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Gelb wird Rot: Warum Pflanzen die Farben wechseln

Bonn Von Cremeweiß zu Rosa, von Sonnengelb zu Orange oder Rot: Wie es sich für seinen Namen gehört, wechseln die Farben auf den Dolden des Wandelröschens (Lantana camara). Doch das Wandelröschen ist nicht allein mit seinem Farbwechsel.

Auch Lungenkraut und Vergissmeinnicht ändern die Blütenfarbe, Hortensienblüten und Lenzrosen ebenfalls. Fragt sich nur: Warum tun sie das?

Ein genauer Blick auf die Dolden der Wandelröschen zeigt: Ganz im Zentrum sitzen die noch geschlossenen Knospen, dann folgen die jungen, gerade geöffneten Blüten mit cremeweißer oder gelber Farbe. Außen herum sitzen wie ein Kranz die älteren roten oder violetten Blüten. Sie sind bereits befruchtet, Blütenbesuche also nicht mehr nötig. Sie bieten keinen Nektar und Pollen mehr. Insekten, die sie trotzdem anfliegen, fischen umsonst nach Nahrung.

Da derartig vergebliche Versuche weder für das Wandelröschen noch für die Insekten sinnvoll sind, steuern die Pflanzen ihre Besucher mit Hilfe der Blütenfarbe. Gelb heißt «Das Buffet ist geöffnet», Rot bedeutet «Bereits geschlossen». Schmetterlinge, die mit ihren langen Rüsseln am besten in die Tiefe der einzelnen Röhrenblüten vordringen, lernen das rasch. Nach den ersten Versuchen meiden sie die roten und violetten Blüten. So schaffen sie mehr lohnende Besuche und das Wandelröschen erhöht seinen Befruchtungserfolg.

Der gleiche Wechsel von Gelb nach Rot findet in den Rosskastanienblüten (Aesculus hippocastanum) statt. Deren Grundfarbe ist zwar weiß, aber mitten in der Blüte prangt ein farbiger Fleck. Dieses sogenannte Saftmal lenkt die Insekten in die Blütentiefe. Ist er gelb, lohnt sich der Besuch. Wechselt er zu rot, waren andere Insekten schneller. Bei der Roten Rosskastanie (Aesculus x carnea) ist das Saftmal nicht ganz so auffällig. Aber auch bei ihr wechselt es von Gelb zu Rot. Das gleiche Prinzip wirkt bei den Blüten des Lungenkrauts (Pulmonaria), beim Vergissmeinnicht und vielen anderen.

Gesteuert wird der Farbwechsel durch den pH-Wert in der Blüte. Die Säfte in der frischen Blüte besitzen in der Regel eine saure Reaktion, die befruchteten eine basische. Was dabei in der Blüte abläuft, lässt sich gut im Alltag beispielsweise beim Kochen von Rotkohl erleben. Wird dem Gemüse Salz zugegeben, bekommt es schlagartig eine bläuliche Farbe. In Süddeutschland spricht man daher auch von Blaukraut. Wird dagegen wie in Norddeutschland üblich auch noch mit Essig gewürzt, erhält der Kohl wieder sein kräftiges Rot.

Ganz so drastisch verläuft der Farbwechsel bei Hortensien, Lenzrosen, Blumenhartriegel und anderen nicht. Er geht sanft vor sich. Grünliche Töne treten dazu, werden langsam stärker und verdrängen schließlich völlig die ursprüngliche Farbe. Über Wochen durchlaufen die Blüten eine ganze Skala an Farbnuancen. Mit rascher Reaktion auf Befruchtung hat das nichts zu tun. Genau betrachtet ist es die Nutzung vorhandener Ressourcen, die den Farbwechsel bewirkt.

Es sind nämlich keine Blütenblätter, die sich verfärben. Es sind Scheinblüten wie bei der Hortensie, Kelchblätter wie bei Christ- und Lenzrosen (Helleborus) oder Hochblätter wie beim Blumenhartriegel (Cornus florida oder kousa). Sie alle übernehmen zunächst die Schaufunktion. Nach der Blüte wechseln sie ihre Aufgabe. Statt Insekten anzulocken, werden sie grün und beginnen wie normale Blätter zu assimilieren, also Sonnenenergie in Zucker zu verwandeln.

Die Hortensien können darüber hinaus mit noch einem Farbwechsel aufwarten - dem zwischen Rosa und Blau. Auch er hängt mit dem pH-Wert zusammen. Aber nicht mit dem in den Blüten, sondern dem im Boden. Verantwortlich für den Umschlag der Blütenfarbe ist die Aufnahme von Aluminium-Ionen. Sind sie vorhanden, wandelt sich Rosa in Blau, fehlen sie, schlägt das Blau zurück zu Rosa.

Die Pflanze kann die Aluminium-Ionen nur dann über die Wurzeln aufnehmen, wenn sie frei im Boden vorkommen. Das ist bei einem pH-Wert von unter 4,5 der Fall, also in stark saurem Boden. Liegt die Boden-Reaktion darüber, sind die Ionen fest an andere Stoffe gebunden. Mit sauer reagierendem, aluminiumhaltigem Hortensien-Dünger in der richtigen Dosierung gelingt es gut, die gewünschte blaue Farbe zu bekommen und zu erhalten. Die schönsten Farbwechsler - Wandelröschen (Lantana camara): Cremegelb zu Rot oder Violett.

- Sternwinde (Ipomoea quamoclit): Knospen und junge Blüten Rot, dann Orange, Gelb und schließlich Weiß.

- Lungenkraut: Erst Rot, nach der Befruchtung Violett oder Blau

- Prunkwinde (Ipomoea tricolor): Erst Rot, dann Violettblau mit weißer Mitte.

- Hortensien: Sanfte Farbübergänge, bei denen das Grün auf Kosten von Weiß, Rosa und Blau zunimmt. Von Helga Panten, dpa

dpa-infocom


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