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Feuer in der Festung bei "Rhein in Flammen"

Koblenz Elf Minuten schießen die Feuerwerkskörper planmäßig in den Himmel, Goldregen prasselt auf das Deutsche Eck her nieder, dann ist das Firmament über dem Ehrenbreitstein plötzlich wieder rabenschwarz. Tausende Schaulustige sehen sich ungläubig an.

Die Feuerwerksmusik auf der RPR-Bühne zu Füßen von Kaiser Wilhelm spielt zunächst unverdrossen weiter. Trotzdem applaudieren schon einige in der Menge halbherzig - in dem Glauben, dass die explosive Lichtershow in diesem Jahr wohl etwas kürzer ausgefallen ist.

"Das soll´s gewesen sein?" fragt unterdessen ein Polizist sichtlich irritiert einen seiner Ordungshüter- Kollegen auf der Pfaffendorfer Brücke, die für den Schiffskonvoi abgesperrt wurde. Fast vier lange Minuten starren er, die anderen Polizisten und die vielen Hundert Menschen, die sich auf der Brücke schon eine Stunde vorher einen guten Blick mit freier Sicht zur Festung gesichert haben, gemeinsam in Richtung Ehrenbreitstein.

Dann, plötzlich, schießt doch die nächste Feuerwerksbombe in den Himmel - von Hand gezündet. Denn zwei Brandherde an zwei verschiedenen Abschussbatterien in Brüstungsnähe der Festung haben etwa um 23.14 Uhr das gesamte Computersystem lahmgelegt, mit dem das Feuerwerk gezündet wird und dann voll automatisch abläuft.

"Nichts ging mehr, wir könnten den Brand auch nicht sofort löschen, weil zunächst noch weitere Bomben gezündet haben und es für die Feuerwehrleute zu gefährlich gewesen wäre, zum Brandherd vorzudringen", berichtet der verantwortliche Pyrotechniker Martin Schmitz von der Firma Nico-Lünung am Sonntag. Die Folge: Die Flammen fressen sich bis zu den Steuerungskabeln durch, die Sicherungssysteme schalten den Zündkreislauf ab. "Ein Super-Gau. Der Albtraum eines jeden Feuerwerkers", sagt Schmitz.

Ausgelöst wurde der Brand nach Schmitz` Einschätzung wohl durch die Plastikfolien, mit denen seine Mannschaft die aus hölzernen Paletten zusammen genagelten Abschussstellen vor dem für Samstagabend eigentlich angekündigten Regen hatte sichern wollen. "Die Folie hat wohl Feuer gefangen", vermutet der Pyrotechniker, dessen Team das allergrößte Fiasko aber dann doch noch verhindern kann. Als die Flammen gelöscht sind, schalten die Männer auf Handbetrieb um und klemmen den vorderen Bereich des Feuerwerks in Brüstungsnähe ab. "Damit konnten wir zumindest einen Teil noch retten", so Schmitz.

Folgen hatte das auch für die Live-Übertragung im SWR-Fernsehen. Nachdem das Dilemma offenkundig geworden war, reagierten die Verantwortlichen, in dem sie bereits ausgestrahlte Bilder vom Feuerwerk in Spay über die Bilder aus Koblenz legten. "Da ist wohl etwas schiefgegangen", war der einzige Kommentar von Moderatorin Judith Kaufmann, nachdem das Feuerwerk beendet war. Manfred Gniffke, Koblenzer Original und Co-Kommentator, tröstete sich und die Zuschauer: "Wir hatten trotzdem einen schönen Abend."

Das verpatzte Feuerwerk war derweil nicht der einzige Patzer bei "Rhein in Flammen". Auch das Wetter ließ die Veranstalter dieses Mal im Stich. Zwar blieb das angekündigte Gewitter für die Abendstunden aus, wegen des wolkenverhangenen Himmels konnten aber die Fallschirmspringer - Bestandteil des Nachmittagsprogramms - nicht über dem Rhein abspringen. Dass die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken sind, lag unterdessen sicherlich auch an den Absperrungen am Konrad-Adenauer-Ufer. Weil dort große Baumaßnahmen für die Buga 2011 in Koblenz laufen, ist der Blick zum Rhein auf weiten Strecken der Uferpromenade derzeit durch einen Bauzaun versperrt.

agh (RZ); Fotos: Thomas Frey; TV-Screenshot vom SWR: rzo

RZO