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Musik

60.000 Fans halten «Troy» zu den Fanta 4

Stuttgart Nach anderthalb Stunden ist er da, der Alptraum aller Musiker: Tonausfall.

Doch das Publikum johlt begeistert, es erklingen laute Rufe nach «Vier, Vier, Vier». Zwei Minuten später läuft alles wieder normal.

Die Fantastischen Vier, erfolgreichste deutsche Band für Sprechgesang, feiern ihr 20. Bühnenjubiläum unter freiem Himmel in Stuttgart. Da kann eine Pause während der Zeilen «Bring it back, the old Stuttgart Rap» die Stimmung nicht trüben.

Es wirkt, als ob Fans und Musiker während dieser Unterbrechung noch einmal Anlauf nehmen für die letzte Stunde des Konzerts. In der wird besonders klar, warum viele von den rund 60 000 Zuschauern hier sind: Fast jeder der heute um die 30-Jährigen verbindet mit diesen Liedern Erlebnisse der eigenen Vergangenheit: die erste eigene CD «Die da?!», Liebeskummer bei «Sie ist weg», fröhliche Party-Abende mit «MfG» oder, beinahe ein Fazit zur «Quarter-Life-Krise», der Song «Troy» mit dem Text «Ihr hattet gute Zeiten [...] Ihr hattet schlechte Zeiten [...] Und wir bleiben troy».

Besonders im Mittelteil spielen Thomas D., Smudo, Michael «Michi» Beck und And.Ypsilon aber auch eher unbekannte Lieder, immer zusammen mit dem «Orchester des nationalen und akademischen Bolschoitheaters der Republik Belarus» aus Minsk, wie Smudo erklärt. Doch auch mit der weißrussischen Unterstützung bekommt das Publikum die Hits in Arrangements zu hören, die es von früheren Unplugged- und Live- Aufnahmen kennt. So entwickelt sich der Jubiläumsabend zwar eher zum bewährten als zum innovativen «Best of», der Stimmung tut dies jedoch keinen Abbruch. Das gilt auch für die Tatsache, dass keine anderen Musiker zu Gastauftritten auf die Bühne kommen - und das, obwohl die «Fantas» einmal so etwas wie die Speerspitze einer Stuttgarter Musikbewegung waren.

Überhaupt steht die Musik fast drei Stunden klar im Vordergrund. Auf die Schlaglichter der Bandgeschichte gehen die Musiker nur vereinzelt zwischen den Songs ein. Lediglich zu Beginn und kurz vor Schluss werden kurze Videos eingespielt. Sie zeigen nicht nur, welchen Weg diese spezielle Band, sondern eine ganze Industrie gegangen ist. Schnipsel aus einer Zeit, in der im Musikfernsehen tatsächlich noch Musik gespielt wurde, wechselten sich ab mit dem Hinweis auf den Auftritt bei Dieter-Thomas-Hecks «Hitparade» im ZDF. Bis schließlich kurz vor dem Schluss-Hit «Populär» doch noch einige Ausschnitte aus der frühesten Anfangszeit der Band zu hören sind, als sie als «Terminal Team» auftraten - «Vor zwanzig Jahren, in diesen Weinbergen», wie Smudo zu Beginn erklärt hatte.

Was bleibt nach fast drei Stunden Jubiläum? Wohl am ehesten der Konzertabend einer sichtlich gerührten Band, die, wie einmal ein Kritiker der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schrieb, «den Geist eines mittelständischen Rap-Unternehmens, das gerne zurückblickt, nicht verleugnen» kann: groß in den Dimensionen und gefeiert vom Publikum - viele Fan-T-Shirts fassten diese Gefühle mit einem einfachen Aufdruck zusammen: «Troyer Begleiter». Von Christian Fahrenbach, dpa

dpa-infocom