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Premiere

Schlechter Einfluss ist Dorian Grays Verderben

Koblenz Ein Saisonstart nach Maß: Das Konradhaus unterhält mit einer Bearbeitung von Oscar Wildes "Das Bildnis des Dorian Gray" mit einer sehr guten Ensembleleistung und einer gelungenen Inszenierung.

"Das Geheimnis Ihrer Jugend, ich muss es wissen" - ist es ein Segen oder ein Fluch? Mit dieser Frage eröffnete das Konradhaus seine Spielzeit - und zeigte eine Uraufführung. Ingrid Sehorsch schrieb und inszenierte eine Bühnenbearbeitung von Oscar Wildes Roman "Das Bildnis des Dorian Gray". Sie zeigt eine zeitgenössische Interpretation des Romans als Kriminalstück, welches einen Täter zeichnet, der sich nicht mit sich und seiner eigenen Seele auseinandersetzt und damit fatale Folgen für sein Selbst und die Menschen in seiner Umgebung verursacht.

Im Vorspiel werden die Zuschauer im Garten des Konradhauses Zeuge der dramatischen Schlussszene des Romans: Dorian Gray, bekannt für seine ewige Jugend, stürzt als gealterter Mann sterbend auf Lady Narboroughs Kaffeetisch. Keine 15 Minuten später befindet sich das begeisterte Premierenpublikum im ausverkauften Theaterhaus und begleitet die Aufklärung des rätselhaften Falls.

Annika Woyda gibt eine abgebrühte Inspektorin in Lederjacke, ganz in Fernsehmanier, welche hauptsächlich die einzige Zeugin im Stück vernimmt: Lady Narborough, von Margot Hoffmann-Sigg als eine in sich ruhende englische alte Dame dargestellt.

In präziser Licht- und Regiearbeit wechselt das Bühnenspiel von diesem Kammerspiel, welches die Gegenwart repräsentiert, zum weiteren Bühnengeschehen, welches die Zeit vor dem Tod des Unbekannten darstellt. Regisseurin Sehorsch findet dabei schöne Ideen zur Raumausnutzung der Gegebenheiten des Konradhauses. Dorian Gray durchläuft eine Entwicklung vom naiven, traumhaft schönen Jüngling zum äußerlich jung und schön bleibenden, aber innerlich immer hässlicher werdenden und ausgebrannten Mann. Der junge gebürtige Koblenzer Serjoscha C. Thiel zeigt in der Titelrolle facettenreiches Spiel. Anstatt Gray altert mit den Jahren und mit jeder schlechten Tat eine Fotografie, welche Basil Hallward (Robert Agnello) einst von ihm anfertigte. Diesen Spiegel seiner Seele offenbart Gray nach Jahren Hallward, in einer von Thiel und Agnello ekstatisch gespielten Szene, um seinen Freund danach zu töten.

Lord Henry Wotton, von Mario Specht gekonnt als klugen und zynischen Mann gegeben, dessen Figurenrede ein wahrer Genuss ist, beeinflusst Gray - und wie er selbst zu Anfang bemerkt, gibt es "nie guten, nur schlechten Einfluss", da er die Selbstentfaltung verhindere. Gray durchlebt genau diesen Fehler, denn er lässt sich allein von außen und von Idealen wie ewiger Jugend und blindem Nacheifern statt von seinem eigenen Wesen prägen. Das bekannte dramatische Ende schließt in einem Bühnenblitzgewitter den Bogen zum Vorspiel: Dorian Gray zerstört sein Bildnis. (Andrea C. Junglas)

Karten: Tel. 0261/973 05 51

RZO