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Gartenzwerge ade: Kleingärten gehen mit der Zeit

Leipzig Kleingarten - da denkt manch einer an Gartenzwerge und mit der Nagelschere geschnittenen Rasen.

«Mit solchen Vorurteilen sind Kleingärten leider immer noch behaftet», sagt Caterina Hildebrand vom Deutschen Kleingärtnermuseum in Leipzig.

Dabei haben die rund 1,2 Millionen Kleingärten hierzulande weit mehr zu bieten: Sie sind Rückzugsorte für die Familie, Wellness-Oasen, Anbaustätten für Obst und Gemüse und gleichzeitig Orte des Miteinanders. Und sie sind für jedermann realisierbar.

Die Suche nach einem Kleingarten beginnt mit einem Blick ins Telefonbuch, auf die Internetseiten des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde oder mit einem Anruf beim Gartenamt. Dort sind Kontaktdaten örtlicher Kleingartenvereine zu finden. «Der Kleingartenverein ist so etwas wie ein Vermittler: Er hat Flächen von der Kommune oder auch einem privaten Eigentümer gepachtet und verpachtet diese in Form von Parzellen weiter an die Kleingärtner», erläutert Rosalie Simon, Kleingärtnerin aus Bochum.

Der nächste Schritt ist eine ausführliche Besichtigung von einer oder mehreren Anlagen. Dabei ist nicht nur die Nähe zum Wohnort ein Auswahlkriterium. «Große Anlagen bieten eine gewisse Anonymität. In kleineren Anlagen ist die Einbindung in die Gemeinschaft größer», sagt Simon. Gemeinsam ist allen Kleingartenanlagen ein Vereinshaus. Darüber hinaus gibt es häufig einen gemeinschaftlichen Spielplatz oder andere Einrichtungen für Kinder.

Allerdings ist nicht immer sofort ein Fleckchen Erde verfügbar. «Studien zufolge führen in Ballungsgebieten 40 bis 60 Prozent der Vereine Wartelisten», sagt Detlef Thiel, Leiter des Gartenamtes in Dresden. Wer seinen Gartentraum schnell umsetzen möchte, schaut sich deshalb am besten gezielt nach freien Gärten um - in Tageszeitungen und Gartenzeitschriften, am Schwarzen Brett im Supermarkt oder am Vereinshaus.

Ist der Wunsch-Garten gefunden , folgt ein Termin mit dem Vorstand des Kleingärtnervereins. «An einer Mitgliedschaft in einem Verein führt nichts vorbei. Erst wenn Sie dem Verein beigetreten sind, können Sie einen Garten zur Pacht beantragen», erklärt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) in Berlin. Der Vorstand regelt alles Vertragliche mit dem künftigen Gartennutzer.

Die Pflanzen, die Laube und alles zur Gartenarbeit Benötigte wird in der Regel vom Vorpächter übernommen. Die Ablösesumme wird von geschulten Fachkräften nach detaillierten Richtlinien der Landesverbände der Kleingartenvereine ermittelt.

Nach einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung liegt sie durchschnittlich bei 1900 Euro. Hinzu kommen die laufenden Kosten: Die Pacht beträgt 17 Cent pro Quadratmeter, der Mitgliedsbeitrag im Verein pro Garten 29 Euro im Jahr. Für die Nebenkosten fallen 276 Euro jährlich an, so Wagners Auflistung. «Damit kostet ein Kleingarten in Deutschland durchschnittlich etwas mehr als einen Euro am Tag.»

Ein Kleingarten ist so für alle sozialen Schichten erschwinglich. «In den Anlagen findet sich der Rechtsanwalt neben dem Koch und der Landtagsabgeordnete neben dem Hartz-IV-Empfänger», beobachtet Caterina Hildebrand. Die große Mehrheit der Pächter sind Bewohner von Geschosswohnungen.

Der Kleingärtner darf sein Reich zwar nach den eigenen Vorstellungen gestalten, jedoch nur im Rahmen der Vorgaben des Bundeskleingartengesetzes und der Gartenordnung des Kleingartenvereins. Damit sind klare Grenzen gesetzt: Grillen ist erlaubt, Lagerfeuer nicht. Die Katze darf stromern, wenn der Besitzer da ist. Kaninchenzucht hingegen ist verboten. Ein Planschbecken darf aufgestellt, ein Pool jedoch nicht gegraben werden. In der Laube übernachten - kein Problem. Vermieten - unmöglich.

Umwelt- und Naturschutz werden groß geschrieben. Biologisch angebautes Obst und Gemüse für den Eigenbedarf gehören dazu. «Wir beobachten insgesamt einen Trend zu mehr Anbaufläche. Das liegt wesentlich auch am wachsenden Bewusstseins für gesunde Ernährung», erklärt Thomas Wagner. Gerne werde auch mit alten Sorten experimentiert und damit gärtnerisches Kulturgut gepflegt. «Insgesamt leisten Kleingärten einen wichtigen Beitrag zur biologischen Artenvielfalt», sagt Gartenamtsleiter Thiel.

Davon profitieren nicht nur die Pächter: Die Kleingärten gliedern dicht besiedelte Städte und bilden gepflegte, oft parkähnliche grüne Lungen. Meist sind die Anlagen öffentlich zugänglich und damit samt ihrer Einrichtungen wie Kinderspielplätze auch für Nicht-Pächter offen.

Bundeskleingartengesetz: www.kleingartenvereine.de/recht/deutsch/bklg.html Von Eva Neumann, dpa

dpa-infocom


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