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Radeln ohne Schwitzen: Fahrrad-Trend Pedelecs

München (dpa) ­ Fahrrad fahren ohne Schwitzen. Pedelecs, also Fahrräder mit Elektromotor-Unterstützung, sind auf dem Vormarsch.

Das sagt Branchenkenner Hannes Neupert, Vorsitzender des Vereins ExtraEnergy.

«Wir glauben, dass es in Deutschland bis 2018 deutlich über zwei Millionen Stück pro Jahr verkauft werden und Pedelecs damit knapp die Hälfte des Fahrradmarktes ausmachen», führt Neupert aus. «Das ist ein Trend, der Zukunft hat», meint auch Klaus Dittrich, Geschäftsführer der Messe München GmbH. Kaum verwunderlich also, dass die Zweiräder mit Trethilfe auch auf der neuen Fahrradmesse Bike Expo (23. bis 26. Juli) in München großen Raum einnehmen.

Das Pedal Electric Cycle, wofür der Kunstname Pedelec eigentlich steht, ist trotz elektrischer Hilfsfunktion aber nichts für ganz Tretfaule. Der Motor springt erst an, wenn der Radler in die Pedale tritt. Der Motor verdoppelt dann aber die Wirkung der reinen Muskelkraft. Geschwindigkeiten bis zu 40 Stundenkilometern sind durchaus möglich, Anhöhen oder gar Bergstrecken lassen sich, wenn nicht schon bequem, so zumindest leichter meistern. Ein Führerschein ist nicht nötig.

«Als wir Mitte 1995 ein Pedelec auf einer Ausstellung in Köln vorstellten, waren wir der Witz der Messe», erinnert sich Neupert. Die Zeiten änderten sich und inzwischen gehören die Gefährte zur Produktpalette vieler Hersteller. Allein 2008 wurden weltweit 23 Millionen der Elektrofahrräder verkauft. Marktführer sind China und Indien, Europa und Nordamerika würden aber aufholen. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr immerhin 120 000 Stück abgesetzt. Dem standen nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes über 4,3 Millionen Mountainbikes, Trekking-, City- und Rennräder gegenüber, die im selben Zeitraum einen Käufer fanden.

«Es ist definitiv noch ein sehr zartes Pflänzchen», sagt Neupert. Aber auch er weiß, dass das Pedelec immer mehr Fans findet. Vor vier Jahren seien zwischen 40 000 und 50 000 abgesetzt worden. 2006 waren es dann schon 65 000. Und das zu einem Preis, der den eines herkömmlichen Rades bei weitem übersteigt. Der liegt im Schnitt bei 400 Euro. Bei Pedelecs liegt der durchschnittliche Verkaufspreis bei 1640 Euro. Damit setzte der hiesige Handel im vergangenen Jahr rund 197 Millionen Euro um.

Schnittige Renner sind die Räder zwar immer noch nicht, aber langsam kommen die Pedelecs im neuen Jahrtausend ­ und somit auch bei neuen Zielgruppen an. «Das ist ähnlich der Servolenkung, die galt früher gerade unter Sportwagenfahrern als unsportlich ­ jetzt will keiner mehr darauf verzichten», sagt Neupert. Abgesehen von dem recht klobigen Motor, der am Rahmen befestigt ist und zwei bis drei Kilogramm wiegt, unterscheiden sich die meisten aktuellen Modelle im Erscheinungsbild kaum mehr von den handelsüblichen City- und Trekkingbikes. Ein auf der Bike Expo ausgestelltes Modell hat sogar einen Lastenkorb unterhalb des Lenkers, mit dem bis zu 90 Kilogramm transportiert werden können, die Firma KTM stattete ein Mountainbike mit der Technik aus.

Der Tourismusbranche gefällt der Trend. «Den Rädern wird eine interessante Rolle zugesprochen», sagt Iris Hegemann, Verkehrsexpertin des Deutschen Tourismusverbandes (DTV). Die Zweiräder seien eine Erleichterung bei Trips in gebirgige oder strukturschwache Regionen, wo nicht selten eine Tagesetappe von 80 Kilometern zurückgelegt werden müsse, um die nächste Unterkunft zu erreichen.

Das ist aber auch das Maximum für die Akkus eines Pedelecs. Die Reichweite liegt laut Neupert ­ abhängig vom Gewicht des Fahrers, dem Unterstützungsgrad, aber auch der Beschaffenheit des Untergrundes und dem Zustand der Reifen ­ zwischen 30 und 80 Kilometern. Die Batterie ist nach etwa dreieinhalb Stunden wieder aufgeladen. Eine japanische Firma entwickle sogar eine Ladestation mit Solarzellen. Dennoch müsste man nach Überzeugung Neuperts kein neues Kraftwerk bauen, wenn alle Deutschen Pedelec fahren würden. «So ein Pedelec verbraucht auf 50 Kilometer ungefähr eine Viertel Kilowattstunde.» Das entspreche der Energie, die eine Kaffeemaschine für einen Durchlauf braucht. Neuperts Fazit: «Pro Kaffeetasse kann sich ein Radler also zehn Kilometer unterstützt fortbewegen.»

Infos zur Fahrradmesse in München: www.bike-expo.de Von Roland Hindl, dpa

dpa-infocom