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Lug und Betrug: Formel 1 wird zur Formel Skandal

Monza Lug und Betrug: Die Formel 1 droht immer mehr zur «Formel Skandal» zu verkommen.

Kaum sind die verheerenden Auswirkungen einer Affäre einigermaßen überwunden, sorgt die Königsklasse des Motorsports mit dem nächsten Schmierentheater für neue Negativschlagzeilen.

Das sportliche Geschehen rückt im vom «Big Business» bestimmten Grand-Prix-Zirkus immer stärker in den Schatten. Jetzt erschüttert der sogenannte «Singapur-Skandal» um das Renault-Team und seinen inzwischen entlassenen Rennfahrer Nelson Piquet Jr. die PS-Szene. Egal wie der Motorsport-Weltrat am 21. September in Paris urteilt, der Fall fügt der Formel 1 weiteren irreparablen Schaden zu.

Die verfeindeten Lager um Flavio Briatore sowie Vater und Sohn Piquet heizen die brisante Angelegenheit durch Verbalattacken unter die Gürtellinie zusätzlich an. Bislang stehen Aussagen gegen Aussagen.

Der Teamchef beschimpfte seinen am 26. Juli geschassten Piloten vor dem Großen Preis von Italien in Monza als «verzogenen Jungen und labilen Charakter». Zudem unterstellte ihm Briatore gewisse, in der Motorsport-Machowelt besonders geächtete Neigungen: «Nelsinho lebte mit einem Gentleman zusammen - der Charakter ihrer Beziehung ist unbekannt. Sein Vater war über diese Beziehung zu einem 50-jährigen Mann sehr besorgt und bat mich, einzuschreiten.» Briatore und der Rennstall gehen gegen die Piquets zivilrechtlich vor: Sie klagen vor Gerichten in Paris und London wegen Erpressung.

Piquet Jr. fuhr nach seinem Rausschmiss ebenso schweres Geschütz auf. Der 24-Jährige bezeichnete Briatore als «meinen Henker». Er lasse sich nicht einschüchtern und kooperiere «voll und ehrlich» mit dem Automobil-Weltverband FIA. Piquet Jr. beschuldigte seine einstigen Arbeitgeber, ihn beim Nachtrennen in Singapur vor einem Jahr angewiesen zu haben, in die Mauer zu fahren und so eine Safety-Car-Phase auszulösen. In der 14. Runde krachte der Brasilianer tatsächlich in die Begrenzung. Der Grand Prix musste neutralisiert werden und sein zuvor als Einziger zum Tankstopp abgebogener Teamkollege Fernando Alonso gewann das Rennen.

Schon damals hatte der Unfall für viele in der Formel 1 einen faden Beigeschmack. Inzwischen stinkt die Sache zum Himmel und weitet sich zu «Crashgate» aus, wie britische Medien in Anlehnung an den Polit-Skandal «Watergate» um den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon in den 70er-Jahren schreiben.

Der Ausgang der Verhandlung in Paris ist völlig ungewiss. Im Extremfall droht Renault der WM-Ausschluss. Briatore könnte als Folge seinen Hut nehmen müssen. Vielleicht wird aber auch der ebenfalls in die Affäre verwickelte Technik-Direktor Pat Symonds das Bauernopfer. Der französische Konzern könnte einen Schuldspruch aber auch zum Anlass nehmen, um aus der Formel 1 auszusteigen. Womöglich endet das Verfahren aber auch mit hohen Geldstrafen. Oder es bleibt bei einem Freispruch aus Mangel an Beweisen. Piquet Jr. muss jedenfalls keine Sanktionen befürchten, wie FIA-Präsident Max Mosley garantierte. Zudem forderte der Jurist, auf «Vorverurteilungen zu verzichten».

Der «Singapur-Skandal» ist ein weiterer Höhepunkt in der an Affären wahrlich nicht armen Grand-Prix-Geschichte. Allein in den zurückliegenden drei Jahren stand die Formel 1 mehrfach am Pranger: 2007 der Spionage-Skandal um McLaren mit dem WM-Ausschluss und der Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar; 2008 die Sex-Affäre um Mosley, über die der Top-Funktionär heute offen spricht; und in dieser Saison erst die «Lügen-Affäre» um Titelverteidiger Lewis Hamilton und dann die drohende Spaltung im monatelangen Streit zwischen der Teamvereinigung FOTA und dem Dachverband FIA.

Dabei würde die Formel 1 sportlich für genügend positive Schlagzeilen sorgen. Im Jahr eins nach dem Rücktritt von Rekord- Weltmeister Michael Schumacher gipfelte der Titel-Dreikampf zwischen Kimi Räikkönen, Alonso und Hamilton in einem noch nie dagewesenen Herzschlagfinale in Sao Paulo mit dem finnischen Ferrari-Piloten als hauchdünnem Champion. Ein Jahr später konnte der britische McLaren- Mercedes-Mann Hamilton im Regenchaos von Brasilien auf den letzten Metern noch einen Coup durch Felipe Massa verhindern. Und auch in dieser Saison gab es auf der Strecke eigentlich genug Spektakel. Von Elmar Dreher, dpa

dpa-infocom


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