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Verbraucherschutz rät weiter zur «Datensparsamkeit»

Kiel/Bielefeld Datenskandale gab es in den vergangenen Monaten zuhauf.

Und der Bundestag hat zwar Anfang Juli in seiner letzten regulären Sitzung der Legislaturperiode noch eine Neuerung für das Datenschutzgesetz verabschiedet .

Der gefundene Kompromiss wurde allerdings weithin als stumpfes Schwert gewertet. Der Trend bleibt: Immer mehr wird über das Internet erledigt, die Missbrauchsgefahr steigt. Fatalismus allerdings ist in den Augen von Datenschützern fehl am Platz - sie raten zu aktiven Gegenmaßnahmen.

Bürger und Kunden könnten sich nicht gegen alle Ausforschungsversuche wehren, sagt Thilo Weichert, der das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein in Kiel leitet. Aber durch erhöhte Sensibilität und einige Grundregeln lasse sich zumindest dort das Risiko reduzieren, wo der Einzelne noch die Möglichkeiten zur Kontrolle seiner Daten hat.

Zu mehr Eigeninitiative beim Schutz der Privatsphäre rät auch Rena Tangens, Gründerin des Bürgerrechts- und Datenschutzvereins FoeBud aus Bielefeld, der jedes Jahr die deutschen «Big Brother Awards» an besonders datenhungrige Unternehmen, Behörden oder Organisationen vergibt. «Die Verbraucher in Deutschland verlassen sich immer noch zu sehr darauf, dass es Gesetze gibt, die sie schützen.» Diese seien einerseits aber oft nicht gut genug und andererseits nur dafür ausgelegt, nachträglich Verstöße zu ahnden. «Datensparsamkeit» heißt das Zauberwort der kritischen Fachleute.

Anonym bleiben: Ob bei Bankgeschäften, beim Einkaufen im Internet, beim Telefonieren per Handy oder bei Texten in Chatforen - Verbraucher sollten ihre Aktivitäten und Identität möglichst oft verschleiern. «Am besten bezahlt man bar, wann immer es geht. Schon Kredit- oder EC-Karten sollte man nur nutzen, wenn es absolut nötig ist», mahnt Tangens. Auch beim Kauf von Prepaid-Handys erfassen Anbieter weniger persönliche Informationen als bei Verträgen, sagt Weichert. Wer sich eine E-Mail-Adresse zulegt, bloggt oder in Internetforen chattet, sollte möglichst nicht seinen Namen preisgeben. Auch bei Einträgen in soziale Netzwerke ist Vorsicht angebracht - vor allem mit der Veröffentlichung von Fotos.

Vorsicht bei Geschäften im Internet: Wer bei Onlinehändlern einkauft oder elektronische Bankgeschäfte tätigt, sollte sich immer genau über die Seriosität und Datensicherheit der Gegenseite informieren. Um Ausforschungs- und Betrugsversuche von vornherein zu erschweren, sollte man nur Internetseiten nutzen, die besonders gegen Zugriffe gesichert sind. Erkennbar sind diese unter anderem an einem Schlosssymbol vor der Adresszeile, erläutert Evelyn Keßler, Sprecherin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. «Ein vernünftiger Onlineshop bietet eine verschlüsselte Verbindung.»

AGBs lesenN: Ob elektronisch oder nicht - bei Vertragsabschlüssen sollten Kunden immer klarstellen, dass sie keinen Verkauf ihrer Daten dulden. Die standardmäßigen allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und Datenschutzbestimmungen sind oft so formuliert, dass Verbraucher der Weitergabe stillschweigend zustimmen. «Dem sollte man aus Gründen der Nachvollziehbarkeit in jedem Fall stets schriftlich widersprechen», rät Keßler. Anders sei bei der heutigen Rechtslage leider nicht gewährleistet, dass der Kunde Herr seiner Daten bleibe. Von Sebastian Bronst, dpa

dpa-infocom


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