pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Reise   » News  » Deutschland  » Gesundheit  » Katalog  » Recht  » Traumziele  » Tipps  » Galerie

Kriegsspuren in Kanada: Bell Island lockt Taucher

Lance Cove Mehr als 65 Jahre ist es her, dass deutsche U-Boote den Zweiten Weltkrieg an die kanadische Ostküste trugen.

Nahe der Insel Bell Island in Neufundland versenkten sie Frachter auf dem Weg nach England.

Die Wracks locken heute Taucher an. Aber nicht nur für sie lohnt sich der ungewöhnliche Abstecher an Kanadas «Ende der Welt». Am 4. September 1942 dringt U-513 bei St. John's in die Conception Bay ein. Vor der Steilküste von Bell Island erwartet das U-Boot den Tagesanbruch. Am Tag darauf steigt es auf Periskoptiefe und macht schnell seine Ziele aus: Zwei Erzfrachter, die «Saganaga» und die «Lord Strathcona» dicht vor der Insel. Um 11.07 Uhr treffen zwei Torpedos die «Saganaga». In weniger als 30 Sekunden geht der Frachter unter. Wenige Minuten später torpediert U-513 die «Lord Strathcona».

Zwei Monate später erlebt die Insel den zweiten deutschen U-Boot-Angriff. U-518 hält sich nachts so dicht an den Steilküsten, dass die Besatzung die Scheinwerfer der oben fahrenden Autos erkennt. Am Morgen des 2. November befiehlt der Kapitän den Angriff auf drei Erzfrachter. Der erste Torpedo zerstört die Scotia Pier. Dann aber werden die «Rose Castle» und die «P.L.M. 27» versenkt. Fast 40 Seeleute kommen dabei ums Leben.

Die Bürgerwehr nahm U-518 unter Feuer , doch das U-Boot entkommt. «Alles, was die damals getroffen haben, war eine Kuh», sagt Rick Stanley. Er führt eine Tauchbasis in Conception Bay South und ist mit den alten U-Boot-Geschichten aufgewachsen. Die Wracks der vier Frachter liegen noch immer da, wo sie gesunken sind. Sporttaucher aus aller Welt bringe er nach unten, erzählt Stanley. Sie alle wollten die Zeugnisse des einzigen Angriffs von Hitler-Deutschland auf Nordamerika mit eigenen Augen sehen.

Tatsächlich erinnert auf der 9 mal 3,5 Kilometer großen Insel so gut wie nichts an die Kriegsjahre. Nur vor einem Laden, der Tiere aus Zement anbietet, weist ein Schildchen auf eine «Seaman's Memorial and Picnic Area» in Lance Cove hin. Am Fuß eines Hügels liegt auf einem Uferstreifen aus Gras und Schotter ein Trailerstellplatz mit Blick aufs Festland. Gleich daneben befindet sich das «Mahnmal für den Seemann»: Ein Fahnenmast, ein paar Tafeln mit Namenslisten und ein großer Anker.

Nur einen Steinwurf vom Ufer entfernt dümpeln weiße Bojen. Dort verursachten die deutschen Torpedos damals ein Inferno, dort liegen die Wracks. Wer nicht taucht, den fährt Rick Stanley gern im Schlauchboot rund um die Insel. 70 Meter hohe Klippen aus grau-braunem Schiefer, Seevogelkolonien und ein wildromantisch liegender Leuchtturm warten darauf, entdeckt zu werden.

Ein Hinweissschild gibt es nur für das «No. 2 Mine and Museum». Es erinnert an den Grund, warum die deutschen U-Boote überhaupt hierherkamen. Bei Bell Island lagerten damals die größte unterseeischen Erzvorkommen der Welt: In langen, unterseeischen Schächten wurden von 1895 bis 1966 mehr als 70 Millionen Tonnen abgebaut. Einer dieser Schächte beginnt unter dem kleinen Museum, das Führungen in die feuchte Düsternis veranstaltet.

Informationen: Newfoundland & Labrador Department of Tourism, Culture and Recreation, P.O. Box 8700, St. John's, NL Canada, A1B 4J6, Telefon von Deutschland: 001/709/729 28 32

Informationen zu Bell Island (englisch): www.bellisland.net

Informationen zu Neufundland und Labrador (englisch): www.newfoundlandlabrador.com Bell Island Anreise und Formalitäten: Lufthansa und Air Canada fliegen täglich von Frankfurt/Main und München nach Montréal. Dort starten regelmäßig Anschlussflüge nach St. John's auf Neufundland. Nach Bell Island geht es von dort weiter per Mietwagen: Erst in 20 Minuten nach Portugal Cove, von dort mit der Autofähre in ebenfalls 20 Minuten auf die Insel. Besucher aus Deutschland benötigen einen gültigen Reisepass. Von Ole Helmhausen, dpa

dpa-infocom