H-Blockx kam. Die heutigen deutschen Politiker hätten mit den Menschen auf der Straße nichts mehr gemein: «Es ist so, als ob man über Popstars oder Astronauten redet.» Die Bürger müssten Politik wieder selbst in die Hand nehmen: «Wie kann es sein, dass wir Sachen gar nicht erst wahrnehmen, für die Menschen in anderen Ländern bereit sind, zu sterben?»

Einen Test für die neuen Songs machten die Musiker am Freitagabend in der Berliner Waldbühne - und übertrieben es zunächst. Gleich sechs Lieder in Folge von dem erst am Morgen erschienenen Album zum Auftakt - das war selbst treuen «Söhne»-Fans etwas zu viel. Auch wenn einige Lieder schon auf früheren Konzerten zu hören gewesen waren, dauerte es etwas länger, bis die Stimmung richtig hochkochte.

Berlin war der Probelauf für eine neue Tour, die im Herbst starten soll: Die Söhne Mannheims und Naidoo spielten im «Doppelpack» an zwei Abenden in Folge. Das Konzept ging auf. Sowohl am Freitag als auch am Samstag hatten die Musiker keine Probleme, die rund 20 000 Zuschauer fassende Waldbühne zu füllen.

Die Doppel-Tour im Herbst wird allerdings auch etwas anders als die Berliner Konzerte. «Ich möchte, dass wir dann alle Songs des neuen Albums live spielen und nicht nur sechs oder sieben wie jetzt», sagt Herberger. Die Konzerte von Naidoo dürften noch weniger der «Best-of»-Kollektion in der Waldbühne ähneln: Im Oktober soll auch sein neues Solo-Album erscheinen.

Die Band Söhne Mannheims ist ein Sonderfall im deutschen Musikbetrieb: Seit über zehn Jahren hält sich ein Kern von mehr als einem Dutzend Musiker. Die Band kann - auch dank der Popularität von Naidoo - auf eine treue Fangemeinde bauen, die sie sogar durch die schmerzhafte CD-Absatzkrise trägt. «Wir fühlen uns davon nicht betroffen», sagt Herberger. Die Alben verkauften sich stets zwei bis drei Millionen Mal.

Es sei nicht immer einfach , eine so große Band so lange zusammenzuhalten und zu motivieren, räumt Herberger ein. Was helfe, seien die Disziplin von Naidoo und ein striktes Gleichheitsprinzip: «Jeder kriegt nach dem Konzert immer das gleiche Geld.» Während bei den ersten Alben die Lieder vor allem Naidoo und er geschrieben hätten, habe sich diesmal die gesamte Band viel mehr eingebracht als bisher, sagt Herberger.

www.soehne-mannheims.de Von Andrej Sokolow, dpa

dpa-infocom



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