pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Wirtschaft     » Börse     » Fonds

Europa streitet um Opel - Stellenabbau

Frankfurt/Main - Europa streitet über die Lasten der Opel- Sanierung: Besonders Belgien ist aufgebracht, weil das Werk in Antwerpen als einziger Standort in Europa auf der Streichliste der designierten Opel-Eigentümer Magna und Sberbank steht.

Die EU-Kommission muss prüfen, ob die von der Bundesregierung angekündigten Milliarden-Hilfen für den deutschen Autobauer gegen EU-Recht verstoßen.

Unterdessen bestätigte Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf in Frankfurt, dass in Deutschland mehr als 4000 der rund 25 000 Stellen bei Opel wegfallen werden.

Die Bundesregierung machte am Montag deutlich, dass sie bei den Staatshilfen für Opel und Magna keine Schwierigkeiten mit der EU- Kommission erwartet. Die Maßnahmen erfolgten im Rahmen des von Brüssel bereits gebilligten Kredit- und Bürgschaftsfonds gegen die Wirtschaftskrise, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Eine Einzelfallprüfung sei nicht nötig. Hingegen betonte die EU- Kommission, sie werde die Hilfen genau prüfen, sobald detaillierte Informationen aus Deutschland vorliegen. Das werde erst in den nächsten Wochen der Fall sein.

Für Dienstag lud die Regierung Vertreter anderer europäischer Opel-Länder zu einem Treffen ein. Dabei soll es um die Kostenanteile bei den Staatshilfen und Krediten für Magna/Opel von 4,5 Milliarden Euro gehen. Die EU-Partner fürchten, dass ihre Standorte gegenüber den deutschen Werken benachteiligt werden könnten.

Wolf wehrte sich gegen Kritik, Zahlen über den geplanten Stellenabbau in Deutschland verschwiegen zu haben. «Wir haben in unserem Konzept von der Stunde Null an immer von 10 500 Stellen in Europa gesprochen, davon sind stark 4000 Stellen in Deutschland betroffen», sagte er. Diese Zahlen seien seit dem Einreichen des Konzepts für NewOpel Ende Mai bekannt.

Aus Sicht der Bundesregierung ist allerdings noch offen, wie der geplante Abbau von 1500 Stellen in der Opel-Verwaltung europaweit verteilt wird. Die Zusage von Magna, dass die vier deutschen Werke Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern erhalten bleiben, habe aber Bestand.

Im Zuge der Übernahme durch Magna und die russische Sberbank solle nur ein Werk geschlossen werden, nämlich der Standort im belgischen Antwerpen mit zuletzt 2580 Mitarbeitern, sagte Wolf. Er sicherte aber zu, Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu prüfen: «Ich habe signalisiert, dass wir alles unternehmen werden, und vielleicht ergibt sich im Bereich von Auftragsfertigung eine Möglichkeit. Wir werden das sehr genau prüfen und jede Unterstützung anbieten.»

Dennoch wächst in Belgien die Kritik am deutschen Vorgehen bei der Rettung von Opel. «Es ist wichtig, dass die europäischen Regeln auch im Fall Opel eingehalten werden und dass man auf Basis von wirtschaftlichen und nicht politischen Argumenten entscheidet», sagte der belgische Außenminister Yves Leterme in Brüssel. Der Minister betonte mit Blick auf die geplanten Staatshilfen für Opel/Magna: «Wenn man der wirtschaftlichen Logik folgen würde, dann hätte der Standort Antwerpen noch alle Chancen.» In der belgischen Hafenstadt wird der Opel Astra produziert.

Für Wirbel sorgten Aussagen des Ländervertreters Dirk Pfeil in der Opel-Treuhand. Magna, der Bund und das Land Hessen wiesen dessen Angaben zurück, wonach rund 600 Millionen Euro der deutschen Hilfen nach Russland fließen sollten. Hessens Finanzstaatssekretär Thomas Schäfer sagte, Pfeil habe nur die vom Investor Magna geplante Bruttoinvestitionssumme in Russland für die kommenden fünf Jahre genannt, ohne die dort geplanten Einnahmen gegenzurechnen.

Den 570 Millionen Euro Investitionen stünden 400 Millionen Euro an Einnahmen aus dem russischen Markt gegenüber. Als Saldo blieben 170 Millionen Euro, die 2010/2011 anfallen könnten. Über Sicherheiten für diese Summe gebe es Verhandlungen mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und der russischen Seite, erklärte Schäfer, der Mitglied der Opel-Task-Force von Bund und Ländern ist. Das Geld ist nach den Worten Wolfs der letzte Teil einer Investition für das von der bisherigen Opel-Mutter General Motors (GM) in Sankt Petersburg gebaute Werk. «Bis dort Geld verdient wird, werden jetzt 170 Millionen verwendet, um die angefangene Investitionen fertigzumachen. Und dann trägt sich das selber.»

Magna und Sberbank wollen 500 Millionen Euro in das neue Unternehmen einbringen. Bis 2015 solle jedes Jahr knapp eine Milliarde Euro in das neue Unternehmen investiert werden. Wolf betonte, dass die neue Opel-Gesellschaft ihre Schulden bis dahin zurückgezahlt haben möchte. Der Magna-Geschäftsplan sieht bereits für 2011 «ein deutlich positives operatives Ergebnis» vor.

Die Investoren bauen bei der geplanten Erhöhung der Absatzzahlen von zuletzt 1,5 Millionen auf 2,0 Millionen Autos vor allem auf den russischen Markt. Hingegen verwehrt GM NewOpel weiter den Zugang in die USA und nach Korea. Zudem dürften in den kommenden fünf Jahren weder der Opel Insignia noch der Astra in China verkauft werden, in Kanada gelte die Beschränkung zwei Jahre lang. Wolf: «Ansonsten ist die ganze Welt unser Markt, und Russland ist der erste Schritt.»

dpa-infocom