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Familien entdecken das Herbergsleben

Beckerwitz/Rostock Mit Freunden auf Wanderschaft war Rudolf Starosta (48) erstmals vor 32 Jahren.

Die Tour damals führte den Rheinländer per Rad bis Timmendorfer Strand an der Ostsee in Schleswig-Holstein.

Übernachtet wurde in Jugendherbergen , erinnert er sich. Seither reist er jedes Jahr kreuz und quer durch Deutschland oder Großbritannien. Auf «Herbergs-Hopping» geht er inzwischen zusammen mit Frau und drei Töchtern. Preise und Kontaktmöglichkeiten in Jugendherbergen seien unschlagbar, Betten, Essen und Aufenthaltsräume hätten mittlerweile einen guten Standard, sagt der Herbergsgast in Beckerwitz bei Wismar.

100 Jahre nach ihrer Gründung erfreuen sich Jugendherbergen wachsender Beliebtheit. Zunehmend quartierten sich Eltern mit Kindern ein für rund 20 Euro pro Bett und Frühstück, so Kathrin Arscholl, Sprecherin des Jugendherbergswerks Mecklenburg-Vorpommern (Rostock). Neben den Preisen lockten das Umfeld, entspanntes Flair und unkomplizierter Service. Die Häuser im Nordosten sind Spitze im Familienurlaub: Fast ein Drittel der Gäste übernachten in Familie in einer der 27 Herbergen des Landes, so viele wie nirgends sonst in Deutschland. Gefragt seien Lagerfeuerromantik statt Etikette bei Tisch, Trubel und Kontakte statt Luxus und Ruhe, meint Knut Dinter, Sprecher des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) in Detmold (Nordrhein-Westfalen).

Auf Komfort müsse dabei längst nicht mehr verzichtet werden, sagt auch die Beckerwitzer Herbergsmutter Rita Streif. Fast alle Häuser auch im Nordosten seien renoviert, um- und ausgebaut. In dem historischen Landsitz Beckerwitz an der Ostsee, Jugendherberge seit 1937, gebe es Ein- bis Achtbettzimmer, Kamin- und Fernsehraum, Frühstücksbüfett und warmes Abendessen sowie spezielle Programme für Gruppen und Familien. Rudolf Starosta kauft derweil BUGA-Karten für einen Ausflug nach Schwerin. Auch ihn stört es kaum, dass sich die Herbergen von ihrer ursprünglichen Idee, nur Jugendliche aufzunehmen, entfremdet haben.

Hoteliers sehen diesen Trend eher kritisch. «Damit schießen die Jugendherbergen übers Ziel hinaus», meint Jürgen Benad, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Berlin. Die Unterbringung von Erwachsenen über 27 Jahren sei nicht satzungskonform, schließlich erfülle der DJH einen gemeinnützigen Zweck. Steuerrechtlich hätten Hotels eine andere Kostenstruktur und könnten preislich mit den Herbergen nicht mithalten. DJH-Sprecher Dinter aber sieht in der Unterbringung junger Familien mit minderjährigen Kindern ebenso einen gemeinnützigen Aspekt wie bei die Durchführung von Klassen- und Vereinsfahrten.

«Die stärksten Zuwächse bei den Herbergsgästen hatten wir in den letzten Jahren bei den Familien», sagt der Sprecher. Jede fünfte deutsche Jugendherberge trägt mittlerweile das verbandsinterne Zertifikat, das sie als «besonders geeignet für Familien» ausweist. Viele Einrichtungen, auch jene ohne Siegel, rüsten auf: So gibt es in Güstrow ein extra Familienhaus, in dem alle Zimmer ein Bad haben. Born auf dem Darß - einzige zertifizierte Familienherberge im Nordosten - bietet eine Bastelwerkstatt. In Heringsdorf auf Usedom kommen Strandgänger, Wassersportler, Radler und Wanderer auf ihre Kosten, in Wismar die Surf- und Segelfreunde. 18 Häuser in Mecklenburg-Vorpommern haben Familien-Wochenendprogramme in einer Broschüre zusammengestellt.

Der Erfolg scheint den Herbergseltern Recht zu geben, trotz Krise steigen die Übernachtungszahlen. Insgesamt 10,2 Millionen Übernachtungen verbuchten die 548 deutschen Jugendherbergen 2008, 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Schulklassen bildeten bundesweit mit 41 Prozent die Hauptgästegruppe, Familien machten fast ein Sechstel der Übernachtungen aus - und in Mecklenburg-Vorpommern sogar knapp ein Drittel.

Jugendherbergen in Deutschland: www.djh.de Von Grit Büttner, dpa

dpa-infocom