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Toyota Prius: Ein Star mit weißer Weste

Hamburg Wer hat's erfunden? Diese Frage muss man vielleicht bei einem Schweizer Kräuterbonbon stellen - aber nicht beim Hybridantrieb. Denn seit Toyota vor zwölf Jahren mit dem Prius in Serie ging, haben die Japaner über 1,2 Millionen Doppelherz-Modelle verkauft.

Dritte Auflage geht an den Start

Damit hat sich der Autobauer rund 80 Prozent des Weltmarktes gesichert. Während viele Unternehmen erst jetzt Fahrzeuge mit der Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor auf den Weg bringen, geht bei Toyota schon die dritte Auflage des sparsamen Stars an den Start. Genügsamer denn je und trotzdem ein (beinahe) ganz gewöhnliches Auto besteht er den Spagat zwischen Nischenmodell und Massenmobil und strebt so nach einem noch größeren Kundenkreis. Nicht umsonst wurden in Japan in einem Monat 180 000 Prius-Modelle verkauft.

Mit dem Wind geformt

Trotzdem kann man dem Prius seine Exklusivität noch immer auf den ersten Blick ansehen. Wo sich Sportwagen mit Spoilern und Schwellern schmücken und Luxuslimousinen ihr Chrom-Ornat tragen, lebt der Japaner das Ideal der Aerodynamiker. Weil rund 30 Prozent des Einsparpotenzials auf Kosten der Karosserie gehen, erinnert der Prius an eine waagrecht halbierte Träne auf Rädern. Das sieht zwar ungewöhnlich aus, schmälert den Kofferraum und macht den Wagen beim Rangieren ziemlich unübersichtlich. Doch diese Form bietet dem Wind den wenigsten Widerstand. Und obendrein garantiert sie einen hohen Widererkennungswert, der den Prius zum Liebling der Stars macht.

Zwei Motoren bringen den Prius in Fahrt

Den größten Sparbeitrag leistet trotzdem der Antrieb, für den Toyota wie schon in den Generationen davor einen Benziner mit einem Elektromotor kombiniert. Allerdings wächst der Verbrenner um 0,3 auf 1,8 Liter Hubraum und hat jetzt 99 statt 81 PS, und auch der Stromer wird stärker. Zusammen erreichen die beiden Motoren deshalb künftig 136 PS, die dem Prius sichtlich gut tun. Natürlich wird so aus dem Sparbrötchen noch immer kein Spaßauto. Doch immerhin beschleunigt er nun in 10,4 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 180 km/h.

Der Blick gilt der Tankuhr, nicht dem Tacho

Mit Rundenzeiten kann man im Prius freilich niemanden beeindrucken. Doch dafür punktet der Japaner mit Reichweite und Effizienz. Schon im Normzyklus ist er nun mit 3,9 Litern zufrieden und deshalb noch zehn Prozent sparsamer als der Vorgänger. Und wer es darauf anlegt und sich viel, viel Zeit lässt, kann den Wagen auch mit 2,5 Litern oder weniger fahren. Dann reicht der 45 Liter-Tank für fast 2000 Kilometer, und der CO2-Ausstoß sinkt noch weit unter den konkurrenzlosen Normwert von 89 g/km. Immerhin drei Kilometer schafft der Prius sogar lautlos und schadstofffrei mit seinem Akkustrom.

Fahrprogramme als Zusatzsparer

Um den Fahrer beim Sparen zu unterstützen, gibt es drei Fahrprogramme, mit denen man das Temperament des Prius ein wenig kontrollieren kann, sowie einen virtuellen Spritspartrainer. Im serienmäßigen Head-up-Display oder auf dem Monitor über dem Mitteltunnel zeigen Diagramme an, wie effizient man gerade unterwegs ist. Wer sich daran hält, so versprechen die Ingenieure, der spart noch einmal 10 bis 15 Prozent.

Tristes Innenleben und Flair

So ungewöhnlich der Prius unter dem Blech ist, so gewöhnlich geht es hinter den Türen zu. Zwar bietet der Wagen dank dünnerer Sitze nun bei unverändertem Format mehr Platz, und mit der kleineren Batterie wächst der Kofferraum um 30 auf 445 Liter. Doch fehlt es dem Interieur an Flair und Farbe. Die Kunststoffe sind grau und trist, die hochgesetzte Mittelkonsole, die eigentlich stilvoll durchs Cockpit fließen sollte, ist eher hinderlich als hübsch, und der blaue Knauf auf dem Schaltstummel ist als Blickfang einfach zu wenig.

Gefangen zwischen Ober- und Mittelklasse

Schwierig ist die Positionierung des Prius. Mit 4,46 Metern Länge und einer ungewöhnlichen Liste teilweise aufpreispflichtiger Hightech-Extras vom Head-up-Display über den Parkroboter bis zum LED-Scheinwerfer gehört er eigentlich in die Mittelklasse. Doch Platzangebot und Fahrleistungen rücken ihn in die Nähe von Kompaktmodellen. Diesen Zwiespalt spiegelt auch der Preis, der bei 24 950 Euro beginnt. Ihn haben die Japaner nominal um rund 600 und mit der besseren Ausstattung um mehr als 2000 Euro gesenkt. Doch gibt es einen sparsamen Diesel trotzdem billiger, und auch der ebenfalls mit Hybridtechnik ausgestattete Honda Insight kostet 5000 Euro weniger - wenngleich seine Kraft nicht für reinen E-Betrieb reicht.

Fazit: Der Prius weckt den Spaß am Sparen

Trotz allem ist der Prius ein faszinierendes Auto, das einen vernünftigen Weg in die Zukunft weist, nur noch wenige Kompromisse erfordert und vor allem den Spaß am Sparen weckt. Und wer so eine komplexe Antriebstechnologie in den Griff bekommt, baut irgendwann vielleicht auch noch ein pfiffiges Interieur.

Datenblatt: Toyota Prius
Motor und Antrieb: Hybrid-Antrieb
Verbrenner: Reihenvierzylinder-Benziner
Hubraum: 1798 ccm
Max. Leistung: 73 kW/99 PS bei 5200 U/min
Max. Drehmoment: 142 Nm bei 4000 U/min
Elektromotor: Synchronläufer mit Permanentmagnet
Max. Leistung: 60 kW/82 PS
Max. Drehmoment: 207 Nm
Systemleistung: 100 kW/136 PS
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Stufenlose Automatik
Maße und Gewichte:
Länge: 4460 mm
Breite: 1745 mm
Höhe: 1490 mm
Radstand: 2700 mm
Leergewicht: 1370 kg
Zuladung: 435 kg
Kofferraumvolumen: 445 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,5 s
Durchschnittsverbrauch: 3,9 Liter/100 km
Reichweite: 1150 km
CO2-Emission: 89 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: EU5
Kosten:
Basispreis der Modellreihe: 24 950 Euro
Grundpreis des Prius Life: 26 250 Euro
Typklassen: KH 17/VK 19/TK 16
Kfz-Steuer pro Jahr: 36 Euro/Jahr
alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: ESP, Front-, Seiten-, Vorhang-Airbags, Knie-Airbag auf der Fahrerseite
Komfort: Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Head-Up-Display

dpa-infocom


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