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Musik

Wacken-Gründer: Wir spüren die Krise nicht

Wacken Was 1990 mit einigen hundert Musikfans auf einem Acker im schleswig-holsteinischen Wacken begann, ist heute das größte Heavy-Metal-Festival der Welt.

Zum 20. Mal stellt Thomas Jensen gemeinsam mit seinem Freund Holger Hübner das seit Monaten ausverkaufte Wacken-Open-Air (W:O:A) in Schleswig-Holstein auf die Beine. Zum Jubiläumsspektakel vom 30. Juli bis 1. August werden unter anderen Motörhead, Doro, Saxon und Antrax auf der Bühne stehen, erwartet werden wieder rund 75 000 Besucher aus aller Welt. Thomas Jensen über die Folgen der Krise, das Erfolgsrezept des Festivals und ein wenig Melancholie:

Was ist das Erfolgsrezept von Wacken?

Jensen: «Auch wenn Kritiker sagen, das geht nicht: Wir sind auch mit über 70 000 Besuchern immer noch ein familiäres Festival. Hier ist alles vertreten, von der ersten bis zur dritten Generation. Zudem stammen viele aus unserem Team aus Wacken. Ich bin hier aufgewachsen und Holger (Hübner) ist noch als Torwart bei den Alten Herren des TSV Wacken aktiv. Das Dorf hilft mit, im Gegenzug fördern wir mit einem Teil unserer Einnahmen zum Beispiel den Kindergarten und das Schwimmbad. Und die Dorfbewohner können einen Tag umsonst aufs Festival. Außerdem fördern wir den Metal-Nachwuchs, in mittlerweile 21 Ländern gibt es Nachwuchswettbewerbe, die beste Band aus jedem Land spielt beim Wacken Open Air.»

Spüren Sie die Krise?

Jensen: «Bisher nicht. Das Festival war aber zum Glück schon vor Ausbruch der Krise ausverkauft. Wir denken, dass wir gerade jetzt den Auftrag haben, positive Vibrations zu verbreiten. Gerade auch für die ganzen Händler ist das hier eine Möglichkeit, das Ruder noch mal rumzureißen. Die Plattenfirmen sterben ja derzeit wie die Fliegen an der Wand, aber das hier ist für viele Besucher eine gute Ablenkung, hier können sie mal ordentlich Dampf ablassen. Und das Schöne ist, es ist bisher immer friedlich geblieben. Wir haben hier weniger Aggressionen als auf einem Kreisliga-B-Spiel.»

Kommt zum Jubiläum auch etwas Melancholie auf?

Jensen: «Das liegt in der Natur der Sache. Alles ist so groß geworden, manchmal denke ich beim Abbau, wie ich vor 10 Jahren noch selbst irgendeine Bodenplatte in einem Zelt verlegt habe. Und früher war es zum Teil ganz schön chaotisch, aber der besondere Geist, den gibt's bis heute. 1992 oder 1993 gab es da so einen Tequila-Stand auf einem Campingplatz, die beiden, die ihn betrieben haben, waren ihre besten Kunden. Nacheinander sind sie ins Koma gefallen und irgendein Biker hat dann zu den anderen Gästen gesagt: "Okay, saufen dürft ihr alles, aber das Geld bleibt in der Kasse." Als die beiden am nächsten Morgen wieder aufwachten, war zwar der ganze Schnaps weg. Aber der Biker übergab ihnen die komplette Kasse mit 3000 Mark.»

Interview: Jenny Tobien und Georg Ismar, dpa

dpa-infocom