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Pippi lässt grüßen: Der Traum vom «Schwedenhaus»

Augsburg Weite Wälder, tiefblaue Seen und dazwischen rote, gelbe oder auch blaue Häuschen mit weißen Einfassungen: Spätestens seit Astrid Lindgren ist das Bild vom Leben in Schweden ein sehr romantisches.

Weil die schwedische Holzbauweise aber nicht nur hübsch, sondern auch energiesparend und ökologisch sinnvoll ist, stehen auch in deutschen Siedlungen immer mehr «Schwedenhäuser».

Doch was genau ist eigentlich so ein Haus? «Schwedenhaus ist kein geschützter Begriff, sondern bezeichnet lediglich die in Schweden übliche Holzbauweise», erklärt Hans Schröder vom Regionalbüro des Verbands Privater Bauherren (VPB) in Augsburg. «In der Regel haben diese Häuser zwei Geschosse, ein flach geneigtes Satteldach und sind auch von außen mit Holz verkleidet.» Und natürlich sind sie meist ein bunter Farbklecks im Einheitsbrei der Neubausiedlungen: «Schwedenrot» ist nach wie vor der Renner unter den Holzfassadenfarben.

Aussagekräftiger als das romantische Klischee vom hübschen bunten Holzhaus ist aber die spezielle Art der Gestaltung und Konstruktion der nordischen Bauweise, betont der Architekt und Autor Jon Steinfeld aus Karlsruhe, der ein Buch über die skandinavische Architektur verfasst hat. «Das skandinavische Wohnen zeichnet sich durch Reduzierung und Effizienz aus. Es finden sich selten spektakuläre Experimente in Gestaltung oder Konstruktion. Die Bauten sollen den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden, und viel mehr wird nicht für notwendig gehalten.»

Schlichte, klare Formen ohne viel Schnickschnack, sinnvolle Proportionen und eine kompakte Bauweise sind also typisch für die «Schwedenhäuser». Da es sich um Holzrahmenkonstruktionen handelt, können die meisten Bauteile vorgefertigt geliefert werden. Das verkürzt die Bauzeit enorm: Je nach Modell lässt sich der Traum vom «Schwedenhaus» in nur einer bis sechs Wochen erfüllen. «Das spart bares Geld, weil man nicht noch Monate woanders Miete zahlen muss», so Gerhard Langer, Geschäftsführer des Unternehmens Aladomo Immobilien im niedersächsischen Ritterhude, das sich unter anderem auf «Schwedenhäuser» spezialisiert hat.

Natürlich legt die Entscheidung für ein «Schwedenhaus» den Hausbesitzer stilistisch zumindest bei der Fassade ziemlich fest. «Wer ein skandinavisches Haus baut, der verzichtet automatisch auf eine Betonung des Individualstils», so Steinfeld. «Innerhalb des Grundrisses sind aber alle Variationen möglich», sagt Hans Schröder.

Hauptargument der «Schwedenhaus»-Fans sind längst nicht mehr nur die Optik oder die kurze Bauzeit: In Zeiten von Klimawandel und steigenden Energiepreisen zählt vor allem der Öko-Touch. Nicht nur, dass Holz ein nachwachsender Baustoff ist. «Schwedenhäuser» schonen vor allem auf lange Sicht den Geldbeutel, weil ihre Bewohner weniger heizen müssen: «Unsere nördlichen Nachbarn haben schon viel länger als wir über Energieeinsparung nachgedacht», sagt Schröder. «Deshalb sind viele Gebäude sehr energieeffizient.»

Die Hülle solcher Holzhäuser lasse sich einfach und wirksam dämmen, erklärt Jon Steinfeld, weil das Holz selbst mitdämme, ohne eine Kältebrücke zu bilden. Auch der häufige Verzicht auf einen Keller bringt energiemäßig Pluspunkte. Automatisch mitgeliefert wird die Energieersparnis aber nicht unbedingt: «Nicht jedes «Schwedenhaus» ist ein Passivhaus», warnt Schröder. «Man sollte bei der Bestellung sehr genau festlegen, wie hoch der Energieverbrauch tatsächlich ist.»

Auch müsse sich jeder Bauherr darüber im Klaren sein, dass Holz als Naturstoff witterungsanfällig ist und daher Pflege braucht, ergänzt der Architekt Christian Gsella aus dem bayerischen Prien, der in Oslo studiert hat und so um die Vor- und auch Nachteile der skandinavischen Architektur weiß: «Man muss bei Holzbauten genau beachten, von welcher Seite der Schlagregen kommt, wie stark die Sonneneinstrahlung ist, oder ob das Holz, so wie es verbaut wurde, genügend atmen kann, damit es nicht zu Feuchtigkeitsschäden kommt.»

Schwierigkeiten bei der Genehmigung eines «Schwedenhauses» in deutschen Neubausiedlungen gibt es - anders als noch vor einigen Jahren - heute kaum mehr. Die dafür zuständigen örtlichen Baubehörden wüssten schließlich auch, dass ökologisch sinnvolles Bauen politisch gewollt ist, erklärt Langer.

Literatur: Jon Steinfeld , Thomas Steinfeld: Skandinavische Architektur, DVA, ISBN 978-3-421-03643-8, 59,95 Euro; Gabriele Walter: Ein Haus aus Holz, Blottner, ISBN 978-3-893-67101-4, 25 Euro; Johannes Kottjé: Die neuen Holzhäuser: Bauen mit einem natürlichen Material, DVA, ISBN 978-3-421-03515-8, 49,90 Euro. Von Melanie Brandl, dpa

dpa-infocom


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