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Organspende rettet Nora das Leben

Hannover An den Sommer 2009 wird sich die zehnjährige Nora ihr Leben lang erinnern.

Während ihre Freunde die langen Ferien genießen konnten, lag sie tagelang im Krankenhaus - für eine Operation, die ihr das Leben gerettet hat.

Nora Sommer hat eine neue Leber bekommen. Das schwer kranke Mädchen aus Goslar leidet unter einer vererbten Stoffwechselkrankheit. Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kann durch akutes Leberversagen zum Tod führen. Eine gespendete Leber kann die meist jungen Betroffenen heilen. Für Nora kam die Rettung gerade rechtzeitig. «Es war wirklich Zeit», resümiert Transplantationschirurg Thomas Becker.    

Er und seine Kollegen von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hatten Nora vor fast zwei Jahren auf die Warteliste für eine Organspende gesetzt. Die MHH zählt mit ihrem Zentrum für Kinderleber-Transplantationen zu einem größten in Deutschland. Doch erst jetzt konnte ein passendes Organ gefunden werden. Fünfmal mussten die Ärzte zuvor die bereits komplett vorbereitete Operation von Nora in letzter Sekunde absagen, weil das gespendete Organ nicht zum kleinen Kinderkörper passte.

«Das geht an die Substanz. Für die Psyche war es die letzten Jahre ganz übel», sagt Mutter Astrid Sommer. Umso größer ist nun die Erleichterung. Das Mädchen hat die Operation erfolgreich überstanden. Noch ist Nora an zahlreiche Geräte angeschlossen. Graue Kästen piepen beruhigend regelmäßig, mehrere Infusionsbeutel hängen an rollbaren Ständern neben dem Krankenbett und im Fernseher läuft der Kinderkanal. Nora ist blass. Dunkle Ringe umranden ihre blau-grünen Augen. Manchmal ist ihr Blick kurz schmerzverzerrt, aber die Schmerzen lächelt sie schüchtern gleich wieder weg. Sie spricht leise und langsam. «Ich habe immer noch ein bisschen Angst. Aber ich freue mich schon darauf, dass ich bald wieder richtig spielen kann.»

Die Zehnjährige ist eines von bislang 19 Kindern, das seit Jahresbeginn in der Klinik in Hannover eine neue Leber erhalten haben. Dabei ist sie eine der älteren, die meisten Patienten sind maximal zwei Jahre alt. Nach Angaben des Organ-Vermittlungsbüros Eurotransplant wurden 2008 deutschlandweit insgesamt 917 gespendete Lebern verpflanzt. Durchschnittlich etwa zehn Prozent der Empfänger sind Kinder, sagt Zentrums-Chef Professor Ulrich Baumann von der MHH. Den Organen stehen mehr als doppelt so viele Wartende gegenüber. Eurotransplant registrierte im vergangenen Jahr 1875 Menschen auf der Warteliste für eine Leber. Einige von ihnen sterben noch vor der rettenden Operation, denn nach wie vor gibt es zu wenige Organspender. Nach einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stünden zwar über 80 Prozent der Deutschen der Organspende positiv gegenüber, doch nur 17 Prozent hätten auch einen Organspendeausweis.

Noras schwierige Operation dauert etwa drei Stunden. Vorher wurde sie medizinisch untersucht, ihr Blut getestet, ihr Körper geröntgt. «Wenn sie einen Schnupfen gehabt hätte, wäre es wieder nicht gegangen», erinnert sich der leitende Transplantations-Oberarzt Becker. Doch diesmal ging alles gut. Zwischen acht und zwölf Stunden haben die Ärzte Zeit, um das Organ nach Hannover zu holen, vorzubereiten und schließlich zu verpflanzen.

Noras Eltern ist die Anspannung auch wenige Tage der gelungenen Operation noch deutlich anzumerken. «Den Druck kann man nicht einfach ausschalten und die Angst wird auch bleiben. Aber da ist jetzt schon ein Stein runter gefallen», sagt Vater Holger Sommer und atmet tief aus. Hunderte Elternpaare konnten in den vergangenen Jahren ebenso erleichtert aufatmen: Mehr als 500 Kindern retteten die Ärzte der MHH seit 1978 das Leben durch eine Transplantation. Das soll mit einem «Tag des Lebens» gefeiert werden. Am Samstag (22. August) lädt die MHH zum «Tag des Lebens ein». Kinder warten viel zu lang auf Spenderorgane Sterbenskranke Kinder, denen mit einer Organspende geholfen werden kann, müssen in Deutschland über ein Jahr lang auf ihre lebensrettende Operation warten. «Das Gesetz schlägt eine Wartezeit von 90 Tagen vor. Die durchschnittliche Wartezeit bei Kindern, die auf der Liste für eine Lebertransplantation stehen, liegt mittlerweile bei rund 400 Tagen», sagte Professor Ulrich Baumann. «Jeder Arzt muss sich natürlich für seine Patienten einsetzen, aber ich stelle fest, dass Kinder im Moment den Kürzeren ziehen», so der Transplantations-Experte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

«Die jungen Patienten haben keine angemessene Lobby.» Kinderarzt Baumann kritisiert, dass die wenigen gespendeten Organe nicht effektiv genug genutzt werden. So lasse sich eine Leber beispielsweise zweifach nutzen. «Durch ein vermehrtes Teilen der teilbaren Organe wie der Leber könnte der Spendepool vergrößert werden, ohne dass Erwachsene auf das rettende Organ verzichten müssen.» Die erlaubte Teilung werde zu wenig praktiziert. Der Professor wünscht sich mit Blick auf die dramatische Situation vieler Kinder eine intensivere Diskussion darüber, ob eine Leberteilung verpflichtend werden soll. In Großbritannien werde diese Regel bereits erfolgreich praktiziert.

Zwar sei das mit einem Mehraufwand und auch mit möglichen Komplikationen verbunden, «aber die Erfahrung zeigt, dass in spezialisierten Zentren die Ergebnisse gut sind.» So könnten mit einem Organ zwei Leben gerettet werden. In der MHH erhalten jährlich etwa 30 Kinder eine neue Leber.

Der Wettbewerb um die wenigen Organe wird nach Angaben von Baumann zudem aufgrund der steigenden Zahl von Patienten auf den Wartelisten verschärft. Eine Transplantation helfe mittlerweile bei immer mehr Krankheiten. Da die Bereitschaft zur Organspende aber nicht zunehme, ergäben sich immer längere Wartezeiten. Auch die Lebendspende, die vor allem Kindern helfen kann, sei nicht ausreichend bekannt. Von Christiane Gläser, dpa

dpa-infocom


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