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Schmuck mit Wurzeln: Fassaden richtig begrünen

Bonn Dornröschen-Schlösser und mit Efeu bedeckte Stadtvillen sehen romantisch aus.

Auch viele moderne Architekten begrünen aus Überzeugung heraus Fassaden mit wildem Wein, Efeu, Clematis oder Blauregen.

Das von Stararchitekt Jean Nouvel entworfene Museum für Stammes-Kunst in Paris, dessen Verwaltungsgebäude von einer 800 Quadratmeter großen Pflanzenwand bedeckt ist, ist nur ein besonders markantes Beispiel.

Geschätzt wird der grüne Wandschmuck auch als «Architekten-Schmiere»: «Der Arzt kann seine Fehlgriffe verbergen, der Architekt kann seinem Bauherrn nur empfehlen, Wilden Wein zu pflanzen», soll der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright gesagt haben, der zum Beispiel das Guggenheim Museum in New York entwarf. Dieser Satz verweist darauf, dass Fassadenbegrünung auch gern genutzt wird, um unansehnliche Architektur, etwa an Brandwänden oder fensterlosen Giebeln, zu «verpacken» oder aufzulockern.

Neben ihren ästhetischen Vorteilen wird Fassadenbegrünung auch zur positiven Wirkung auf Klima und Umwelt gepflanzt. «Fassadenbegrünungen stellen oft 'ökologische Nischen' dar», betont Prof. Mehdi Mahabadi, Leiter der Arbeitskreises Fassadenbegrünung der Forschungsgemeinschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) in Bonn. Eine Vielzahl von Insekten und Vogelarten finde hier eine Brut- und Lebensstätte. Das könne wertvolle Beiträge zur Entwicklung und Erhaltung des Ökosystems in einer Stadt leisten.

Kletterpflanzen zur Begrünung von Hauswänden gibt es von immergrün bis blühend. Um die Wand hochzuklettern, haben die Pflanzen verschiedene Techniken entwickelt. «Wilder Wein und Selbstklimmender Wein entwickeln Haftwurzeln oder Haftscheiben, mit denen sie sich selbst an der Wand verankern», erklärt Wolfgang Groß vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau im nordrhein-westfälischen Bad Honnef. Neben Selbstklimmern gebe es Rank- und Schlingpflanzen. Diese benötigen Klettergerüste und Rankhilfen, die an der Fassade befestigt werden.

Kletterpflanzen stellen aber auch Anforderungen an den Standort. Während zum Beispiel Wilder Wein für die Begrünung von Südfassaden geeignet ist, biete sich Efeu für Nordfassaden an, erläutert Mahabadi, der an der Universität Duisburg-Essen Technik des Garten- und Landschaftsbaus unterrichtet. Es gebe aber geeignete Kletterpflanzen für Fassadenbegrünungen mit Ausrichtung in alle Himmelsrichtungen.

«Im Hinblick auf die Wahl der geeigneten Pflanzen für die entsprechende Fassade sind Laien meistens überfordert», warnt Groß. Denn wenn für die Begrünung einer bestimmten Fassade keine geeignete Kletterpflanze eingesetzt wird, kann es schnell zu Schäden am Mauerwerk oder Rohren kommen. Wenn am Mauerwerk Risse sind, könnten in diese Risse zum Beispiel die Haftwurzeln von Selbstklimmern einwachsen und Putz absprengen.

Von Laien unterschätzt werde aber auch das enorme Gewicht, das ein grüner Mantel für das Haus mit sich bringt. Daher sollte ein Fachmann im Vorfeld dabei helfen, die Verankerungen für die Kletterhilfen richtig zu bemessen. Nur so sei die Standsicherheit der Gesamtkonstruktion, einschließlich der Begrünung, gewährleistet. Kletterpflanzen könnten zudem enorm wachsen. Deshalb müsse eine Bepflanzung regelmäßig geschnitten und gepflegt werden.

«Und bevor man eine Fassade begrünt, muss die Wand von ihrer Konstruktion auf Tauglichkeit hin untersucht werden», sagt Dietmar Kallinich, Sachverständiger für Fassaden und Außenkonstruktionen aus Hamburg. Denn nicht jede massive, glatte Wand könne die enormen Lasten durch das Grün tragen. Vorsicht geboten sei beispielsweise bei selbstklimmenden Pflanzen und Putzfassaden mit marodem Putz. Probleme mit der Tragfähigkeit könnten aber auch moderne Fassaden mit Wärmedämmverbundputzsystem haben. Haftwurzeln beispielsweise von Efeu hinterließen zudem auf der Fassade immer Spuren, die oft nur mühsam wieder entfernt werden können. Begrünung ersetzt keine Sanierung Eine Fassadenbegrünung wird gelegentlich auch als «Reparaturmaßnahme» für defekte und unansehnliche Wände benutzt. Doch gerade hier sollten Hausbesitzer vorsichtig sein, warnt der Sachverständige Dietmar Kallinich aus Hamburg. Denn durch eine Begrünung werde ein Schaden lediglich oberflächlich überdeckt. Die Sanierung komme dann später durch Folgeschäden, die die Bepflanzung herbeiführt, zwei- bis dreimal teurer. Von Stephanie Hoenig, dpa

dpa-infocom


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