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Das Burgenland gilt Weinkennern als Genussregion

Rust Sie nennen es Genussregion - und wer möchte den Burgenländern widersprechen? Das östlichste Bundesland Österreich setzt beim Weinanbau Trends. Gerade junge Winzer setzen auf die Vorzüge alter Rebsorten - mit Erfolg.

Wenn Winzer Ernst Triebaumer auf seinem Weingut am Neusiedler See eine Flasche der uralten Traubensorte Furmint öffnet, strahlt ihm das neue Selbstbewusstsein der besten Weinregion Österreichs aus dem Gesicht. Sein Cousin Richard Triebaumer aus Rust hat die Zutaten zur Brotzeit gebracht: in Muskateller-Essig eingelegte Sommer-Gemüse, Olivenschmalz und Leberpastete vom Mangaliza-Schwein.

«Wir waren früher immer die Ostfriesen Österreichs», sagt Triebaumer. «Zumindest, was den Wein betrifft, werden jetzt immer weniger Scherze gemacht.» Aus dem Landstrich südöstlich von Wien ist eine Trendregion geworden, die vorzeigt, was sie hat. Größter Schatz ist die Natur mit dem Neusiedler See. Mit seinem Schilfgürtel ist er Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen und sorgt für ein einzigartiges Mikroklima, von dem der Weinbau profitiert. Längst stehen nicht mehr nur Namen wie Kracher für Süßweine, Gesellmann für große Rotweine oder Velich für weiße Chardonnays im Rampenlicht. Jetzt strebt eine Riege oft junger Winzer nach vorn und besinnt sich auf die Vorzüge alter Rebsorten wie Blaufränkisch und Zweigelt.

Mit ausgefeilter Werbestrategie werden dazu die Touristen ins Land und ins Städtchen Rust gelockt. Dort wohnt der Weinbauer Hans Feiner, der das Konzept für die Fernsehserie «Der Winzerkönig» ersonnen hat. Irgendwie schauen hier viele wie kleine oder große Winzerkönige aus, wenn sie begeistert von ihren Rotweinen sprechen.

In Gols am Nordostufer des Neusiedler Sees kann man die «Pannobile»-Cuvées einer Gruppe von neun jungen Winzern probieren, die ihre Nobel-Weine nach dem Namen der alten römischen Region Pannonien tauften. Neben Paul Achs und Gernot Heinrich gehört Judith Beck zu diesem Kreis, eine der jungen und qualitätsbesessenen Winzerinnen des Burgenlandes. Auch Birgit Braunstein in Purbach ist ein Winzerinnen-Star. Sie schwärmt vom roten Blaufränkischen: «Unsere autochtone Antwort auf Burgund.»

Einen eigenen Stil pflegt Winzer Alfred Gesellmann weiter im Süden in Deutschkreutz: «Die Globetrotter wachsen überall», sagt er. In der Vinothek des Ortes gibt es die Weine des Mittelburgenlandes und des Südens zu kosten. Was der Kenner an Gerbstoffen schmecken soll, sagen die Schildchen an den Regalen: «Feinkörnige Tannine, engmaschiges Gerbstoffnetz, zart jugendliche Tanninreflexe, kompakte Tanninstruktur» zum Beispiel. Wer dem nicht folgen kann, hält sich an «trinkanimierend» oder an: «sehr schöner Trinkfluss».

Weiter im Norden werden für den eigenen Burgenland-Stil am Leithagebirge neue Rebenhänge gepflanzt. Ein feiner Grüner Veltiner gedeiht hier. Unten am Wasser leben Natur und Weinbau nicht immer harmonisch zusammen. Hier grasen weiße Esel und Wasserbüffel, man züchtet die wolligen Mangaliza-Schweine und kennt 320 Vogelarten, die den Winzern aber oft zur Plage werden.

Renommier-Winzer Roland Velich schwärmt in Apleton am Ostufer des Sees von der burgenländischen Identität und ihrer Vielfalt: «Unser Stärke sind die Rahmenbedingungen, die das alles zulassen - im Umkreis von 35 Kilometern Rot, Weiß und Süß von Weltklasse.» Velich hat mit seinen weißen Chardonnays schon manchen internationalen Wettbewerb gewonnen. Sein Traum heißt «3 B»: «Dass man Bordeaux, Burgund und Burgenland einmal in einem Atemzug nennt.»

Informationen: Wein Burgenland , Esterhazy Straße 15, A-7000 Eisenstadt; Telefon von Deutschland: 0043/2682/70 26 31, E-Mail: info@weinburgenland.at

Infos zum Weinbau im Burgenland: www.weinburgenland.at Von Christian Volbracht, dpa

dpa-infocom