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Musik

92-jährige Vera Lynn auf Platz eins der Charts

London In der Hölle des Krieges gab sie den Soldaten Mut. Für viele Kämpfer war Vera Lynns Gesang die letzte Frauenstimme, die sie hörten, bevor sie im Kampf gegen Nazi-Deutschland getötet wurden. Die britische Sängerin war «The Forces Sweetheart» - der Liebling der Truppe.

70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs gelang der mittlerweile 92-Jährigen ein unerwartetes Comeback: Trotz der Konkurrenz der Beatles schaffte Lynn es mit ihrer Platte «We'll Meet Again - The Very Best of Vera Lynn» auf Platz eins der britischen Hitparade. Damit ist die Britin die älteste Sängerin mit einem Nummer-Eins-Album.

Zu Lynns prominentesten Fans zählte damals sicherlich Winston Churchill, der als Premierminister Großbritannien durch den Krieg führte. Aber es waren die namenlosen Soldaten, die Trost, Hoffnung und vielleicht auch Kampfeswillen aus Lynns Liedern schöpften. Wer von den Soldaten wollte, konnte in der Stimme der Sängerin seine Frau oder Freundin wiedererkennen, die zu Hause auf ihn wartete.

Die Texte ihrer Lieder mögen heute kitschig erscheinen. Doch für die Soldaten, den Tod stets vor Augen, klangen sie wie ein warmes Versprechen: «Wir werden uns wiedertreffen, ich weiß nicht wo, ich weiß nicht wann, aber ich weiß, wir werden uns an einem sonnigen Tage wiedertreffen.»

Auch wenn ihr Album zum 70. Jahrestag des Kriegsbeginns veröffentlicht wurde, hätte Lynn niemals mit einem solchen Erfolg gerechnet. «Ich bin äußerst überrascht und erfreut. Ein großes Dankeschön an alle Fans, die mich dorthin gebracht haben», sagte die Sängerin. Allerdings habe sie keine Pläne, noch einmal neue Lieder aufzunehmen.

Ihre Glanzzeit hatte Lynn während des Zweiten Weltkriegs, aber auch in den 50er Jahren blieben ihre Lieder weiter populär. Ihr Hit «Auf Wiedersehn Sweetheart» brachten ihr auch Ruhm in den USA. Ihren letzten größeren öffentlichen Auftritt hatte Lynn 1995, als sie zum 50. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland vor dem Buckingham Palast sang. Bevor ihre «Very best»-Platte in die Läden kam, war sie niemals mit einem Album auf Platz eins der Hitparaden gelandet.

Doch diesmal schaffte es die 92-Jährige sogar ohne große Werbekampagne. Ihr Hit «We'll Meet Again» wurde zudem über eine halbe Million mal auf dem Internet-Portal Youtube angeklickt. Das Lied kommt ohne aufwendiges Video auf. Die Musik, die so viel Zuversicht auf eine bessere Zukunft transportiert, wird einfach mit Fotos unterlegt. Dabei könnte der Kontrast zwischen Optik und Akustik kaum größer sein. Zur getragenen Musik erscheinen Bilder von Soldaten in Schützengräben, in Landungsbooten oder hinter Stacheldraht.

Musikexperten zeigen sich vom Erfolg überrascht, zumal die Konkurrenz im Kampf um Platz eins kaum größer hätte sein können: In der vergangenen Woche kamen nämlich auch die Alben der Beatles in einer neuen digitalen Überarbeitung in die Läden. Und die «Fab Four» belegten unter anderem die Plätze 5, 6, 9 und 10.

Die Musikladen-Kette HMV gab allerdings zu bedenken, dass die Alben der Beatles erst am vergangenen Mittwoch und damit nicht die ganze zurückliegende Woche zum Verkauf standen. «Außerdem haben sich die Käufer auf die verschiedenen Alben verteilt», sagte HMV-Sprecher Gennaro Castaldo. Das habe den Weg an die Spitze für Vera Lynn freigemacht. «Es ist wirklich eine liebenswerte Überraschung, die sich noch vor wenigen Wochen niemand vorstellen konnte. Und es ist schon fast eine Ironie, dass ein britisches Idol die historische Rückkehr eines anderen Idols an die Spitze der Hitparade blockiert hat.»

dpa-infocom