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Der «Neid-Faktor»: Trainerin als Erfolgsgarant

Helsinki Die unglaubliche Erfolgsstory der deutschen Fußballerinnen liegt in einer großartigen Teamleistung begründet, doch auch der «Neid-Faktor» spielt eine bedeutende Rolle. Der 45 Jahre alten Bundestrainerin scheint alles zu gelingen.

Jüngstes Beispiel: Als die DFB-Elf im EM-Halbfinale am Montag gegen Norwegen (3:1) durch den frühen Rückstand von Isabell Herlovsen (10.) völlig aus dem Tritt geraten war, als alle Zeichen auf Niederlage standen und auch noch die zentrale Kreativkraft Linda Bresonik (Sprunggelenk) ausfiel, schlug die große Stunde von Silvia Neid: «Ich habe den Spielerinnen in der Halbzeit gesagt: Wenn wir so weiterspielen, können wir nach Hause fahren. Als sie die Kabine verlassen haben, wusste ich, dass sie das Spiel drehen werden.»

Die Kabinenpredigt der temperamentvollen Trainerin zur Pause wirkte. Zudem nahm sie mit wenigen Handgriffen entscheidende Personalkorrekturen vor. Für Bresonik brachte sie noch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte Simone Laudehr, nach dem Wechsel kamen die Stürmerinnen Celia Okoyino da Mbabi (46.) für Abwehrspielerin Bianca Schmidt und Fatmire Bajramaj (59.) für Melanie Behringer als «Edeljoker». Neid hauchte so der erstarrten Truppe neues Leben ein - in Norwegens Strafraum herrschte fortan Daueralarm.

Allein von einem «glücklichen Händchen» der gebürtigen Walldürnerin zu sprechen, weil alle drei Einwechselspielrinnen trafen, die Elf die Partie mit großer Moral drehte und zum siebten Mal ins EM-Finale einzog, würdigt die taktische und psychologische Meisterleistung Neids nur unzureichend. Doch die gewiefte Fußball- Lehrerin, die den Teamgeist über alles stellt, gab die Komplimente bescheiden an die Mannschaft weiter. «Ich freue mich darüber, wie die Spielerinnen in der zweiten Hälfte das umgesetzt haben, was wir in der Pause besprochen haben», erklärte Neid. «Dass alle drei Eingewechselten getroffen haben, ist auch Glück. Aber wir haben viele ganz unterschiedliche Spielertypen. Wenn Neue rein kommen, ist es für den Gegner sehr schwer, sich darauf einzustellen.»

Neid vereinigt alle Eigenschaften , die eine gute Trainerin auszeichnet. Sie ist akribische Arbeiterin, überlässt nichts dem Zufall. Weder in der Vorbereitung noch im Turnier. Sie ist streng, aber keine Diktatorin. Die Älteren im Kader dürfen sie duzen, die Jüngeren sagen respektvoll Frau Neid. Die Ex-Nationalspielerin verfügt über Erfahrung aus 111 Länderspielen, großes Fachwissen und herausragende analytische Fähigkeiten, kann ein Spiel lesen, Schwächen des Gegners erkennen. Mit den Medien hat die wortgewandte Neid zuweilen kleine Reibereien. Vor allem, wenn Journalisten einzelne Akteurinnen herauspicken. Zudem fürchtet sie, selbst zu einer zu öffentlichen Person zu werden.

Neid ist eine Teamplayerin, setzt aber auch auf Expertenwissen: Neben den drei Assistentinnen Ulrike Ballweg, Maren Meinert und Bettina Wiegmann gehören bei der EM in Finnland der Arzt Bernd Lasarzewski, die Physiotherapeutinnen Christel Arbini und Shyrin Spreitzer, Zeugwart Matthias Lau, Torwarttrainer Michael Fuchs, Videoanalyst Marco Diaz und Sportpsychologe Arno Schimpf zum DFB- Stab. «Jeder gehört dazu und hat seine Aufgaben. Ohne sie ging es nicht», erklärt die Bundestrainerin.

Der DFB weiß die großen Qualitäten der konsequenten, zuweilen auch «unbequemen» Trainerin zu schätzen, die schon im Duo mit ihrer ehemaligen Chefin Tina Theune (1996 - 2005) an drei EM-Titeln und dem WM-Triumph 2003 beteiligt war. Präsident Theo Zwanziger, der Neid vier Wochen nach dem WM-Sieg 2003 in China mit einem Vertrag bis 2013 ausstattete, hat volles Vertrauen in ihre Arbeit. Sie soll die Gold- Mission bei der WM 2011 im eigenen Land erfüllen. Zwanziger schwärmt: «Sie macht das hervorragend, mit viel Charme und großem Sachverstand. Wir könnten uns keine bessere Trainerin wünschen.» Von Ulli Brünger, dpa

dpa-infocom


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