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Musik

Katie Melua sorgte für Gänsehaut

Stuttgart Katie Melua kann mit ihrer Stimme in manchen Momenten tatsächlich Gänsehaut erzeugen. Die britische Sängerin mit georgischen Wurzeln hat den Stuttgarter Jazzopen am Sonntagabend einen fulminanten Abschluss verpasst und 8500 Fans in der Messehalle begeistert.

Die kritisierte Akustik schien verflogen, als die 24- Jährige mit den Stuttgarter Philharmonikern auftrat. Als Melua von ihrem Manager und Produzenten Mike Batt hereingebeten wird, genügen ein Bild von ihr auf den großen Leinwänden und die ersten Zeilen von «Call Of The Search», damit sie den Raum ausfüllt. Vor allem wirkt ihre Klasse im Vergleich zum Vorprogramm: Filmmusik von Batt sowie die Nachwuchssängerin Florence Rawlings. Sie ist nur vier Jahre jünger als Melua, doch gesangsmäßig viel weiter entfernt. Wo sie auf der Bühne gefällige Pop-Songs singt, setzt sich Melua kurz danach klar ab vom Mainstream-Klang.

«Wow», raunt da ein Zuhörer nach wenigen Sekunden einfach nur - zugegebenermaßen ist es auch der Blick Meluas und dieser Schuss Verruchtheit, mit dem sie das Publikum für sich einnimmt. Eine schwarze Federboa hat sie sich um die Schultern gelegt, Pailletten glitzern an ihrem ebenfalls komplett schwarzen Outfit. Dass sie so überzeugen kann, liegt auch daran, dass sie sich weder zu sehr anbiedert - mit dauernden «Dankey-Schöns» oder ähnlichem - noch distanziert wirkt.

Höhepunkte das Abends sind Songs wie «Thank You, Stars» oder «Spider's Web», bei denen sich die mehrtägigen Proben von Melua und ihrer Band mit den Philharmonikern auszahlen. Die glasklare, aber warme Stimme Meluas wird von den Musikern unterstrichen - jedoch kaum übertönt, denn die zierliche 24-Jährige offenbart ein beeindruckendes Stimmvolumen. Einzig Schlagzeuger Henry Spinetti ist teilweise zu laut abgemischt, so dass das Ende einiger Lieder ein wenig plump wirkt.

Natürlich braucht es auch an diesem Abend den Hit «The Closest Thing To Being Crazy», und die Pärchen im Publikum können sich aneinander schmiegen. An dieser Stelle schaffen es die Cellisten unter den Philharmonikern zugleich, Meluas Song einige neue Facetten hinzuzufügen. Da wünscht man sich, dass dies kein einmaliges Experiment bleibt. Mike Batt war bereits 2008 mit dem Orchester bei den Jazzopen aufgetreten, da stehen die Chancen vielleicht nicht schlecht. Zumal eine ausverkaufte Messehalle für die Philharmoniker ja auch keine Allerweltserfahrung ist.

Vor eineinhalb Wochen hatte Melua ein Konzert in Mainz noch wegen Krankheit abgesagt - nach einem Auftritt in der Schweiz scheint am Sonntagabend aber auch in Stuttgart kaum etwas daran zu erinnern. So dreht sie richtig auf, wenn sie den «Kozmic Blues» von Janis Joplin schmettert. Überhaupt ist das Abschlusskonzert der Jazzopen ziemlich vom Blues geprägt. Wenn Kritiker Melua als Pop-Sängerin beschreiben, mag das auch daher rühren, dass sie eben kaum eindeutig einzuordnen ist. Jazz ist bei dem Stuttgarter Festival prominent vertreten - wenn ein Auftritt aber so berührt, mit Blues oder mit reinem Pop, spielt die Kategorie sowieso keine Rolle.

www.jazzopen.com Von Johannes Wagemann, dpa

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