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Musik

In Bayreuth gefeiert: Der Tenor Klaus Florian Vogt

Bayreuth Entdeckt wurde er von seiner Frau - der Tenor Klaus Florian Vogt, der gegenwärtig bei den Bayreuther Festspielen als Walther von Stolzing gefeiert wird, hatte als Sänger einen ungewöhnlichen Karrierestart.

Ursprünglich war er Hornist und spielte im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. «Meine Frau ist ausgebildete Sängerin. Für eine Familienfeier haben wir zum Spaß ein Duett einstudiert, und dann meinte sie, das klingt doch schön», erzählt Vogt. Aus dem Spaß wurde mehr, Vogt nahm ein Gesangsstudium auf. Heute ist er an den großen Bühnen der Welt gefragt, an der New Yorker Met ebenso wie an der Mailänder Scala, in Wien oder eben in Bayreuth.

Wie so viele Sänger und Musiker schwärmt auch er von der Atmosphäre am Grünen Hügel. «Bayreuth ist etwas Besonderes», sagt Vogt. «Alle, die hier mitwirken, kommen freiwillig zusammen und ziehen an einem Strang.» Wagners Musik habe er schon als Hornist geliebt. «Ich fühle mich darin wohl, ich mag den dichten und großen Orchesterklang.» Seine Paraderolle ist der Lohengrin, mit dem er 2002 in Erfurt debütierte. Seitdem sang er die Partie unter anderem bei den Festspielen in Baden-Baden, in Dresden, New York, Mailand und Wien.

Als frecher, unkonventioneller Stolzing singt er sich in Katharina Wagners Inszenierung von «Die Meistersinger von Nürnberg» mit seiner lyrisch geführten Stimme derzeit in Bayreuth scheinbar mühelos in die Herzen der Zuhörer. «Stimmlich überstrahlt alle der Stolzing Klaus Florian Vogts: sein herrlich lyrischer, heller Ton wirkt (...) so natürlich, so selbstverständlich und in den Phrasierungen souverän, dass man gar nicht mehr über diesen unorthodoxen Stolzing-Klang nachdenkt», schrieb ein Kritiker.

Auch andere Wagner-Rollen wie den Siegmund, den Parsifal, den Erik im «Holländer» und den Loge im «Rheingold» hat er schon gesungen, daneben gehören unter anderem Florestan in Beethovens «Fidelio» oder Hoffmann in «Hoffmanns Erzählungen» von Jacques Offenbach zu seinem Opernrepertoire. «In der nächsten Zeit möchte ich mich in diesen Partien weiterbewegen, das lyrisch-dramatische Fach tut meiner Stimme gut», sagt Vogt. Um die extremen Wagner-Rollen, den Siegfried, den Tristan und den Tannhäuser, will er vorerst einen Bogen machen. «Damit lasse ich mir noch Zeit - wenn es überhaupt dazu kommt.»

Vogt singt im dritten Jahr in den Bayreuther «Meistersingern». Beim erstmaligen Public Viewing im vergangenen Jahr war er einer der Mitwirkenden. Verändern solche Live-Übertragungen die Arbeit der Sänger, die Anforderungen auf der Bühne? «Ich gehe immer vom Opernpublikum aus», sagt Vogt. «Auf alles andere habe ich ohnehin wenig Einfluss. Ich weiß ja nicht, ob ich gerade in Nahaufnahme erscheine, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen.»

Übertragungen ins Kino und auf öffentliche Plätze könnten möglicherweise mehr Menschen den Zugang zur Oper ermöglichen - die Hemmschwelle ist niedriger. «Aber man sollte das nicht inflationär betreiben - die Oper lebt stark vom Live-Erlebnis», meint Vogt. Über sein Privatleben verrät er wenig mehr, als dass er mit Frau und Kindern in Schleswig-Holstein lebt. Von dort reist er zu seinen Engagements - wenn es geht, fliegt er dabei sein eigenes Flugzeug, denn er hat den Pilotenschein. «Das war ein Kindheitstraum.» Von Stephan Maurer, dpa

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