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Geister, Whisky und Wolle: Die schottischen Highlands

Turriff Angeblich ist Geiz typisch für Schottland.

Doch bei Highland-Rundfahrten ist davon nichts zu merken. Zumindest geizt Schottlands Nordosten nicht mit Sehenswürdigkeiten.

Touristen lernen hier: Typisch schottisch sind eher Whisky und Wolle, Schafe und Schlösser, Geister und Menschen, für die das alles Alltag ist. Fyvie Castle ist so ein Schloss, das allen Klischees gerecht wird: Die Eingangshalle ist einige Meter hoch, Ritterrüstungen stehen herum. An einer Wand hängen gekreuzte Schwerter, ein Hirschgeweih und ein Elchkopf. Das alles ist noch im Rahmen dessen, was in schottischen Schlössern üblich ist. Der ausgestopfte Eisbär, der sich scheinbar grinsend über einen ausgestopften Seehund beugt, wirkt hier in Turriff nordwestlich von Aberdeen allerdings schon etwas exotisch. Das Schloss mit seinen mehr als 100 Zimmern ist aber auch in anderer Hinsicht bemerkenswert: In Flyvie Castle spukt die Grüne Lady.

Andrew Collins führt die Gäste durch das Treppenhaus, das so breit ist, «dass früher einige Besucher mit dem Pferd nach oben geritten sind.» Es gibt jede Menge flämische Wandteppiche, chinesisches Porzellan und einen Achtung gebietenden Kristallleuchter. «Er besteht aus Hunderten von Einzelteilen», sagt Collins und verdreht die Augen: «Wenn er im Winter geputzt werden muss, dauert das drei Tage.»

Im Herrenzimmer hängt ein Büffelkopf an der Wand und eine Sammlung von Gewehren. Der Billardtisch ist zwei Tonnen schwer. «Hier frönten die Männer ihren Lastern», erzählt der Schlossführer: «Rauchen, Trinken, Spielen». Zu sehen ist auch das Zimmer, in dem im 16. Jahrhundert der Schlossherr seine Gattin für immer einsperrte, weil sie vier Töchter, aber keinen Sohn bekommen hatte. Sie geht noch immer im Haus um, «in dem grünen Kleid, das sie damals getragen hat.»

Der Schlossherr heißt heute Robert Lavie und verwaltet Fyvie Castle für den National Trust, der dafür sorgt, dass historische Gebäude für Besucher zugänglich bleiben. «Die Grüne Lady habe ich noch nie gesehen, aber den Rosenduft ihres Parfüms habe ich schon gerochen», beteuert er. «Sie war auch ein paar Mal in meiner Wohnung, hat Sachen verstellt und einmal sogar die Wasserhähne aufgedreht.»

Ein Stück westlich von Turriff liegt das Highland-Städtchen Elgin, wo Johnstons zu Hause ist. Ende des 18. Jahrhunderts gegründet, ist der Betrieb in Schottland die erste Adresse für alles, was sich aus Wolle herstellen lässt. Gästeführer Craig Ware zeigt auf das weiße Cashmere aus der Mongolei und die neuseeländische Schafswolle, die hier verarbeitet werden. «Das hier ist Kamelhaar», sagt er und lässt ein flauschiges Bisschen davon herumgehen, «wunderbar weich».

Johnstons lässt sich auch hinter die Kulissen gucken: Besucher dürfen die Abteilung in Augenschein nehmen, wo die Wolle gesponnen wird, die Halle, in der die Webstühle stehen und auch die riesigen Waschmaschinen, die das Öl aus der Wolle waschen - mit schottischem Quellwasser. In Elgin, sonst vor allem berühmt für die Ruinen seiner mittelalterlichen Kathedrale, wird auch im Auftrag der großen Marken produziert: von Lacoste über Ralph Lauren bis hin zu Burberry.

Südlich von Elgin liegt Speyside , eine Region mit besonders vielen Whisky-Destillerien. Noch etwas weiter entfernt bei Pitlochry in Perthshire befindet sich Edradour, der kleinste der schottischen Whisky-Produzenten. «Wir sind die letzte Farm-Destillerie Schottlands», sagt Besitzer Andrew Symington, «entstanden aus einem Bauernhof, auf dem die überschüssige Gerste für die Whiskyherstellung genutzt wurde.» Die Destillerie besitzt ihre Brennlizenz seit 1847.

«Heute arbeiten hier drei Brenner und ich selbst», sagt Symington. «Anderswo steuern die alles per Computer, wir machen das hier noch per Hand.» Der Betrieb kann besichtigt werden, vom Raum mit den «Big Bags» für die Gerste bis zu den Maischbottichen und den «Stills» für das Destillieren. Symington zeigt auf einen Holzbottich mit einer trüben Flüssigkeit. «Sie hat acht Prozent Alkohol und kommt morgen in die Brennblasen.» Geschickt füllt er eine Glasflasche und lässt die Besucher probieren - sie schmeckt wie warmes Weißbier. Nach dem Destillieren wird sie klar sein und 70 Prozent Alkohol haben.

Das würde beim Trinken nicht viel Freude machen. Deswegen lässt Symington seinen Malt ausgiebig reifen. «Wir benutzen Sherry-, Port-, Burgunder-, Madeira- und Masala-Fässer», erklärt er. Je nachdem, wie lange der Whisky gelagert wird und in welchem Fass, entstehen ganz unterschiedliche Variationen des Edradour Malt. Im Besucherzentrum stehen sie Flasche an Flasche im Regal, eine eindrucksvolle Bandbreite, wie um zu beweisen, was geschmacklich alles möglich ist.

Schottland Fremdenverkehrsamt: www.visitscotland.com/de

Britische Fremdenverkehrsamt: www.visitbritain.de

Die schottischen Highlands

Reisezil: Die Highlands liegen im Norden Schottlands. Bekannteste Stadt der Region ist Inverness. Speyside liegt östlich davon.

Anreise: Nach Edinburgh fliegen Lufthansa (zweimal täglich ab/bis Frankfurt/Main mit Zubringerflügen von mehreren deutschen Städten) sowie Germanwings und Ryanair (ab verschiedenen deutschen Flughäfen). Nach Glasgow geht es mit Ryanair von Hahn im Hunsrück aus. Alternativ bestehen Umsteigeverbindungen über London oder Manchester mit British Airways. Von Edinburgh und Glasgow aus lässt sich der Nordosten Schottlands mit dem Mietwagen erreichen. Eine weitere Möglichkeit ist die Anreise per Fähre, zum Beispiel mit der Reederei Norfolkline, die dreimal pro Woche die Häfen Zeebrugge in Belgien und Rosyth in Schottland verbindet. Die Fähre ist jeweils 20 Stunden unterwegs.

Beste Reisezeit: Anfang Juni bis Ende September.

dpa-infocom