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Musik

«Siegfried» auf dem Weg ins Liebesglück

Bayreuth Im Klassenzimmer schmiedet Jung-Siegfried sein Schwert, und von der Autobahnbrücke grüßt der Waldvogel - mit Schauplätzen aus heutiger Zeit wartet die Inszenierung der Oper «Siegfried» bei den Bayreuther Festspielen auf.

Der dritte Teil von Richard Wagners Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» wurde am Donnerstagabend mit viel Beifall aufgenommen. Der größte Jubel galt dabei Christian Thielemann, der das Festspielorchester wiederum zu einer glanzvollen Darbietung von großer Genauigkeit führte.

Dabei favorisierte Thielemann die kontrollierten Töne und verzichtete auf Pathos und allzu scharfe Konturen. Er schlug flotte Tempi an, wusste zwischendurch aber auch mit ungewöhnlich langen Pausen die Spannung geschickt zu steigern. Die Sänger agierten durchweg auf hohem Niveau und mit guter Textverständlichkeit. Christian Franz fehlt es in der Titelrolle etwas an tenoraler Strahlkraft, doch er bewältigte die Mammutpartie des Siegfried ohne Pannen und mit viel Routine und verlieh dem jungen Helden auch empfindsame Züge.

Auf dem Weg zum Brünnhildenfelsen - wo die Walküre auf einer Palette im Schlaf liegt - legte Franz in den ersten beiden Akten zwar dann und wann stimmlich den Schongang ein - doch das ist nicht verwunderlich, erwartet ihn Brünnhilde doch gut ausgeruht, um mit ihm das längste Liebesduett der Opernliteratur anzustimmen. Franz und Linda Watson als variabel singende Brünnhilde mit expressiven Ausbrüchen gestalteten die Szene in ekstatischer Steigerung bis hin zum leuchtenden Liebesglück.

Wolfgang Schmidt gab einen soliden Mime mit viel Spielwitz; Albert Dohmen zeigte einen gereiften Wanderer, Christa Mayer eine ausdrucksstarke Erda in tiefblauer Nacht und Andrew Shore einen knorrigen Alberich, der vergeblich auf den Ring lauert. Aus der Tiefe der Lindwurmhöhle überzeugte Ain Anger als Fafner. Der dramatische Kampf zwischen Siegfried und dem Untier wird allerdings szenisch mit einem angedeuteten Schwertgefuchtel im Bühnenhintergrund ziemlich verschenkt; er wirkt ähnlich dilettantisch angelegt wie die große Schmiedeszene im ersten Akt, die im chaotischen Durcheinander des Klassenzimmers nicht recht in den Bann zu ziehen vermag.

Die aus dem Jahr 2006 stammende Inszenierung von Tankred Dorst bietet somit lediglich den Rahmen für die Sänger. Das Konzept, die Handlung nach dem Motto «Die Götter sind mitten unter uns» in der heutigen Welt anzusiedeln, wird allenfalls in Ansätzen erkennbar, wenn ab und zu Statisten über die Bühne huschen. Der «Ring» wird an diesem Samstag mit der Oper «Götterdämmerung» abgeschlossen. Die Richard-Wagner-Festspiele dauern noch bis zum 28. August.

dpa-infocom