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Hintergrund: Wer sind Rüsselsheims russische Retter?

Die Rettung von Opel soll auch mit russischem Kapital geschehen. Der kanadische Zulieferer Magna wird in einem Konsortium mit der Sberbank und dem Autohersteller GAZ 55 Prozent der Opel-Anteile übernehmen.

General Motors behält 35 Prozent, weitere 10 Prozent der Anteile gehen an die Opel- Belegschaft.

Doch wer sind Rüsselsheims russische Retter? Wie finanzkräftig sind sie und welche strategischen Ziele verfolgen sie?

Wirtschaftsexperten in Moskau sind sich einig: Die Opel-Übernahme war nicht die selbständige Entscheidung der Sberbank und des maroden Autobauers GAZ, sondern ein industriepolitischer Schachzug des Kremls.

„Die Zukunft der heimischen Automobilindustrie liegt in der Lizenzproduktion“, konstatierte Premier Wladimir Putin schon vor einem Jahr beim Besuch eines Werkes in Tatarstan, in dem Fiat-Transporter vom Band laufen. Künftig soll nun technisches Know-how von Opel der veralteten russischen Automobilbranche und namentlich dem Hersteller GAZ auf die Sprünge helfen.

Sberbank-Chef German Gref kommentierte das Angebot für Opel einmal so: „Das ist die großartige Chance für Russland, an einen der technologisch führenden europäischen Autohersteller zu kommen, und das zu einem ungewöhnlich niedrigen Preis.“

Die Sberbank – hervorgegangen aus der einstigen sowjetischen Sparkasse („Sberegatelnaja Kassa“) – ist mit 250 Millionen Kunden das größte Geldinstitut Osteuropas. Rund 50 Prozent aller russischen Spareinlagen liegen auf ihren Konten. Zwar machen auch der Sberbank zunehmend faule Kredite zu schaffen. Doch der russische Staat ist Großaktionär, und die Sberbank wurde in den vergangenen Monaten bei der Vergabe von Staatshilfen stets großzügig bedacht. Garant für den guten Draht zur Macht ist Bankchef German Gref: Der langjährige russische Wirtschaftsminister (45) ist ein Intimus von Wladimir Putin. Die beiden lernten sich beim Jura-Studium in St. Petersburg kennen, wurden von dem Juraprofessor und späteren Bürgermeister Anatolij Sobtschak gefördert.

Der Autohersteller GAZ wird von Magna und Sberbank als „industrieller Partner“ des Opel-Deals geführt. GAZ ist verschuldet und schreibt tiefrote Zahlen, 2008 waren es 120 Millionen Euro. Das 1932 mit Hilfe von Ford gegründete „Gorkowski Awtomobilny Zawod“ in Nischni Nowgorod gehört praktisch der Sberbank: Eigentümer Oleg Deripaska, Oligarch in Geldnöten, musste seinen 61-Prozent-Anteil an GAZ bei dem Geldinstitut als Sicherheit hinterlegen.

Zu bieten hat GAZ eine moderne, aber zurzeit nicht ausgelastete Produktionsanlage. Die hatte GAZ vor kurzem für die Lizenzproduktion des Chrysler Sebring erworben. Doch das Modell mit dem merkwürdigen Namen „Wolga Siber“ erwies sich in Russland als Flop. In diesem Jahr wurden nur 2000 Exemplare gebaut, seit März stehen die Bänder ganz still.

In Nischni Nowogorod könnten künftig Opel-Modelle gebaut werden. Magna will in Russland einen Marktanteil von 20 Prozent ergattern. Derzeit liegt der Opel-Anteil in Russland bei 3,6 Prozent. Das Ziel ist ehrgeizig, möglicherweise aber auch einfach unrealistisch. Bis zum vergangenen Jahr galt die Prognose, der boomende russische Automarkt werde Deutschland bald überholen. Jetzt aber ist das Geschäft um 42 Prozent eingebrochen. Und Experten rechnen vor 2015 nicht mit einer Erholung.

Doris Heimann

RZO