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VW-Porsche: Der ewige Streitpunkt 914 wird 40

Wolfsburg/Stuttgart Volkswagen und Porsche, das ist eine unendliche Geschichte: Gerade erst haben die wechselseitigen Übernahme-Ankündigungen in Verbindung mit zahlreichen Streitereien für Schlagzeilen gesorgt.

Und im Grunde sind beide Firmen ohnehin von Anfang an miteinander verbandelt - schließlich hatte Ferdinand Porsche den Käfer erfunden. Die Nähe brachte auch in den 60er Jahren ein Projekt hervor, das von einigen Querelen begleitet war - und die Autoliebhaber bis heute spaltet. Denn der vor 40 Jahren erschienene VW-Porsche gilt für die einen als nichts Halbes und nichts Ganzes, andere lieben ihn wegen seiner Einzigartigkeit.

Dass der Porsche 914 umstritten ist , liegt vor allem an der Kombination aus Großserien- und Sportwagentechnik. Und daran, dass er mit den Namen der beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen Hersteller gekennzeichnet wurde. Denn er war kein Volkswagen und auch kein Porsche - sondern der VW-Porsche. Jedenfalls nach dem Willen der Macher. Der Volksmund machte daraus im Handumdrehen einen Volksporsche, was den Managern die Nackenhaare aufstellte.

Am Anfang des Projekts stand ein einfacher Gedanke: Mitte der 60er Jahre wurde auch dem größten Optimisten im Hause Volkswagen bewusst, dass das sportliche Modell mit dem Namen Karmann Ghia seine beste Zeit hinter sich hatte. Ein Nachfolger musste her. Dazu passte, dass zur gleichen Zeit bei Porsche Ideen aufkamen, das Modellprogramm unterhalb des 911 um ein erfolgversprechendes Modell zu erweitern.

Dass die Ideen ausgetauscht wurden , lag auch an familiären Bindungen: Die Tochter des damaligen Volkswagen-Chefs Heinrich Nordhoff hatte Ernst Piëch geehelicht - den Neffen von Ferry Porsche. So mag es nicht verwundern, dass Porsche und Nordhoff sich einigten. Die Firma Porsche sollte einen preiswerten Sportwagen entwickeln. Der sollte dann mit einem Vierzylindermotor als Volkswagen und mit einem Sechszylinder als Porsche angeboten werden.

Das Ergebnis trug die Bezeichnung 914, beziehungsweise 914/4 und 914/6. Wobei 4 und 6 für die Zylinderzahlen stehen. Denn die Karosserien für den 914 wurden zwar vor allem bei Karmann gefertigt - im 914/4 kam aber ein simpler 1,7-Liter-Boxer mit gerade einmal 59 kW/80 PS zum Einsatz, während es im 914/6 ein Zweiliter-Sechszylinder mit immerhin 81 kW/110 PS sein durfte.

Gemeinsam hatten beide die Grundkonstruktion: Sie waren Mittelmotorsportwagen - was seinerzeit schon ungewöhnlich genug war. Außerdem handelte es sich um Targa-Modelle, bei denen ein festes Dachteil zwischen Frontscheiben-Rahmen und Überrollbügel herausgenommen werden konnte.

Der ungewöhnliche Mischmasch aus Namen und Motorisierungen führte dazu, dass die Topversion nicht die gewünschte Anerkennung fand. Denn beim Vierzylinder konnten sich Käufer noch sagen, dass sie zur VW-Standard-Antriebstechnik eine gute Prise Porsche-Image bekamen. Beim Sechszylinder wiederum musste die hochwertige Porsche-Technik mit dem VW-Hinweis in der Typbezeichnung herumfahren.

Hinzu kam eine Preisgestaltung , mit der die Erfolgschancen des Sechszylinders nicht gerade erhöht wurden. Nach der Präsentation des 914 im Jahr 1969 wurde der 914/4 für knapp 12 000 Mark angeboten. Für den 914/6 dagegen verlangte man mehr als 19 000 Mark.

Kein Wunder also, dass der Sechser kein Bestseller wurde. Schon Mitte 1972 flog er nach nur 3338 gebauten Exemplaren aus dem Programm. Was Volkswagen nutzte, um die Modellpalette beziehungsweise das Motorenangebot zu erweitern: Künftig gab es den 914 auch mit einem auf zwei Liter Hubraum vergrößerten Vierzylinder, der immerhin 74 kW/100 PS leistete. Beim Einstiegsmodell vergrößerte man 1974 den Hubraum auf 1,8 Liter und erhöhte die Leistung auf nun 63 kW/85 PS.

Wer die Produktionszahlen sieht , könnte meinen, der 914 sei ein Erfolgsmodell gewesen. Bis zum Frühjahr 1976 wurden 115 631 Exemplare gebaut. Allerdings rollten nicht alle auf europäischen Straßen. Ein großer Teil der Produktion wurde in den USA abgesetzt. Von Heiko Haupt, dpa

dpa-infocom


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