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Schumacher bestreitet Vorwürfe: Bin nicht käuflich

München - Der frühere Infineon-Chef Ulrich Schumacher hat am Montag vor dem Landgericht München Korruptionsvorwürfe von sich gewiesen.

«Ich war und bin nicht käuflich», sagte Schumacher zum Auftakt des Korruptionsprozesses vor der 5. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-jährigen Manager vor, in den Jahren 2000 bis 2003 Geld von dem damaligen Sponsorenvermittler Udo Schneider angenommen zu haben, um damit an privaten Autorennen teilzunehmen. Schumacher muss sich wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und Steuerhinterziehung in jeweils acht Fällen sowie wegen Untreue und versuchten Betrugs in jeweils einem Fall verantworten.

In einer Erklärung zum Prozessauftakt räumte Schumacher zwar eine Reihe von Fehlern in seiner Zeit als Vorstandschef des Dax-Konzerns ein. So seien Infineon einmal wegen eines privaten Flugs nach Saarbrücken Mehrkosten entstanden. Der «dümmste Fehler» sei aber gewesen, sein privates Hobby Rennsport mit Firmenangelegenheiten zu verquicken.

Schneider, der Zahlungen eingeräumt hatte und dafür 2006 zu vier Jahren Haft verurteilt worden war, sei früher ein enger Freund von ihm gewesen, sagte Schumacher. Er habe den einstigen Geschäftspartner auch finanziell unterstützt und ihm beispielsweise für seine Verteidigung vor Gericht ein Darlehen über 400 000 Euro gewährt. Schneiders Anwälte hätten später aber weiteres Geld gefordert und dabei durchblicken lassen, dass ihr Mandant andernfalls sein «Aussageverhalten ändern» und ihn belasten könnte. Das habe er als «eindeutige Erpressung» gewertet und schließlich abgelehnt, sagte Schumacher.

Alleine im Jahr 2003 will Schneider dem früheren Infineon-Chef rund 300 000 Dollar zugesteckt haben, was Schumacher aber von sich weist: «Seine Aussagen sind durch und durch falsch.» Zwar hätten er und Schneider sich gegenseitig Autos verkauft, gemeinsam Geld in Oldtimer investiert und sich an Reparaturkosten beteiligt. Es bleibe aber dabei: «Ich habe niemals Bestechungsgelder entgegengenommen und verlangt.»

In Zeiten des Börsenbooms galt Schumacher als einer der Stars der Hightech-Branche. Vor allem die Bilder vom Infineon-Börsengang im Jahr 2000, als Schumacher mit dem Rennwagen an der Wall Street vorfuhr, sind in Erinnerung geblieben. «Dass viele Menschen ein nicht allzu positives Bild von mir haben, ist mir bewusst», sagte der Angeklagte. Die Außenwirkung habe er seinerzeit unterschätzt, heute würde er Vieles anders machen.

Für den Prozess sind zunächst 15 Verhandlungstage angesetzt, vorsorglich hat die Kammer aber noch einmal so viele Termine bis in den Januar hinein eingeplant. Schumacher hatte den Chefposten bei Infineon nach Querelen in der Führungsetage vor fünfeinhalb Jahren geräumt, mittlerweile leitet er den chinesischen Chip- Auftragsfertiger Grace Semiconductor. Der Prozess wird an diesem Mittwoch (16. September) fortgesetzt. Am Donnerstag will das Gericht dann Schneider als Zeugen hören.

dpa-infocom