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Müssen junge Schwerbehinderte ins Altersheim?

Karlsruhe Wer jung ist und gesund und das Elternhaus verlassen will, dem stehen normalerweise viele Türen offen.

Wer dagegen jung ist und schwerbehindert und das Elternhaus verlassen will, für den gehen viele Türen zu.

Denn Plätze in den Heimen der sogenannten Eingliederungshilfe sind extrem rar. Landratsämter, die über die Sozialhilfe diese Heime bezahlen müssen, versuchen nach Angaben von Sozialvereinen immer häufiger, die kommunalen Kassen zu entlasten: Sie bringen Behinderte in Pflegeheimen unter oder in «binnendifferenzierten» Heimen, die nach Standards von Pflegeheimen arbeiten. Die Versorgung wird dann über die Pflegeversicherung finanziert.

Problematische Unterbringung

Für die Behinderten bedeutet das: Sie sind umgeben von alten, teilweise dementen Menschen, die einen anderen Bedarf und andere Bedürfnisse haben. «Deren Leben geht zu Ende. Das der Behinderten fängt aber erst an», sagt Mechthild Wiemann vom Offenburger Spastikerverein, Mutter eines schwerbehinderten Sohnes. «Binnendifferenzierte Heime oder gar Pflegeheime sind vollkommen ungeeignet, diese Menschen ins Leben einzugliedern.»

Christa Heilemann vom Landkreistag sieht das anders: «Binnendifferenzierte Einrichtungen stehen qualifizierten Eingliederungsheimen in nichts nach. Sie sind der Versuch, der Pflege und der Eingliederung gerecht zu werden.» Auch der Behindertenbeauftragte des Landes, Dieter Hillebrand, ist überzeugt: «Sie alle versuchen, den verschiedenen Bedürfnissen der Behinderten gerecht zu werden.»

Verschiedene Konzepte für die Versorgung

Der Unterschied liegt im Konzept: Heime der Eingliederungshilfe sind darauf ausgerichtet, dass Behinderte pädagogisch betreut werden, lebenslang lernen dürfen und umfassend gefördert werden. Dagegen fußen binnendifferenzierte Einrichtungen auf dem Prinzip der Pflegeheime: Die Pflege steht im Vordergrund, der Mensch wird von Krankenschwestern betreut.

Die Heimsituation für Schwerbehinderte ist «ein Riesenproblem», sagt die Geschäftsführerin des Landesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte in Baden-Württemberg, Jutta Pagel-Steidl. Eigentlich gehe es da nur ums Geld.

«Immer häufiger und immer wieder 'verschwinden' junge Schwerbehinderte in Pflegeheimen», kritisiert auch Rudi Sack von der Lebenshilfe in Stuttgart: Eine Umgebung, die vorrangig auf Pflege ausgerichtet ist, sei für junge Menschen komplett ungeeignet. Das Personal dort sei ganz anders ausgebildet als in Heimen der Eingliederungshilfe. Dort liegt der Schwerpunkt auf Förderung, Freizeitgestaltung, pädagogischer Betreuung und der «Teilhabe an der Gesellschaft». So wie es Paragraf 12 des Sozialgesetzbuches ebenso vorschreibt wie die UN-Konvention über die Rechte von Behinderten.

Kommunen unter Kostendruck

Der Druck auf die Kommunen als Leistungsträger ist enorm. Die Kosten für die Eingliederungshilfe steigen unaufhörlich. Es gibt immer mehr Menschen mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen. Immer mehr Frühchen, immer mehr Unfallopfer überleben auch mit schwersten Beeinträchtigungen.

«Wenn Menschen dank medizinischer Fortschritte behindert überleben, dann muss die Gesellschaft später auch die Verantwortung für sie übernehmen», fordert Wiemann. Aber die Gemeinden suchen einen Weg, die Kosten für die Eingliederungshilfe zu senken - und drängen offenbar die Heime, die Finanzierung teils auf die Pflegeversicherung abzuwälzen. «Menschen mit schweren Behinderungen werden zunehmend zur Manövriermasse zwischen den Kostenträgern», monierte Monika Seifert von der Lebenshilfe in Berlin schon 2005.

Lebenshilfe Stuttgart e.V.: www.lebenshilfe-stuttgart.de

Weitere Informationen: www.landkreistag-bw.de Von Anika v. Greve-Dierfeld, dpa

dpa-infocom


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