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Musik

Rock-Rüpel Doherty begeistert in Berlin

Berlin Die wichtigste Nachricht vorneweg: Er war da, und das sogar pünktlich.

Um 0.30 Uhr stand Rüpel-Rocker Pete Doherty in der Nacht zum Samstag auf der Bühne.

Und nicht nur den Organisatoren des «Berlin Festivals» dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein, sorgte der Engländer doch schon allzu häufig mit kurzfristigen Konzertabsagen und -verspätungen für Unmut. Doch Doherty scheint sich geändert zu haben, wie die Organisatoren vor Beginn des zweitägigen Festivals auf dem stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof fast gebetsmühlenartig erklärten. Natürlich werde er kommen, hieß es bei besorgten Nachfrage stets. Tat er am Ende dann ja auch.

Nach Jahren des Tourens mit seinen Bands The Libertines und Babyshambles ist Doherty dieses Mal alleine unterwegs und stellte auf dem Festival, zu dem bis zu 10 000 Besucher erwartet wurden, seine erste Solo-Platte «Grace/Wastelands» vor. Im Gegensatz zum Album verzichtete er dabei auf Begleitmusiker und präsentierte seine Lieder - rechtzeitig zum 40. Woodstock-Geburtstag - in bewährtem Singer-Songwriter-Stil: mit Mikrofon und Akustikgitarre.

So brav das klingt, so brav war der Auftritt des - ehemaligen? - «Krawallos» in einem Hangar des geschichtsträchtigen Berliner Flughafens letztendlich auch. Was nicht schlecht sein muss: Bei ruhigen Songs wie «For Lovers», einem von Dohertys ersten Hits, oder der aktuellen Single «Last Of The English Roses» ließ der 30-Jährige aufblitzen, welches musikalische Talent tatsächlich in ihm steckt - und das nur allzu oft durch seine Drogenexzesse und Prügel-Attacken in den Hintergrund rückt.

Bei Stücken wie dem Libertines-Hit «Can't Stand Me Now» tat sich Doherty dann aber doch schwer, Energie und Power in die Riesen-Halle zu transportieren. Auch wenn die Fans sich bemühten, der Funke mochte nicht immer so ganz überspringen. Daran konnten erwartungsgemäß auch die zwei Ballerinas nichts ändern, die Doherty zur «Begleitung» bei einigen Songs auf die Bühne holte. Mit Blumen in der Hand wirkten die beiden jungen Frauen in dem Flugzeug-Hangar ziemlich deplatziert und waren dabei Sinnbild für ein Festival, das so anders sein will als die anderen Festivals in Deutschland.

Etwas anders ist auch Doherty, der sich neuerdings mit seinem Geburtsnamen «Peter» ankündigt. Als er die Bühne betrat, war nur ein leichtes Torkeln auszumachen. Die einstündige Show spulte der Brite mit Hut, Anzug und Krawatte souverän und skandalfrei ab. Aber wie der Auftritt Dohertys war, der Ende des Jahres für drei Konzerte nach Deutschland zurückkehrt (in München, Köln und Hamburg), ist für viele wahrscheinlich zweitrangig gewesen. Hauptsache, er war überhaupt da.

dpa-infocom