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TV-Duell

Kommentar: Der Wähler muss weiter grübeln

Markus Kratzer zum Duell der Kanzlerkandidaten

Es hätte die große Stunde des Herausforderers Frank-Walter Steinmeier werden müssen, um für die SPD das Ruder in diesem Wahlkampf noch herumzureißen. Diese Chance hat der Vizekanzler im TV-Duell nur bedingt genutzt. Der Wind der Veränderung - er wehte wenig spürbar durch das Studio in Berlin-Adlershof, der proklamierte Richtungswechsel endete eher im argumentativen Kreisverkehr.

Angela Merkel ihrerseits setzte ganz staatsfrauisch darauf, sich nicht aus der Reserve locken zu lassen. Die Wahlkampftaktik der CDU-Chefin, den Kanzlerbonus durch Inhalte nicht zu gefährden, hielt auch den Fragen der vier Moderatoren stand. Ob sie damit allerdings gegen den Umfragetrend angeredet hat, der die schwarz-gelbe Mehrheit in Gefahr sieht, darf bezweifelt werden. Doch was hat Angela Merkel eigentlich zu verlieren? Sollte es nicht für das angestrebte Bündnis zwischen Union und FDP reichen, bleibt ihr immer noch die Fortsetzung der Großen Koalition unter ihrer Führung. Diese Variante haben weder die Kanzlerin noch ihr Herausforderer gestern Abend torpediert.

Und genau darin lag wohl auch die Schwäche des mit großem Tamtam angekündigten Fernseh-Zweikampfs. Das amerikanische Vorbild eines hautnahen Schlagabtauschs zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten lässt sich nur bedingt auf den deutschen Wahlkampf übertragen, schon gar nicht, wenn beide Rivalen aus einem gemeinsamen Bündnis heraus ihr Profil schärfen müssen. Wenn Frank-Walter Steinmeier ganz im Stil von Gerhard Schröder verkündet, er sei die bessere Alternative zu Angela Merkel im Kanzleramt, und dies fast im gleichen Atemzug damit wieder entkräftet, dass er die gute Zusammenarbeit von Schwarz-Rot in den zurückliegenden vier Jahren herausstreicht, hat er die Boxhandschuhe möglicherweise angezogen, aber nicht zugeschnürt. Und Angela Merkel wollte gar nicht in den Clinch gehen. Fazit für den Wähler: Wer seine Entscheidung vor der Sendung bereits getroffen hatte, wird diese nach dem Duell nicht überdenken müssen. Wer noch zu den Unentschlossenen gehörte, muss weiter grübeln.

E-Mail an den Autor: Markus.Kratzer@Rhein-Zeitung.net Markus Kratzer

RZO