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Angst vor dem unbekannten Islam

Berlin/Rheinland-Pfalz Gerade hat für die Muslime der Fastenmonat Ramadan begonnen. Sie verzichten auf weltliche Dinge, um sich Gott zu widmen.

Klingt ganz ähnlich wie die christliche Fastenzeit. Und trotz dieser Gemeinsamkeiten ist das Zusammenleben in Deutschland von Problemen geprägt. Ein Mord verhärtet die Fronten.

Die Reaktionen auf den Mord an der Ägypterin Marwa el Sherbini in einem Dresdner Gerichtssaal haben gezeigt, dass es im Verhältnis zwischen Deutschland und den hier lebenden Muslimen brodelt. Nach dem Verbrechen war in den Medien zunächst vor allem von einer Gewalttat vor Gericht die Rede.

Erst allmählich sickerte die Nachricht durch, dass der Mord durch den Russlanddeutschen einen rassistischen, einen islamfeindlichen Hintergrund hatte. Im muslimisch geprägten Ausland gab es Demonstrationen. Es ist der erste Fall in Deutschland, bei dem eine Muslimin als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft und getötet wurde. Dass diese Dimension der Tat nicht gleich erkannt und in aller Deutlichkeit verurteilt wurde, zeigt laut dem Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, "dass antimuslimische Hetze oft kleingeredet oder reflexartig verdrängt wird".

Sind die Nicht-Muslime in Deutschland dem Islam grundsätzlich feindlich gesinnt? Die Erfahrungen Einiger sprechen dafür. Doch wo verläuft die Grenze zwischen seriöser Kritik an muslimischen Interessen und einem Vorurteil, das Angst, Skepsis oder sogar Feindseligkeit gegenüber dem Islam hervorbringt? Um die Antwort auf diese Frage wird gestritten.

Die Deutsche Islam Konferenz unter Leitung des Bundesinnenministeriums mit 30 Teilnehmern - 15 repräsentieren den deutschen Staat, 15 die Muslime in Deutschland - versucht seit 2006 bei einem jährlichen Treffen das Zusammenleben zu klären.

Der Rat gibt vor allem Empfehlungen ab und einigt sich auf Feststellungen wie "Integration als Prozess verändert grundsätzlich beide Seiten". Viel mehr als ein verändertes Bewusstsein bewirkt die Konferenz laut Aiman Mazyek allerdings nicht.

Die Autorin und Soziologin Necla Kelek zog nach der Konferenz im Juni kritisch Bilanz: "Nach drei Jahren Islamkonferenz weiß niemand, wofür der Islam in Deutschland steht, aber man weiß, was er will: Der politische Islam will Schritt für Schritt seine Rechte auf ein religiöses Leben in Deutschland durchsetzen. Und das scheint auch zu gelingen (...)." Einige Verbände, die an der Konferenz teilnehmen, sprechen laut Kelek aber nicht für die Mehrheit der Muslime.

Was ist die Mehrheit? Eine neue Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und der Deutschen Islam Konferenz belegt erstmals, wie viele Muslime in Deutschland leben: rund vier Millionen, das entspricht einem Anteil an der Gesamtbevölkerung zwischen 4,6 und 5,2 Prozent. Geschätzte 100 000 Muslime wohnen in Rheinland-Pfalz.

Die Studie zeigt auch, dass die Muslime sich je nach ihrem Herkunftsland zu sehr unterschiedlichen Glaubensrichtungen zählen und der Grad der Religiosität sich stark unterscheidet. Schwierigkeiten bei der Integration belegt die Studie vor allem in puncto Bildung und Arbeit. Demnach weisen Muslime ein deutlich geringeres Bildungsniveau als die Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften auf. Dies hänge auch mit der Geschichte der Zuwanderung zusammen, sprich: Als Gastarbeiter kamen eher schlechter gebildete Menschen.

Auch nach Rheinland-Pfalz , wo die Landesbeauftragte für Migration und Integration, Maria Weber, verstärkt Vorbehalte gegenüber Muslimen wahrnimmt. Sie wolle mit ihrer Arbeit zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Denn: "Je weniger man voneinander weiß, desto stärker sind die Vorurteile", meint sie. (Rena Lehmann)

RZO