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Teil 6 - Kräuterparadies am Bauernhof: Dieser Garten ist zum Essen da

Eckelsheim/Kreis Alzey-Worms Über dem Bauerngarten von Marianne Stocker Maus steht die Hitze - seit Tagen schon. Das Surren einer Hummel tönt träge und verhallt im Flackern der Luft. Ein Ast des Himbeerstrauchs schmiegt sich an die aufgeheizte Scheunenmauer.

Die einst prallen Früchte werden zu Trockenobst. Willkommen in der Idylle, mitten im kleinen Eckelsheim (Kreis Alzey-Worms). Hier hat die Kräuterexpertin Marianne Stocker Maus mit ihrer Familie aus einem verfallenen barocken Bauerngut in mehr als 20 Jahren ein irdisches Paradies geschaffen: den Erb-Frey-Hof.

Die denkmalgeschützte, geschlossene Hofanlage besteht aus einem Herrenhaus, einer Scheune, einem Wirtschaftsflügel, der heute Ferienwohnungen birgt, und einer rundbogigen Toreinfahrt. In der Mitte liegt die alte Mistgrube, die mit Kopfsteinen und Kräuterbeeten zu einer Duftecke wurde. Fehlt nur noch die Bäuerin. Die tritt gerade aus den umgebauten Stallungen auf den Innenhof, eilt über das warme Pflaster an Blumenkübeln, Beeten und Bäumen vorbei in den Bauerngarten, um Zutaten für das Mittagessen zu ernten - so, wie es die Menschen bereits vor Jahrhunderten taten. Sie weiß genau, in welcher Ecke sie das Currykraut, die Stachelbeeren und den Lattich findet. Wo Basilikum und Zimmerknoblauch wachsen - und vor allem, wie die Pflanzen und Kräuter ausschauen.

Marianne Stocker Maus bückt sich, knipst ein Blatt Rauke ab, streicht sich eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht und knabbert am bitter-nussigen Grün. Die gebürtige Schweizerin ist keine Bäuerin, sondern arbeitet als Biologielehrerin. Kräuter sind ihre Leidenschaft und ihr Leben. Tiere gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr auf dem Hof - außer einem Hasen, zwei Katzen, Käfern, Fliegen und zwischen Salatblättern tanzenden Schmetterlingen. In mühevoller Arbeit hat die Frau ihren Bauerngarten angelegt. Die Liebe und das Wissen über Wildkräuter und Nutzpflanzen ist seit Kindertagen gewachsen.

Ihre Großmutter war es, die den Enkeln bei Streifzügen durch die Natur die Pflanzen näherbrachte. Heute gibt Marianne Stocker Maus einen Teil dieses Wissens weiter - an ihre Kinder und an Besucher. Regelmäßig unternimmt sie Kräuterwanderungen, zeigt den Menschen, was Essbares am Wegesrand wächst. Etliches davon findet sich in ihrem Garten wieder.

Das Typische an einem Bauerngarten ist sein Aufbau. Um ein kleines rundes Beet, das "Rondell", gruppieren sich vier größere. Das Ensemble wird von Blumenbändern, Sträuchern oder Bäumen umrahmt. Weil viele Kräuter sonnige Plätze lieben, hat Marianne Stocker Maus ihren Garten am Fuße der Scheunenmauer angelegt, die die Wärme speichert und abgibt. Traditionell sind die Beete in Buchsbaumhecken eingefasst. Auf dem Erb-Frey-Hof trennen flache Bruchsteine die Sandwege und Beete.

Kräuter, Blumen und Gemüse wachsen hier durcheinander: Basilikum am Fuß der Fleischtomaten, Ringelblumen und Zimmerknoblauch direkt daneben. Der Wermutbusch sprießt neben dem Birnenbäumchen, Sandthymian neben koreanischer Minze.

Ganz schön unübersichtlich für den, der das erste Mal hier ist. Auch für die Erzieherinnen aus Harxheim, die den Erb-Frey-Hof an diesem Tag besuchen. Die Frauen schauen hinter die Sträucher, laufen durch die Beete, reiben Blüten und Blätter zwischen den Fingern. Vor allem aber riechen und schmecken sie. Denn nachdem sie auf der Kräuterwanderung viel erfahren haben, wollen sie nun kochen - mit Zutaten aus dem Garten. Wie aber sieht Zitronenmelisse aus, und wo wächst die? Mit welchen bunten Blüten kann der Salat gewürzt und dekoriert werden? Gut, dass zumindest - wenn auch versteckt - Schilder neben den Pflanzen stehen und die Hofherrin stets zur Stelle ist.

Die 23-jährige Franziska Messer rupft ein grün-lilafarbenes Blatt ab. Ein zarter Pelz überzieht die Oberfläche. Sie hält es ihrer Kollegin Jutta Schäfer unter die Nase: "Guck mal, lilafarbene Pfefferminze!" Marianne Stocker Maus steht daneben und lächelt: "Nee. Das ist eine Art Basilikum." Da hat sich Franziska das Blatt schon in den Mund geschoben und verzieht das Gesicht. "Ich glaube, ich mag diese puren Kräuter nicht."

Bei Marianne Stocker Maus ist es gerade das, was sie mag: Sie liebt es pur. Alle paar Schritte bleibt sie stehen, zupft hier eine stecknadelkopfgroße Thymianblüte ab, steckt dort ein Blatt Basilikum oder eine Johannisbeere in den Mund. Zu jeder Gaumenfreude weiß sie etwas zu erzählen: ob es der kleine Wiesenknopf ist, der auch wild wächst. Oder die Kornrade, die fast ausgestorben ist - auf dem Erb-Frey-Hof aber gedeiht. Oder aber der Wiesenbocksbart, der vormittags die Pracht seiner Blüten zeigt und diese mittags wieder schließt. Seine Schönheit ist eben nur in der Frühe zu sehen.

Der Rhythmus der Natur: mit ihm leben , ihn annehmen. Das vermittelt die Hofherrin Besuchern, ob bei der Kräuterwanderung oder den saisonalen Kochkursen in der ausgebauten Scheune. Teilnehmern der Kräuterwerkstätten zeigt sie, wie man mit Kräutern Pesto, Cremes, Seifen und Öle selbst herstellt. Im hofeigenen Kräuteratelier "Mausefalle" kann man Naturprodukte aus Kräutern erwerben. Anreize für einen Besuch bieten auch Ausstellungen und Konzerte.

Nicht alles können sich die Erzieherinnen merken, was sie an diesem Tag über Kräuter gelernt haben. Aber immerhin wissen sie jetzt, wie sie mit Kindern Tinte aus den Blütenblättern des Klatschmohns herstellen können und wie die selbst gemachte Kräuterbutter mehr Farbe bekommt. Das hat ihnen Marianne Stocker Maus vorgemacht: raus in den Garten und Blüten zupfen, solang die Saison welche hergibt.

Katrin Steinert

Im Detail: Erb-Frey-Hof in Eckelsheim

● Anfahrt: Der Erb-Frey-Hof liegt in Eckelsheim (Kreis Alzey-Worms) im Herzen der Rheinhessischen Schweiz; gut zu erreichen über die A 61, Abfahrt Gau-Bickelheim, über Wöllstein, oder über die A 63, Abfahrt Erbes-Büdesheim, über Wendelsheim nach Eckelsheim. Die Hauptstraße und die Bellerkirchstraße führen zur Gumbsheimer Straße 8.

● Veranstaltungen: Marianne Stocker Maus vermittelt ihr Wissen über Wildpflanzen und Kräuter bei Wanderungen und Workshops für Erwachsene und Kinder. Im Kräuteratelier "Mausefalle" gibt"s Produkte aus der Region. Mehr Infos zu Programm und Ferienwohnung im Internet unter www.erb-frey-hof.de und per Telefon: 06703/3787.

● Andere Bauerngärten: Schöne Dorfanlagen mit regional-typischen Bauerngärten gibt es in den Freilichtmuseen Kommern/Eifel (Auf dem Kahlenbusch, Telefon 02443/998 00), Bad Sobernheim an der Nahe (Nachtigallental, Telefon 06751/3840) und Hachenburg im Westerwald (Leipziger Straße 1, Telefon 02662/7456).

RZO


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