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Urlaubsgefühle zum Pflücken: Feigen vom eigenen Baum

Bonn Frisch vom Baum gepflückte Feigen: Das ist ein absoluter Genuss.

Schon die Farben verlocken, wenn das Blau, Gelb oder Grün zwischen den gebuchteten Blättern vorblitzt.

Die Nase erschnuppert die süßen Düfte, die den ganzen Baum einhüllen. Da gibt es nur eins: Behutsam zugreifen, abbrechen und hineinbeißen. Samtige, saftige Süße betört Gaumen und Zunge, vermittelt Urlaubsgefühl pur - und das im eigenen Garten.

Feigen (Ficus carica) sind gar nicht so empfindlich, wie ihr vorrangiges Vorkommen rund um das Mittelmeer glauben macht. Im Weinbauklima, insbesondere an der Weinstraße und in der Pfalz, gedeihen sie sogar ausgepflanzt in den Gärten. In nicht ganz so milden Regionen können Feigen im Kübel wachsen und im Winter an einem kühlen, frostfreien Ort aufgestellt werden. Auch so reifen die süßen Früchte, die die Menschheit schon seit Jahrtausenden begleiten.

Neueren Forschungen zufolge sind Feigen (Ficus carica) die ältesten Kulturpflanzen. Wissenschaftler der Harvard-Universität im US-amerikanischen Cambridge stellten fest, dass Feigen bereits vor mehr als 11 000 Jahren gezüchtet wurden. In einer jungsteinzeitlichen Siedlung im Westjordanland entdeckten sie die Reste von Feigen, die keinen Samen in sich trugen. Diese kernlosen Feigen sind wohlschmeckender und für den Menschen wertvoller als ihre wilden Verwandten. Aber ohne menschliche Nachhilfe vermehren sie sich nicht. Die Jungsteinzeit-Menschen müssen also bereits gewusst haben, wie sich Feigenbäume durch Steckhölzer vermehren lassen.

Seit dieser Zeit zieht sich der Feigenbaum durch die Geschichte der Menschheit. Er lieferte und liefert wohlschmeckende Nahrung in reicher Fülle, die sich auch getrocknet aufbewahren lässt. Das machte die Feige zum Zeichen der Fruchtbarkeit und des Reichtums.

Die Liste robuster Sorten , die das hiesige Klima vertragen, ist mittlerweile lang. Als eine der bekanntesten gilt die Bayernfeige 'Violetta', die Ende August und oft auch ein zweites Mal im Spätherbst Früchte liefert. Aber auch die 'Nordland-Bergfeige' lässt je nach Sorte gelbe oder blaue Früchte reifen, 'Negronne' schwarzblaue und die 'Gelbe Pfälzer Fruchtfeige' gelbe.

Sie alle entwickeln sich ohne Bestäubung - sie sind jungfernfrüchtig oder parthenocarp, wie die Fachleute sagen. Eine Eigenschaft, die in nördlicheren Gefilden besonders wichtig ist. Denn die Feigen-Gallwespe, die in den warmen Ländern für die Befruchtung sorgt, kann im Klima hierzulande nicht überleben. Mit ihr ist Ficus carica eine komplizierte Symbiose eingegangen. Der Feigenbaum bietet dem Insekt mit Vorfeigen-Blüten im März und Nachfeigen-Blüten im Herbst Schutz und Nahrung für die Vermehrung. Dafür befruchtet die Gallwespe im Juni die Blüten der Sommerfeigen, damit sie zu kernreichen Früchten heranreifen können.

Wer sich nun fragt, wann und wie Feigen denn überhaupt blühen, dem sei ein Schnitt durch eine kleine Feige und ein genauer Blick in das Innere empfohlen. Die Fädchen, die die Feige auskleiden, sind die Blüten. Reif werden sie als süßes Fruchtfleisch gegessen. Nur eine winzige Öffnung an der Spitze der Feige, die schuppige Hochblätter verdecken, erlaubt den Insekten den Zutritt.

Die Essfeige (Ficus carica var. domestica) trägt ausschließlich weibliche Blüten in ihrem Innern, die Bocksfeige (Ficus carica var. caprificus) dagegen männliche und weibliche. Damit nicht selbstfruchtbare Essfeigen sicher bestäubt werden, hängt man Bocksfeigenzweige in die Bäume. Geschieht das nicht, bleiben viele Blüten unbefruchtet und werden abgestoßen.

Viele Feigenbäume wachsen auch in deutschen Gärten zu stattlichen Bäumen heran. Wer so viel Platz nicht bieten kann oder seinen Feigenbaum im raueren Klima mobil halten muss, der sollte zu Sorten greifen, die auch im Kübel gedeihen. Bewährt haben sich unter anderem 'Bella Brunetta Rossa' und 'Brown Turkey' mit rötlich und gelbbraunen Früchten, die rötliche 'Longue d'Aout' sowie die blauen Feigen 'Pastiliere' und 'Violetta' - bei ihnen schließt sich zumeist an die Sommerernte noch eine zweite im Herbst an. Tipps für den Feigenbaum - Warmen, geschützten Platz an der Südseite des Haus oder der Gartenmauer wählen. Kalte, zugige Ecken bekommen Feigen nicht.

- Den Wurzelbereich vor allem junger Pflanzen im Winter mit einer dicken Mulchschicht schützen.

- Für sehr gut durchlässige Erde sorgen. Staunässe ist Gift für die Feige.

- Für Kübelkultur eignet sich ein 25-Liter-Gefäß, in dem die Feige etwa zwei bis drei Meter Höhe erreichen kann. Von Helga Panten, dpa

dpa-infocom


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