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Ernährung als Problem: Nahrungsmittelallergien nehmen zu

Hohenheim/Wiesbaden Ob der Kindergeburtstag oder ein Abendessen unter Freunden: Immer öfter müssen die Gastgeber erst Erkundungen einholen, ob auch alle Gäste die geplanten Speisen essen dürfen.

«Die Nahrungsmittelallergien nehmen zu, wie alle anderen Allergien auch», bestätigt Stephan Bischoff, Professor am Institut für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim. Der eine verträgt keine Milch, der andere reagiert auf Soja. «Bei erblicher Allergiebereitschaft wehrt sich der Körper gegen diese Lebensmittel mit bestimmten Antikörpern, den Immunglobulinen der Klasse E», erklärt der Allergologe Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma Zentrum Westend in Berlin. Die Folge sind körperliche Reaktionen wie juckende Quaddeln, starkes Kratzen im Hals, Übelkeit bis hin zu Erbrechen. In schweren Fällen kommt es zu Asthma-Attacken oder sogar zum lebensbedrohlichen, allergischen Schock.

Eine Allergie zeigt sich dabei nicht von heute auf morgen: «Es beginnt in der Regel mit einzelnen Lebensmitteln und leichten Symptomen und wird im Laufe der Zeit immer stärker», erklärt Prof. Ludger Klimek vom Zentrum für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden. Um unnötige Vermeidungshaltungen und Ängste aufzulösen, ist eine umfassende Diagnostik das A und O.

«Setzen Sie sich nicht selbst auf Diät, ohne genau zu wissen, was überhaupt los ist», sagt Bischoff. Auch Kleine-Tebbe rät: «Nur eine Allergieuntersuchung bringt wirklich Aufklärung, vielleicht handelt es sich auch um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit.» Denn für Laien sei kaum zu unterscheiden, warum der Körper reagiert. «Intoleranzreaktionen haben häufig die gleichen Symptome wie echte allergische Reaktionen», sagt Klimek. So kann eine Milchzuckerunverträglichkeit, unter der in Deutschland rund zehn Prozent der Bevölkerung leiden, typische Allergiesymptome wie Durchfall, Nesselsucht oder Blähungen hervorrufen. «Auch ein Reizdarm ist denkbar, wenn häufig Durchfall und Unterbauchschmerzen auftreten», ergänzt Bischoff.

Was genau vorliegt, klärt das Gespräch mit dem Arzt und ein Allergietest. «Per Blut- oder Hauttest wird ermittelt, auf welche Lebensmittel das Immunsystem reagiert», erläutert Kleine-Tebbe. Alle Experten raten zum IgE- oder Pricktest. Ein sogenannter IgG-Test mit vielen hundert Nahrungsmitteln, wie er von manchen Laboren angeboten wird, sorgt dagegen nicht für Klarheit. «Die auf diese Weise im Blut nachgewiesenen Antikörper gegen bestimmte Lebensmittel beweisen keine Krankheit oder Gesundheitsstörung. Sie gehören zur normalen Reaktion des Immunsystems», warnt Kleine-Tebbe. Auch Bischoff sagt, dass in diesen Tests immer ein positives Ergebnis entstehe. «Jeder gesunde Mensch hat Antikörper im Blut.»

Ist die Allergie klar benannt, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Bei einer Kreuzallergie, zum Beispiel der Kombination aus Birkenpollen und Steinobst, kann eine Hyposensibilisierung helfen: «In etwa 50 Prozent der Fälle tritt durch diese Therapie eine Besserung der Beschwerden ein», sagt Klimek. Bei Allergien etwa gegen Milch, Fisch, Soja oder Eier empfehlen alle Experten den konsequenten Verzicht. «Das ist ganz wichtig, damit sich der Körper erholen kann», betont Klimek. Die Selbstdiagnose fällt zu schnell Sind die Bauchschmerzen nach dem Eis ein Zeichen für die Laktoseintoleranz? Der Kopfschmerz nach dem Rotwein ein Hinweis auf die Histamin-Unverträglichkeit? «Jeder fünfte Deutsche glaubt heute, irgendetwas nicht zu vertragen», beklagt der Allergologe Jörg Kleine-Tebbe aus Berlin. Schuld seien zu rasche Selbstdiagnosen und Fehlinformation: Wenn der Bauch schmerzt, der Kopf brummt oder es irgendwo kribbelt, liege nicht zwingend eine Allergie vor. Und wer in Eigenregie oder durch falsche Beratung die Ernährung umstellt, verzichtet oft völlig unnötig auf wertvolle Nahrungsmittel. Von Bettina Levecke, dpa

dpa-infocom


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