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Weltläden sehen starkes Interesse am Fairen Handel

Mainz Was haben die Daumenpianos aus Ghana, das Geschirr aus Thailand oder die exotische Curry-Cashew-Paste gemeinsam? Diese Produkte gibt es im Mainzer «Weltladen», und in allen Fällen erhalten die Produzenten angeblich ihren fairen Anteil am Verkaufserlös.

Das sagen zumindest die Ladenbetreiber. Sie vertreten wie 35 000 ehrenamtliche Mitarbeiter von Weltläden in Deutschland die Idee, dass globaler Handel ohne Ausbeutung möglich ist. Als die «einzigen Fachgeschäfte für Fairen Handel» - so sehen sich die Weltläden nach Darstellung ihres Dachverbandes. Das Konzept zieht anscheinend an: Der Markt mit fair gehandelten Produkten verzeichnet laut Verband aktuell jährlich einen Zuwachs von 20 bis 30 Prozent.

Ziel der in den 60er Jahren in den Niederlanden entstandenen Weltläden ist es, die Produzenten zu stärken und auf die Missstände im Welthandel aufmerksam zu machen. In Deutschland finden sich die meisten der rund 800 Weltläden heute in Baden-Württemberg. Gut vertreten sind auch das Rhein-Main-Gebiet und Nordrhein-Westfalen, eher traurig sieht die Bilanz dagegen in den neuen Bundesländern aus. Doch egal ob Ost oder West: Alle Artikel der Geschäfte in Deutschland kann der Käufer nach Angaben des Verbandes mit ruhigem Gewissen in die Einkaufstüte legen.

Der Weltladen-Dachverband e.V. mit Sitz in Mainz ist seit 1975 für die meist von Vereinen betriebenen Läden direkter Ansprechpartner, organisiert nationale Kampagnen und vertritt ihre Interessen gegenüber der Politik auf nationaler und europäischer Ebene. In Europa gibt es insgesamt etwa 2500 Weltläden, deren System auf drei Säulen beruht. «Neben dem Produktverkauf führen wir auch Bildungsarbeit durch, indem wir über den Welthandel informieren», sagt Christoph Albuschkat, einer der zehn Mitarbeiter beim Dachverband.

Dritter wichtiger Punkt ist die politische Arbeit, die zum Beispiel in Kampagnen zu Themen wie Kinderrechten oder Klima ihren Niederschlag findet. «Wir sind nicht nur die einzigen Fachgeschäfte für Fairen Handel, sondern können den Kunden auch etwas zur Geschichte der Produkte erzählen», sagt der 40-jährige Albuschkat. Allein in Deutschland gibt es außerdem mehrere 1000 Aktionsgruppen, die Ware auf Wochenmärkten an den Mann und die Frau bringen. Auch in Japan, den USA oder Vietnam engagieren sich Mitarbeiter.

Rund eine Million Familien in mehr als 50 Ländern profitieren laut Verband derzeit vom Fairen Handel. Sie kommen in den Genuss von längerfristigen Lieferbeziehungen, festgelegten Mindestpreisen, Sozial- und Bioaufschlägen, Beratung zur Umstellung auf ökologischen Landbau. Zum Vergleich: Ein nicht im Fairen Handel tätiger Kaffeeanbauer erhielt im vergangenen Jahr in schlechten Zeiten für 45,36 Kilo rund 100 US-Dollar, verkaufte er seine Ware an Importorganisationen, die auch die Weltläden beliefern, erhielt er 135 US-Dollar, für Bio-Kaffee 155 US-Dollar.

Genau das kommt in der heutigen Zeit beim Endverbraucher anscheinend sehr gut an. Der Markt mit fair gehandelten Produkten verzeichnet laut Verband aktuell jährlich einen Zuwachs von 20 bis 30 Prozent. Vor allem Supermärkte sind auf den Zug aufgesprungen und haben ihr Sortiment erweitert. Die Waren beziehen die Weltläden von mehr als 30 Importorganisationen in Deutschland, die vom Weltladen-Dachverband geprüft werden. Die größte ist «GEPA» aus Wuppertal.

Sowohl die Weltläden als auch die Aktionsgruppen wählen selbst aus, was in ihren Regalen stehen soll. «Die Preise unterscheiden sich in der Regel nicht von Produkten ähnlicher Qualitätsstufen im normalen Handel», sagt Konstanze Weltner vom Mainzer Weltladen mit Blick auf das immer wieder angeführte Argument, die Ware sei zu teuer. Auch die Aussage, der Kaffee aus fairem Handel schmecke nicht, sorgt hier für Kopfschütteln. Schließlich kann der Kunde aus mehr als 30 verschiedenen Sorten in allen erdenklichen Formen aussuchen.

Produkte wie Schokolade werden zwar in Deutschland hergestellt, jedoch mit Zutaten des Fairen Handels. Übrigens: In einem der ersten deutschen Weltläden in Stuttgart-Herrenberg arbeitete in den 70er Jahren der heutige Bundespräsident Horst Köhler mit.

Weitere Infos und Shopsuche: www.weltladen.de Von Janina Plato, dpa

dpa-infocom


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