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Magna-Kunden BMW und VW überprüfen Zusammenarbeit

Frankfurt/Main - Die geplante Opel-Übernahme durch Magna stößt bei den Kunden des Zulieferers auf Widerstand. Sowohl VW als auch BMW wollen ihre Zusammenarbeit überdenken. Sie drohen aus Angst vor dem Abfluss technologischen Wissens mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen.

Das Argument: Als Opel-Mutter ist Magna künftig ein Konkurrent. Derweil wollen die Opel-Betriebsräte europaweit gegen die angekündigte Schließung des Werks in Antwerpen mobil machen. «Wir werden gegen die Schließung kämpfen», sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Dienstag auf der IAA in Frankfurt.

«Wir haben es jetzt mit einem Fahrzeughersteller zu tun», sagte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner. «Wir hatten bisher eine sehr gute Zusammenarbeit mit Magna, aber da hat sich die Strategie geändert.» Eichiner fügte hinzu: «Insofern müssen wir schon darüber nachdenken, welche Technologie wollen wir in die Hände eines Konkurrenten geben. Das muss jetzt sicher überdacht werden.» Entschieden sei aber noch nichts. Magna produziert für BMW derzeit unter anderem den kleinen Geländewagen X3 und Komponenten.

Gegenwind kommt auch von Europas größtem Autobauer VW. VW-Chef Martin Winterkorn bekräftigte am Montagabend in Frankfurt, Volkswagen werde sein Geschäftsmodell mit Magna überprüfen: «Wo laufen wir Gefahr, dass wir bestimmte Informationen an die Konkurrenz geben?» VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sagte: «Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferern unsere Konkurrenten werden.» VW gehört zu den großen Kunden von Magna.

Hingegen hält der Daimler-Konzern an der Zusammenarbeit mit dem Zulieferer fest. Die Beziehung zu dem österreichisch-kanadischen Unternehmen werde nicht infrage gestellt, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. Er glaube, dass es auch nach der geplanten Übernahme von Opel eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Magna geben werde. Die beiden Unternehmen arbeiten bei der Mercedes-Benz G-Klasse zusammen.

Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf hatte zuvor bestritten, dass VW oder andere Kunden gedroht hätten, die Zusammenarbeit mit Magna zu beenden. Jeder Kunde werde es sich gut überlegen, bevor er auf die wettbewerbsfähigen Produkte verzichtet. «Magna hat bis heute keinen einzigen Auftrag in einem Schönheitswettbewerb gewonnen, sondern weil wir im Thema Qualität, Technologie und Preis wettbewerbsfähig sind.» Außerdem werde Magna das Komponentengeschäft strikt vom Autogeschäft trennen. «Es wird keine organisatorischen oder personellen Überschneidungen geben», versprach Wolf.

Bei einem Treffen am Dienstag in Berlin haben sich Deutschland und die anderen europäischen Opel-Länder noch nicht auf eine Verteilung der Milliarden-Staatshilfen für den Autobauer einigen können. Stattdessen fordert nach Belgien jetzt auch Spanien eine genaue Prüfung der deutschen Opel-Hilfen durch die EU-Kommission. Sein Land lehne derzeit eine finanzielle Beteiligung ab, sagte der spanische Industrieminister Miguel Sebastian: «Heute sind wir aufgefordert worden, die Rechnung zu bezahlen, ohne die Speisekarte gesehen zu haben.» Die Opel-Sanierung müsse als europäische Lösung angelegt sein.

Der britische Premierminister Gordon Brown sicherte der Opel-Schwester Vauxhall weitere staatliche Hilfen für den Erhalt von Arbeitsplätzen zu. «Wir werden weiterhin die finanzielle Unterstützung leisten, die den Astra ermöglichte», sagte der Regierungschef am Dienstag in Ellesmere Port, während Opel auf der IAA in Frankfurt die fünfte Astra-Generation präsentierte. «Wir werden die Refinanzierung der Firma unterstützen, um zu ermöglichen, dass Autos hier für viele weitere Jahre produziert werden.» Magna will europaweit rund 10 500 Stellen streichen. In Großbritannien ist vor allem das Werk in Luton, wo Kleintransporter produziert werden, vom Stellenabbau bedroht.

Die Betriebsräte und Gewerkschaften wollen Franz zufolge bei einem Treffen in der belgischen Hafenstadt am 23. September ihr weiteres Vorgehen beraten. Gleichzeitig seien erste Protestaktionen geplant. Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf hatte am Montag bestätigt, dass Antwerpen als einziges europäisches Werk geschlossen werden soll. Allerdings will Magna alternative Formen der Zusammenarbeit prüfen. «Vielleicht ergibt sich im Bereich von Auftragsfertigung eine Möglichkeit. Wir werden das sehr genau prüfen und jede Unterstützung anbieten», hatte Wolf versprochen. Opel baut in Antwerpen mit zuletzt 2580 Mitarbeitern den Astra.

Franz betonte, dass die Arbeitnehmervertreter bei den anstehenden Verhandlungen mit Magna Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ablehnen werden. Gleichzeitig forderte er, dass die Lasten gerecht zwischen den europäischen Standorten verteilt werden. Auch die von dem neuen Eigentümer angekündigte Streichung von 10 500 Stellen in Europa und gut 4000 in Deutschland sei noch nicht in Stein gemeißelt: «Das sind Planzahlen. Was als Ergebnis rauskommt, werden wir sehen. Notfalls streiten wir uns mit Magna und den anderen Investoren.»

dpa-infocom



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