pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Garten & Umwelt     » News     » Gartenwelt     » Umwelt     » Zeit für…
[an error occurred while processing this directive]

Teil 3 - Horhausen: Ein Dorf kommt auf die Kräuter

Horhausen Ein frischer Wind umbraust die Wipfel der drei alten Pflaumenbäume.

"Hier blüht alles später", stellt Gabriele Andresen reichlich ungerührt fest und lässt den Blick über die Kräuterbeete rund um sie herum schweifen. Grund für Frust ist das nicht - im Westerwald braucht die Natur halt etwas länger.

Kaum zu glauben, dass die kleine Naturoase im Ortskern von Horhausen noch vor ein paar Jahren nicht mehr war als "ein Stückchen Pferdewiese mit ein paar Bäumen drauf". Gewieher ist heute immer noch zu hören, nun allerdings von jenseits der hohen Hecke auf der anderen Straßenseite. Die Verwandlung zum Garten der Sinne kam in Gestalt ehrenamtlicher Beetpaten. Seit drei Jahren schwingen sie die Schaufel, zupfen Unkraut, pflanzen und wässern. 2008 stieß Gabriele Andresen dazu.

Wenn die heutige Leiterin der Kräuter-AG den Garten betritt, schaut sie sich erst einmal um. Was blüht gerade, was summt und fliegt umher? Erst dann folgt der Blick der Macherin: Welches Beet, welche Pflanze hat es am nötigsten? Das Rüstzeug - Gartenschere und Hacke, Schippchen und Federbesen - ist immer zur Hand. Doch es gibt Tage, an denen sie und ihre Mitstreiter beim besten Willen nicht zum Arbeiten kommen, weil alle paar Minuten ein Bekannter vorbeischlendert und auf ein Schwätzchen stehen bleibt. Kein Zweifel: Der Kräutergarten ist nicht nur grünes i-Tüpfelchen des 2000-Einwohner-Ortes im Kreis Altenkirchen, sondern hat sich ganz nebenbei zu einem Ort der Kommunikation gemausert.

Vor ein paar Jahren ist die Gemeinde auf die Kräuter gekommen: Unter der Leitung von Ingrid Skrypietz beteiligte sich Horhausen Ende 2005 mit dem Projekt "Gesund leben mit Kräutern" an der Kampagne "Unsere Gemeinde is(s)t gesund und fit". Der Wunsch nach einem eigenen Projektgarten wurde den AG-Mitgliedern im Jahr darauf erfüllt: Auf einem zentral gelegenen Eckgrundstück entstand der Muster-Kräutergarten, in dem ein Kiesweg und zwei in Fächer unterteilte Hochbeete Rasenflächen und Themenbeete voneinander abtrennen.

In der "Rheinischen Schieferecke" schmiegen sich Lavendel, Katzenminze, Salbei und Thymian dicht aneinander. Ein Traum in Blau. Gegenüber verströmen die aufblühenden Wildrosen ihren Duft. Und auch die Fingerhüte im Giftbeet haben ihre rosafarbenen Glöckchen bereits geöffnet. Endlich: Im Juni hat nun auch im Westerwald die Kräutersaison begonnen. Regelmäßig treffen sich jetzt die Beetpaten, um die anstehenden Arbeiten zu erledigen. Zu naschen gibt es dabei immer etwas: Ein Brot mit Kräuterquark gefällig? Oder wie wäre es mit etwas Süßem mit Minzeblättchen?

Das "Personal" kommt und geht. Seit dem Projektstart ist die Fluktuation der Paten groß, doch nie bleibt ein Beet lange verwaist. Derzeit gibt es 15 Kräutergärtner. Gerade einmal 12 Jahre alt ist der jüngste, der älteste zählt 82 Lenze. Dazwischen regiert die weibliche Hand: im gelben Heilpflanzenbeet, bei den Asia-Kräutern und Minzen, Duftpelargonien und Exoten wie Stevia, Balsamstrauch und Orangenduft-Aniskraut. Auch Horhausens Bürgermeister Rolf Schmidt-Markoski ist mit von der Partie: Mit Ehefrau Petra betreut er das Wildkräuterhochbeet.

Zwischen Pimpinelle und Sauerampfer ist Gabriele Andresen kaum mehr zu sehen. "Frankfurter Grüne Soße" - so nennt sich das Hochbeet, das sie selbst hegt und pflegt. Eine passende Kombination: Andresen stammt aus einem Vorort von Frankfurt, der Heimat der Kräuter-Spezialität. Auf den Geschmack der Grünen Soße gekommen ist sie aber erst in Horhausen - der AG sei Dank. Mut, mal was ganz Neues auszuprobieren: Den hat der Kräutergarten auch Petra Schima beschert. "Als Kind kennt man nur die Teebeutel", meint die Zwillingsmutter. Doch mit frischen Kräutern kommt man viel weiter, hat die Patin des mediterranen Beetes gelernt. Ihr Spezialgebiet ist die experimentelle Kräuterküche - nach dem Motto: "Entweder es schmeckt, oder es landet im Gully."

Doch auch im Kräuterparadies ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Mit Rückschlägen leben lernen musste etwa Marianne Rübenach, die die Küchenkräuter betreut. Mit der Hand streicht sie über die Zitronenmelisse und seufzt: "Ich hatte letztes Jahr so ein Pech." Da machten sich unersättliche Schnecken über ihre Pflanzen her. Besonders frustrierend, wenn gleich nebenan Currykraut und Colastrauch unangetastet um die Wette duften.

Doch im Kräutergarten gibt es immer genug Zerstreuung. Denn nur vor sich hin zu werkeln, ist nicht Sinn der Sache, meint AG-Leiterin Andresen: "Die Leute sollen sehen, dass hier was passiert." Prall gefüllt präsentiert sich deshalb das für alle offene Veranstaltungsprogramm im Garten: Ostereierfärben mit Kräutern, Insektenhotel-Workshop, Künstlertreff, Kräuterkeks-Backkurs für Kinder, um nur einiges zu nennen. Beim Horhausener Blumenmarkt ist die AG stets mit einem Stand vertreten. Fast schon Tradition ist die Veranstaltung "Kräuter und Wein", bei der sich der Tisch auf dem Rasenstückchen in ein großes Büffet verwandelt.

Pädagogisch wertvoll ist der Kräutergarten sowieso. Erst vor wenigen Tagen war eine Gruppe geistig behinderter Kinder von der Grundschule Wirges zu Gast. Auf dem Stundenplan: eine "Kräuter-Erfahrung mit allen Sinnen". Die Achtklässler der IGS Horhausen gärtnern seit einem halben Jahr mit steigender Begeisterung regelmäßig im Kräutergarten.

Umschauen, genießen, schnuppern, die besondere Atmosphäre erleben: Auch Spaziergänger und Wanderer vom nahen Westerwaldsteig haben den Kräutergarten für sich entdeckt. Und den Horhausenern selbst ist das Stückchen Grün inzwischen richtig ans Herz gewachsen. Sie schwören auf ihren Garten - auch nach dem offiziellen Ende der Kampagne, die ihn vor drei Jahren erst ermöglichte. "Viele nutzen den Weg durch die Kräuter als Abkürzung. Und Angestellte aus den Geschäften an der Hauptstraße verbringen ihre Mittagspause hier", erzählt Andresen.

Derweil baumelt ein mit Stroh gefüllter Tontopf im Wind, der etwas verlassen im dicht belaubten Pflaumenbaum hängt. Eine Heimstatt für den Ohrwurm. Denn was die Paten für die Beete, sollen nützliche Tiere für die Pflanzengesundheit im Kräutergarten sein. Und so werden demnächst heimelige Totholzhaufen die kahlen Stellen des alten Wacholders verdecken. Und für die Eidechsen soll"s ein Steinhügel sein - nur zwei von vielen Ideen, die die Kräuter-AG noch verwirklichen will.

Petra Ochs

Im Detail: Horhausen

● Anfahrt: Horhausen liegt mitten im Naturpark Rhein-Westerwald und ist leicht über die Autobahn (A 3, Ausfahrt Neuwied/Altenkirchen) zu erreichen. Der Kräutergarten liegt im Ortskern an der Ecke Forststraße/ Gartenstraße.

● Der Kräutergarten ist rund ums Jahr für Besucher geöffnet. Führungen mit einem kleinen Imbiss sind nach Vereinbarung möglich. Anmeldung unter Telefon 02687/927 190 oder per E-Mail an Gabriele.Andresen@t-online.de

● Nähere Infos im Internet: www.horhausen.de

● Freizeittipp: Der Horhausener Kräutergarten ist eine von 25 Stationen der Gartenroute des Projektes "Kräuterwind" im Westerwald. Weitere Stationen finden Gartenausflügler ganz in der Nähe, etwa den Bauerngarten des Raiffeisenmuseums in Flammersfeld und den neu eröffneten Kinderkräutergarten in Rengsdorf (Schalltorstraße in Richtung Apfelweg). Die Küche des Landgasthofs Reinhard in Straßenhaus, Raiffeisenstraße 4, widmet sich jeden Monat einem anderen Kraut. Infos: www.kraeuterwind.de , Telefon 02631/282 12. (peo)

RZO


Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.
Regioticker
Eventkalender
rz lexikon
Energiesparen