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Frisch aus der Klosterwand: Weinreise durch Navarra

Olite Der Wein ist kühl, fruchtig und leicht. Dafür, dass er nichts kostet, schmeckt er überraschend gut.

An der «Bodega Irache» in Nordspanien darf sich jedermann am Weinbrunnen «Fuente del Vino» laben.

Einfach den Edelstahlhahn, der aus dem alten Gemäuer des früheren Klosterweingutes ragt, aufdrehen, und schon sprudelt der Rotwein. In der Wandersaison sollen pro Monat bis zu 2000 Liter Wein durch den Hahn fließen - die Bodega liegt am historischen Jakobsweg, und dessen Teil, der durch Navarra führt, galt bereits unter Pilgern im 12. Jahrhundert als ein «Land des guten Brotes und guten Weines».

Vor den Toren des Städtchens Estella kreuzen sich zwei Routen, auf denen man unterschiedliche Eindrücke bekommt: der alte Jakobs-Pilgerweg und die noch junge Navarra-Weinroute. In Spanien sind die Tropfen aus der Region sehr bekannt, und bei der Hochzeit von Kronprinz Felipe mit Letizia Ortiz wurde ein Navarra-Wein gereicht. Der Chardonnay «Colecciòn 125» stammte aus einer der ältesten Kellereien Navarras, den «Bodegas Julian Chivite». Die Familie Chivite verwandelt seit 1647 Most in Wein und kann nun die Nachfrage nach dem «Hochzeits-Chardonnay» kaum befriedigen.

Von den mehr als 120 großen Bodegas in Navarra können mehr als 20 an der «Ruta del Vino» besichtigt werden. Die meisten sind in der Umgebung von Olite zu finden. In der «Bodega Ochoa» - einem Betrieb, der pro Jahr knapp eine Million Flaschen produziert - hat eine junge Frau das Sagen: «Ja, der Trend ist eindeutig. Etwa 50 Prozent der Weinmacher in Navarra sind inzwischen Frauen», sagt Adriana Ochoa, die in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist. Weißweine hätten eine Seele, Rotweine eine Persönlichkeit, die es zu entdecken gelte. Möglicherweise seien Frauen da besonders talentiert.

«Frauen stellen andere Weine her als Männer», heißt es auch in der «Bodega Tandem». Hier haben sich eine Frau und ein Mann mit dem Ziel zusammengetan, elegante und vielschichtige Rot- und Roséweine zu produzieren. Er kümmert sich um Marketing und Finanzen, Sie um den Wein. Allerdings hat diese Bodega wie viele andere kaum Nostalgie zu bieten. Nicht nur die Architektur, auch die Kellereitechnik ist modern: Stahl, Computer, Zement und Beton, alles ist hell und blitzblank. Der Weinliebhaber besichtigt keine versteckten Gewölbe, in denen von Patina verkrustete Weinflaschen ruhen, sondern kühle, moderne und nüchterne Gebäude.

Für die romantischen Momente einer Navarra-Reise ist Olite selbst da, 40 Kilometer südlich von Pamplona gelegen. Keine 4000 Einwohner leben in dem Ort, der einst Sitz der Könige von Navarra war. Noch heute überragt der «Palacio Real» die Stadt. Mit seinen Türmchen und Erkern wirkt er wie die vergrößerte Ausgabe einer Spielzeugburg.

Auch in Olite gibt es eine Weinkellerei. Die Einwohner versorgen sich in der «Bodega Vega del Castillo» vor allem mit Tischwein - und zwar über eine Anlage, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit einer Tank-Zapfsäule aufweist. Man wählt die Sorte, stellt die Menge ein und füllt per Zapfpistole den gewünschten Wein in den mitgebrachten Kanister. Ein Liter Rosado kostet genau einen Euro, ein Liter Rotwein der Rebsorte Tempranillo 1,15 Euro - deutlich weniger als Benzin.

Informationen beim Spanischen Fremdenverkehrsamt, Telefon: 069/72 50 38, für Broschüren: 06123/991 34.

Reisen in Navarra: www.turismo.navarra.es/deu/home

Urlaub in Spanien: www.spain. info Navarra Anreise: Lufthansa fliegt von mehreren Flughäfen in Deutschland regelmäßig nach Bilbao. Von dort sind es etwa zwei Stunden mit dem Mietwagen nach Pamplona, der Hauptstadt Navarras. Alternativen für die Anreise sind Air Berlin (von mehreren deutschen Flughäfen mit Umsteigen auf Mallorca nach Bilbao) und Iberia (von Flughäfen in Deutschland mit Umsteigen in Madrid nach Pamplona). Die Autofahrt von Pamplona in Richtung Süden nach Olite dauert etwa eine halbe Stunde. Von Georg Alexander, dpa

dpa-infocom