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Teil 5 - Am Ursprung des Limes: Gärtnern wie die alten Römer

Rheinbrohl Das grüne Büchlein mit Leineneinband von Gärtner Dirk Jirousek ist voller handschriftlicher Notizen. Einen römischen Kräutergarten anzulegen, ist eine Aufgabe mit besonderen Herausforderungen. Es gibt wenig Überliefertes und keine Bilder.

Doch das römische Kochbuch des Apicius gibt Auskunft. Es enthält Rezepte aus der Zeit der Römer, mit deren Hilfe in der Römerwelt Rheinbrohl ein sorgfältig angelegtes Gärtchen entstehen konnte. Vom Rande eines sonnenbeschienenen Platzes schaut es dem Besucher in saftigem Grün entgegen.

In Rheinbrohl beginnt der Limes , der legendäre Wall, der einst das römische Imperium begrenzte. Der Kräutergarten gehört seit wenigen Monaten zur Römerwelt, die hier vor etwa einem Jahr eröffnet hat. Die Verantwortlichen des Museums haben aus den alten Kochrezepten und Beschreibungen der damaligen Lebensweise herausgefiltert, was in diesen überhaupt hineingehört. "Ursprünglich war es wohl nur eine kleine, grüne Ecke in den Kleinkastellen, die den Römern als Kräutergarten diente", vermutet der Gärtner.

In Rheinbrohl ist daraus ein längliches Gärtchen in Hanglage geworden, auf dem einige Stellen in kräftigem Lila leuchten, weil der Sand-Thymian zu blühen begonnen hat. Er sieht ein bisschen aus wie die gemeine Heide, doch das täuscht. An anderer Stelle haben sich die weiß blühenden Buschbohnen über dem Boden erhoben. Auch der Mangold zeigt seine Blüten. Wandert das Auge weiter über den Hügel, entdeckt es fünf Sorten Pfefferminze und vier Sorten Salbei. Das Aussehen ist unverkennbar, aber die Sorten unterscheiden sich in Farbe, Größe und Geschmacksintensität.

Schon früh wussten die Römer um die Kraft der Kräuter. Mit ihrem Eindringen veränderten die Römer den schmucklosen germanischen Bauerngarten grundlegend. Vor allem am Rhein und in Süddeutschland hinterließen sie deutliche Spuren, indem sie ihre eigenen Würz- und Heilkräuter mitbrachten. Dazu gehören nach bisherigen Erkenntnissen Raute, Anis, Dill, Kerbel, Senf und Koriander, außerdem Mandeln, Aprikosen, Walnuss und Weinrebe. Auch Nutzpflanzen wie Kürbis, Gurken, Spargel, Sellerie, Knoblauch und Rüben wuchsen üppig in römischen Gärten.

Auch in Rheinbrohl wachsen Kräuter, Gemüse, Hülsenfrüchte, Salat- und Heilpflanzen. Der Auswahl liegen archäologische und paläobotanische Funde - also solche von fossilen Pflanzen - zugrunde. Die Mischung der Pflanzen erlaubt ein Bild vom Anbau wie von der Anwendung in der Antike. In der Römerwelt soll sich der Kräutergarten mit "Erlebnisbereichen" wie Getreidemahlen, römische Speisen, Obst- und Weinbau ergänzen, die sich zum Teil noch in Planung befinden.

Seitlich über dem Kräuterbeet thront ein nachgebildeter Römerturm. Erhaben ruht er über dem leeren, von der Mittagssonne aufgewärmten Platz. Der Schotter staubt beim Gehen, und es ist leicht, sich vorzustellen, wie die Römer diesen Platz damals bevölkert haben könnten. Vor dem geistigen Auge erheben sich wuchtige Gestalten in Rüstungen. Inmitten des Treibens hängt ein dampfender Kessel über dem Feuer, die Frauen kochen das Mittagsmahl. Doch in den Kräutergarten dürfen nur die, die etwas davon verstehen.

Auch heute ist dieser Platz von einem Römerlager bevölkert, zumindest hin und wieder. Die Akteure sind moderne Fans der Antike. Sie wollen eine Vorstellung davon bekommen, wie rau und einfach das Leben damals war. Bald soll es dazu eine Außenkochstelle und vielleicht einen römischen Backofen geben. Die ideale Ergänzung zum Kräutergarten.

"Die Wirkung mancher Kräuter ist wirklich erstaunlich", sagt Gärtner Jirousek. Petersilie zum Beispiel ist gut gegen Rheuma und Leberleiden. Salbei ist noch heute als Heilkraut bekannt. Und Basilikum ist nicht nur lecker zu Tomaten und Mozzarella, es ist auch gut gegen Verstopfung und Blasenentzündung.

Jirousek blättert weiter in seinem grünen Büchlein und erzählt von Garum, das er lachend als "das Maggi des Altertums" übersetzt. Die gelbliche Flüssigkeit wurde aus Salz und Fischteilen aufwendig hergestellt - und riecht auch heute noch scheußlich, wie die Probe im Tonkrug offenbart. Doch im Kochbuch des Apicius ist Garum Bestandteil fast jeden Gerichts und damit echt römisch.

Nicht nachweislich römisch ist die Anordnung und Pflege der Kräuter am Caput Limitis. Die Pflänzchen, oft nicht so kraftlos, wie sie scheinen, kämpfen sich durch feinen Schotter, den Jirousek als Schutz vor Kälte, Hitze und Unkraut auf dem Beet verteilt hat. Die sternförmig angeordneten Beetparzellen könnten tatsächlich aus einem anderen Jahrtausend stammen. "Ich habe einfach die Grundmuster des Limesturms im Beet widergespiegelt", sagt der Gärtner. Instinktiv hat er dem Beet eine fremdartige Anmutung gegeben.

Doch bei näherer Betrachtung der einzelnen Parzellen stellt sich heraus, dass viele Kräuter heute gar nicht mehr fremd sind. Die meisten, die dort sorgfältig Pflanze an Pflanze wachsen, sind zwar mediterran, aber auch hier in den meisten Küchengärten zu finden. Keilförmige Schildchen, hergestellt von einer Töpferin aus dem Nachbarort, verweisen auf das, was dort gedeiht. Mithilfe eines Handzettels - der Kenner schafft es auch ohne - sind dort Schnittlauch und Liebstöckel zu finden, Zwiebeln und Fenchel, Petersilie und Dill. Aber auch Gemüse wie Möhren und rote Beete, Stangensellerie, Blattmangold und Zuckererbsen. Denn für die Römer gehörte in einen Kräutergarten auch Gemüse. In Rheinbrohl soll in der nächsten Saison Rhabarber hinzukommen. Erst vor Kurzem fanden Forscher heraus, dass die Römer auch dieses Gewächs mit sich gen Norden brachten. Auch einige Weinstöcke sind geplant, um zu zeigen, wie die Römer Wein hergestellt haben.

Nachdenklich zupft Gärtner Dirk Jirousek einige Unkräuter aus dem Boden. Dieses Problem hatten sicher auch die Römer. Jirousek klappt das grüne Büchlein zu. In Gedanken aber plant er bereits die nächste Saison.

Susanne Willke

Im Detail: Kräutergarten in der Römerwelt

● Lage: Am Beginn des 550 Kilometer langen "Limes-Romanus" in Rheinbrohl (Kreis Neuwied) finden Sie die Römerwelt am Knotenpunkt Rheinsteig/Westerwaldsteig/Limeswanderweg. Adresse: Arienheller 1, 56598 Rheinbrohl, Telefon 02635/921 866, E-Mail: info@roemer-welt.de.

● Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag von 10 bis 18 Uhr, Montag geschlossen. Besichtigung für Gruppen nach Anmeldung: Telefon 02635/921 866. Erwachsene zahlen 4 Euro.

● Freizeitipp: 8. August, Offene Weinprobe im römischen Ambiente, 17 bis 21 Uhr, Eintritt 9,50 Euro inklusive Museum; 22./23. August, Lebendige Antike für Kinder; 19. September, großes Wildschweinessen

● Informationen im Internet unter www.roemer-welt.de

RZO


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