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Kunst

«Sesam öffne dich!»: Isa-Genzken-Schau in Köln

Köln Wer das wohl überzeugendste Werk der Bildhauerin Isa Genzken sehen will, der sollte ihre jüngste Sonderausstellung im Kölner Museum Ludwig erst einmal links liegen lassen.

In der ständigen Sammlung des Kunsthauses trifft der Besucher auf die Installation «Kinder filmen» (2005) aus Puppen, zerfetzten Schirmen und umgestürzten Möbeln, in der sich Deutschlands rätselhafteste Künstlerin mit der Frage von Medienkonsum, Mündigkeit und Gewalt auseinandersetzt - und dabei die Klasse der satirischen «Caprichos» Goyas oder der schaurigen Pop-Szenen von Ed Kienholz erreicht.

Dann heißt es: «Sesam öffne dich!» - das ist der Titel der Sonderausstellung, die im Museums-Souterrain von Samstag an (bis 15. November) mit rund 60 Arbeiten zu sehen ist. Die Werkschau mit ihrem eher willkürlich gewählten märchenhaften Titel gastierte zuvor in London und gibt einen Überblick über 35 Schaffensjahre der Bildhauerin, Malerin und Material-Collagistin, die 2007 die Bundesrepublik im deutschen Pavillon der Kunstbiennale Venedig vertreten hatte.

Seit langem wird sie unter Kollegen als schwierige «Künstlerkünstlerin» geschätzt. Auch die mehrfache Teilnahme an der Kasseler documenta und der renommierten «Skulptur-Projekte» in Münster haben aus der 60-jährigen, menschenscheuen Wahl-Berlinerin kein Zugpferd im Kunst- und Medienzirkus gemacht. Genzkens mehrbödiges Werk schlägt unbekümmerte Kapriolen zwischen frühem Minimalismus, nippt an der gedankenschweren Konzeptkunst und schlägt die Bahn ein zu einem fröhlichen, allerdings überzeugenden knallbunten «Kitsch» aus Kunststoff und billigen Alltags-Objekten.

Die bewusst nicht chronologisch angeordnete Ausstellung, die bisher größte Genzken-Schau überhaupt, gibt den Blick frei auf einige verzwirnte «Rote Fäden» im Oeuvre der Künstlerin. Unübersehbar das Spiel mit architektonischen Formen: Frühe Beton-Objekte («Marcel»/1987), monumentalisierend auf Sockeln postiert, setzen sich mit der Klassischen Moderne auseinander. Elegante Stelen aus Glas von 2004 erinnern gleich in Serie an utopisches Bauen. Und mit «Fuck the Bauhaus» als Material-Klitterung aus Pizza-Kartons, buntem Plexiglas und Modellbau-Autos lädt die Künstlerin ein zum augenzwinkernden Umgang mit den Heroen der Kulturgeschichte.

Souverän jongliert Isa Genzken quer durch ihr Werk mit gedanklichen und ästhetischen Gegensätzen, provoziert die Gedanken des Betrachters dabei gleichsam als künstlerischen «Mehrwert». Ihr «Weltempfänger» (1987) als echtes Radio auf weißem Podest, Nachklang der revolutionären Ready-Mades Duchamps, lädt ein zu Kommunikation, die in Beton gegossenen Exemplare verweigern dies natürlich trotz aufmontierter Antenne. Computergeneriert ihre hocheleganten «Ellipsoide», meterlange bunt lackierte Riesen-Zahnstocher vom Start der Künstlerinnen-Karriere, bewusst krude und kitschig eben jüngste Produktionen wie das abstrus-gruselige «Straßenfest» aus wild zugerichteten Puppen auf lächerlichen Gitter-Transportkarren.

Im «American Room» (2003) schuftet als sentimentale Kleinplastik ein Arbeiter unter den wachsamen Augen des US-Gummi-Wappenadlers, während Dagobert Duck auf einem Manager-Schreibtisch zeternd Dollar- Bündel schwenkt. Die zimmergroße Installation mit ihren Gummiblumen und US-Devotionalien zum Thema Imperialismus, Kapital und Arbeit durchweht gerade in aktuellen Zeiten der globalen Krise eine besonders bittersüße Poesie.

www.museenkoeln.de/museum-ludwig

dpa-infocom