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Spielekonsole iPhone: Handyspiele nehmen Fahrt auf

Köln Auf den ersten Blick sind sie in den Hallen der Gamescom nicht zu sehen: Dort sorgen andere Titel für Krach und buntes Flackern auf den riesigen Bildschirmen.

Trotzdem sind sie bei der Videospielemesse in Köln (20. bis 23. August) mit von der Partie - und zwar mehr denn je: Handyspiele haben richtig Fahrt aufgenommen. Dass sie nach jahrelangem Dümpeln am Rande der Bedeutungslosigkeit jetzt immer wichtiger werden, haben sie in erster Linie einem zu verdanken: Apples iPhone.

Zwei wichtige Wachstumsbereiche gebe es derzeit in der Welt der Videospiele, ließen die Marktbeobachter von A.T. Kearney vor der Gamescom verlauten: das Online-Segment und «Mobile Gaming», womit nicht das Daddeln auf tragbaren Konsolen gemeint ist, sondern auf Handys und Smartphones. «Angeheizt wird das Wachstum vor allem von neuen Geräten - hier ist das iPhone Trendsetter - und den neuen Online-Marktplätzen, den sogenannten App-Stores», sagte Florian Dickgreber, Spiele-Experte bei dem Unternehmen in Düsseldorf.

Die Titel kommen zum einen von kleinen Anbietern und aus der Casual-Ecke, haben also Gelegenheitsspieler als Zielgruppe. Da ist etwa der 2008 gegründete Publisher Games Campus Cologne. Er bietet den Fitness-Titel «Personal Trainer» für das iPhone an. Dabei können Kunden morgens an der Bushaltestelle das Smartphone zücken und nachsehen, was der «Vier-Wochen-Plan» gegen überschüssige Pfunde für den Tag vorsieht.

Aber auch große und bekannte Anbieter sind mit von der Partie: «Electronic Arts und Sega haben sehr erfolgreiche Titel für das iPhone auf den Markt gebracht», sagt Olaf Wolters vom Spiele-Branchenverband BIU in Berlin. Während Sega zum Beispiel mit «Super Monkey Ball» am Start ist, will Electronic Arts (EA) mit «Die Sims 3», der Golf-Simulation «Tiger Woods PGA Tour 10» oder auch einer Umsetzung des Brettspiels «Cluedo» punkten.

Nicht zuletzt EA bietet schon seit längerem Spiele für Handys an - darunter sind Umsetzungen durchaus hochkarätiger Titel aus dem Sortiment der PC- und Konsolenspiele. Da fragt sich doch, warum nicht auch sie zu Hits wurden. Schließlich waren sie mit Preisen von in aller Regel maximal fünf Euro nicht teuer - und Zeit an der Haltestelle totzuschlagen hatten Handybesitzer auch schon damals.

Zwei Gründe sieht Heiko Gogolin von der Videospielezeitschrift «GEE» dafür: Zum einen hätten es sich etliche Anbieter mit potenziellen Kunden verscherzt, indem sie Spiele für Handys zu ähnlichen Bedingungen angeboten haben wie Klingeltöne - also etwa im Rahmen von Abos. «Da waren die Leute misstrauisch.»

Und das klassische Handy sei schlichtweg nicht so geeignet zum Spielen. Schließlich wurden die Tasten nicht für Daddler konzipiert. Zudem setzten die teilweise winzigen Bildschirme der grafischen Darstellung enge Grenzen. Und welcher Spieler hat schon Adleraugen?

Hinzu kommt: Wer bisher ein Handyspiel entwickeln und es nicht nur für Modelle einer ganz bestimmten Marke anbieten wollte, musste es an die verschiedensten Plattformen anpassen - im Fachjargon heißt das portieren. «Und sowohl die Hard- als auch die Softwarevoraussetzungen haben sich ständig geändert», sagt Olaf Wolters.

Jetzt besteht mit dem iPhone eine erfolgreiche und auf absehbare Zeit stabile Basis. «Das ist genau das, was die Entwickler brauchen», sagt Wolters. Die Spieler finden diese Basis mit Apples App-Store: Nur dort und nicht mehr bei Anbietern, deren Geschäftsmodelle man im Zweifel nicht kennt, werden iPhone-Titel heruntergeladen. Bei allen Bedenken, die Konsumenten angesichts eines solchen Monopols haben können, sagt Heiko Gogolin: «Das System ist zentral und einfach.»

Sind die Spiele erst auf dem iPhone - oder dem iPod Touch, für den sie meist auch angeboten werden -, sind viele bisherige Einschränkungen flugs vergessen: «Das Steuern funktioniert auf dem Touchscreen viel besser als mit Tasten, die zum Telefonieren da sind», sagt Gogolin. Ein weiteres Plus ist der eingebaute Bewegungssensor - er ermöglicht das Steuern, indem Spieler das Gerät neigen.

«Der Sensor stellt spezielle Anforderungen, und deshalb gibt es viele Titel exklusiv für das iPhone», erläutert Olaf Wolters vom BIU. Das heißt aber nicht, dass Besitzer von Nokia- oder auch Samsung-Smartphones auf die Daddelei zwischendurch verzichten müssen. Auch für sie gibt es Spiele in jeweils eigenen Portierungen. Von Florian Oertel, dpa

dpa-infocom



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