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Leben unter einem Dach: Bauprojekt für Großfamilien

Bochum «Gute Nacht, John-Boy», «Gute Nacht, Jim-Bob»: In den 70er und 80er Jahren verfolgten viele die Heile-Welt-Fernsehserie «Die Waltons».

Unter einem Dach lebend meisterten Großeltern, Eltern und sieben Kinder auch die schwierigsten Zeiten.

Unerschütterlicher Familiensinn bis hin zu den Gute-Nacht-Wünschen, die jede Episode abschließen, schweißte die Großfamilie zusammen. Leben in einer Großfamilie war lange auch in Deutschland selbstverständlich. «Da die verschiedenen Generationen oft auch finanziell aufeinander angewiesen waren, gab es keine Alternative», sagt Mustafa Cetinkaya vom Wohnbund im Bochum.

Heute allerdings wohnen Großeltern, Eltern und Kindern - nicht nur wegen der beruflich geforderten Mobilität - nur noch selten in einem gemeinsamen Haus. Dabei sprechen für generationenübergreifende Wohnprojekte auf den ersten Blick viele Vorteile: Die ältere Generation fühlt sich sicherer bei ihren Kindern und kann länger selbstbestimmt zu Hause wohnen. Die Kinder, die inzwischen selbst berufstätige Eltern sind, freuen sich über jede Hilfe bei der Betreuung ihrer Kleinen.

«Dennoch sollte das Zusammenleben unter einem Dach nicht nur durch die rosaroten Brille gesehen werden», sagt die Familienpsychologin Christiane Papastefanou aus Ludwigshafen. Denn zu viel Nähe berge auch einigen Konfliktstoff.

«Die Entscheidung für ein Mehr-Generationen-Haus ist meist freiwillig», sagt Papastefanou. In manchen Fällen sei dies aber auch durch finanzielle Engpässe erzwungen, etwa dann, wenn Kinder nach dem Studium oder der Bundeswehr durch Arbeitslosigkeit nicht auf eigenen Füßen stehen können. Als Dauerlösung werde das Zusammenleben aber nicht akzeptiert, da die Intimität in einer Wohnung sowohl von Eltern und Kindern eingeschränkt ist.

Auch freiwilliges Zusammenleben birgt Konfliktstoff: «Junge Großeltern, die selber noch mitten im Erwerbsleben sind, stehen für die Kinderbetreuung nicht ununterbrochen zur Verfügung», so die Wissenschaftlerin. Und der Pflegebedarf älterer Angehöriger lasse sich nicht immer mit der Zeit und den Plänen berufstätiger Kinder in Einklang bringen. Wichtig für den Frieden zwischen den Generationen: Im gemeinsamen Haus sollte das Wohnen in separaten, abgetrennten Wohnbereichen möglich sein.

«Viele Senioren zieht es nicht so sehr in den Haushalt ihrer Kinder. Die meisten bevorzugen - zumindest solange sie nicht pflegebedürftig sind - ihre Unabhängigkeit», sagt Ursula Geismann vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) im nordrhein-westfälischen Bad Honnef. Oft sprächen aber handfeste finanzielle Vorteile für das Projekt Mehr-Generationen-Haus. Denn gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten könne ein Hauskauf nur gemeinsam bewältigt werden.

Einige Fertighausunternehmen bieten speziell als Mehr-Generationen-Häuser konzipierte Wohnhäuser an. «Die Konzepte sind so ausgelegt, dass durch eine klare Trennung der Wohnbereiche die Privatsphäre der einzelnen Parteien erhalten bleibt», erklärt Geismann. Es gebe beispielsweise Varianten, bei denen das Einzelhaus der Älteren mit dem der Jüngeren mit einer Brücke verbunden ist. Die Möglichkeit, in einem Haus gemeinsam zu leben, würden aber auch klassische Zweifamilienhäuser, Einfamilienhäuser mit Einliegerwohnung oder Doppelhäuser bieten.

«Je besser es gelingt, die Lebensbereiche im Mehr-Generationen-Haus zu trennen, desto einfach wird das Zusammenleben», bestätigt Papastefanou. Denn durch zu viel Nähe können alte Konflikte zwischen Kindern und Eltern wieder aufbrechen. «Harmonisches Zusammenleben von mehreren Generationen braucht von Anfang an klare Absprachen», sagt die Psychologin. Dann profitiere die Großfamilie von den positiven Aspekten dieses Zusammenlebens. Denn die gebe es natürlich auch. Eine Heile-Welt-Familienidylle mit Gute-Nacht-Wünschen wie bei den Waltons ist für ein glückliches Miteinander aber heute nicht ein realistisches Vorbild. Wohnprojekte für Jung und Alt Wenn Alt und Jung unter einem Dach wohnen, muss das nicht immer eine Familie sein. Es gibt in Deutschland einige Wohnprojekte, in denen Senioren und junge Menschen zusammenleben. «Das Interesse ist in letzter Zeit enorm gewachsen», sagt Ingeborg Dahlmann vom Forum Gemeinschaftliches Wohnen in Hannover. Oft seien es die Älteren, von denen der Anstoß für solche Projekte ausgeht. Verwirklicht werden könnten generationsübergreifende Wohnprojekte durch den Erwerb von Eigentum. Aber auch Genossenschaften böten solchen Wohnraum für Projekte an. Von Stephanie Hoenig, dpa

dpa-infocom


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