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Beweis auf dem Betze: Tore machen Fans heiß

Kaiserslautern/Bad Ems "Der Betze brennt", heißt es seit Jahrzehnten sprichwörtlich im deutschen Fußball.

Nun hat jemand genauer nachgesehen und das Klima bei den "Roten Teufeln" ermittelt.

Sein Herz schlägt für TuS Koblenz , aber sein wissenschaftliches Interesse gilt dem 1.FC Kaiserslautern: Auf dem Betzenberg untersucht Sascha Henninger, seit März Juniorprofessor an der TU Kaiserslautern, derzeit die Stadionwärme - vor allem, wenn Tore fallen. Doch ihren Ursprung hat die Untersuchung bei der TuS: Bei einem Besuch des gebürtigen Bad Emsers auf dem Oberwerth kam Henninger die zündende Idee, als Jugendliche eine Rauchbombe abbrannten. Das war im gut durchlüfteten Rund kein großes Problem, der Qualm zog schnell ab. "Die Frage, die mir kam, war allerdings, was wohl in einem von allen Seiten geschlossenen Stadion geschieht", erzählt Henninger. Und da kam der FCK ins Spiel, der sich schnell kooperativ zeigte. "Hilfreich war sicher auch, dass ich kein Fan des Vereins bin und nicht einfach nur versuche, ins Stadion zu kommen, sondern die Untersuchung rein wissenschaftlichem Interesse dient."

Diese basiert in erster Linie auf recht simplen Erkenntnissen. Körperliche Aktivitäten kosten Energie, die durch den Stoffwechsel entsteht. Eines der Endprodukte ist Wärmeenergie, von Forschern angegeben in Watt pro Quadratmeter (W/mz). Metabolismus nennen Wissenschaftler diesen Vorgang. Je größer die Anstrengung, desto höher ist die Wärmeproduktion. Um die Körpertemperatur auf lebensfreundlichen 37 Grad zu halten, wird überschüssige Wärme über die Haut abgegeben. Befinden sich mehrere Menschen in einem geschlossenen Raum, klettert das Thermometer. In einer Sporthalle entsprechend stärker als im Büro oder im Schlafwagen eines Zuges. Auch wenn das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern nicht komplett überdacht ist, kann mit modernen Klimamessgeräten ein Temperaturanstieg bei gefüllten Rängen beobachtet werden.

Bereits kurz vor Spielbeginn geht es heiß her: Im Vergleich liegt die Temperatur der Westtribüne um zwei Grad über den gemessenen Werten in der Stadionumgebung. Ausschläge nach oben vermelden die Messinstrumente auch bei Toren für die Heimmannschaft. "Der Metabolismus der Zuschauer läuft nun auf Hochtouren und ist in solch einer Phase mit einer sportlichen Betätigung zu vergleichen. Das heißt, dass der Energieumsatz kurzfristig auf 200 W/mz und mehr ansteigt", erklärt Henninger. Zum Vergleich: Im Stehen beträgt dieser Energieeinsatz nur 80 W/m².

Genau das Gegenteil ist zu beobachten, wenn der Gegner den Ball im Kasten unterbringt. Eine buchstäblich kalte Dusche: Das meist kurzzeitige Verstummen der Fans kühlt die Stimmung und die Ränge. Die Messwerte liegen nur noch 0,5 Grad über der Umgebungstemperatur. Aber auch Aggression, egal ob durch ein schlechtes Spiel oder Streitigkeiten unter den Zuschauern, kann gemessen werden. Ähnlich wie beim Torjubel steigt die Temperatur durch körperliche Anstrengungen beim Schreien und Wüten. Genau da setzt eine Erkenntnis an, die auch den Vereinen wie dem FCK zugutekommen kann. Höhere Temperatur und Luftfeuchtigkeit führen zu gereiztem Verhalten. Henninger: "In Verbindung mit dem schlechten Spiel kann die Toleranzgrenze Einzelner sinken und dazu führen, dass sie sich im wahrsten Sinne des Wortes Luft verschaffen wollen." Anhand der Daten kann man dem Sicherheitspersonal Hinweise geben, ab welchen Außentemperaturen man verstärkt auf auffällige Personen im Block achten muss.

In eine ähnliche Richtung geht eine zweite Erkenntnis: Chemische Substanzen wie Pfefferspray und Tränengas breiten sich bei höherer Umgebungstemperatur schneller aus. Um Massenpanik im Fanblock zu vermeiden, kommt es also im Sommer noch mehr auf gute Kontrollen am Stadioneingang und Fluchtwegplanung auf neuestem Stand an.

Die in den kalten Wintermonaten begonnene Studie will das Team von Henninger nun für Vergleichsdaten im Sommer fortsetzen. Für die Fans des FCK eine gute Gelegenheit sich als teuflische Anhänger darzustellen. Allerdings: "Eine Aussage, welcher Verein die heißesten Fans hat, ist nur theoretisch möglich - wenn man die Größe der Kurve mit der tatsächlichen Zuschauerzahl und der Temperatur vergleicht. Aber das ist reine Spekulation", so Henninger. Diese schon lange schwelende Frage müssen die Fans also für sich selbst beantworten. (Martin Korbach)

RZO