Ende der Erfolgsfahrt von Porsche
Frankfurt/Main - Die Erfolgsfahrt von Porsche ist abrupt gestoppt. Der Sportwagenbauer musste unmittelbar vor der Integration in den VW-Konzern einen drastischen Umsatz- und Absatzeinbruch für das abgelaufene Geschäftsjahr 2008/09 (31. Juli) hinnehmen.
Wegen der weltweiten Autokrise ging auch die Produktion bei den Stuttgartern im zweistelligen Bereich zurück, wie der neue Vorstandschef Michael Macht am Dienstag auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) bei seinem ersten großen öffentlichen Auftritt sagte.
Der Nachfolger des langjährigen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass der Sportwagenbauer die Talsohle bereits durchschritten hat. «Auch wenn die nächsten Monate noch schwierig bleiben dürften, sind wir bei Porsche jedenfalls für das Kalenderjahr 2010 verhalten optimistisch», erklärte der Manager. «Die Porsche AG ist ein kerngesundes und zukunftsfähiges Unternehmen mit einer starken und kostbaren Marke.»
Auch Porsche plant einem Zeitungsbericht zufolge den Einstieg in das Geschäft mit Elektroautos: «Der Trend ist nicht mehr aufzuhalten. Deshalb wird auch Porsche in einigen Jahren einen Elektro-Sportwagen im Angebot haben», sagte Macht dem «Hamburger Abendblatt» (Mittwochausgabe). «Ich bin mir sicher, diese Technologie wird von Jahr zu Jahr besser.»
Im abgelaufenen Geschäftsjahr sank der Absatz bei dem erfolgsverwöhnten Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent auf 75 200 Sport- und Geländewagen. Der Umsatz rutschte um 12 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro ab. Die Produktion wurde bei den Stuttgartern um 27 Prozent auf 76 700 Autos zurückgefahren. Erstmals in der Unternehmensgeschichte herrscht auch bei Porsche Kurzarbeit.
Während die Nachfrage nach hochpreisigen Modellen wie dem Sportwagen 911 und dem Geländewagen Cayenne nur leicht eingebrochen sei, habe Porsche wegen des Generationswechsels bei der Boxster/Cayman-Baureihe harte Absatzrückgänge verkraften müsse, erklärte der Vorsitzende. Nach Regionen habe sich China und der Mittlere Osten gut entwickelt. Der Markt in Nordamerika sei jedoch deutlich in die Knie gegangen. In Europa zahlte sich die Einführung eines Diesels für den Geländewagen Cayenne aus. Dabei bediente sich Porsche schon aus dem VW-Konzernregal.
Konkrete Angaben zum Ergebnis machte Macht nicht. Der Sportwagenbauer habe aber einen Gewinn im Geschäftsjahr 2008/09 eingefahren, erklärte der Manager. «Es gibt keine Gründe anzunehmen, dass dies nicht auch im neuen Geschäftsjahr so sein wird», sagte Macht. Dabei bezog sich Macht auf das Automobilgeschäft der Porsche AG. Bei der Dachgesellschaft Porsche SE wird für das abgelaufene Geschäftsjahr wegen der Abwertung der Optionen auf VW-Stammaktien mit einem Vorsteuerverlust von bis zu fünf Milliarden Euro gerechnet. Im Geschäftsjahr 2007/08 hatte Porsche auch dank der VW-Beteiligung einen Gewinn vor Steuern von 8,57 Milliarden und einen Überschuss von 6,39 Milliarden Euro erzielt.
Nach den monatelangen Turbulenzen im Übernahmekampf mit Volkswagen schlug der Porsche-Vorstandschef nun versöhnliche Töne: «Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Volkswagen.» Porsche soll bis Mitte 2011 als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert werden. Zwar verzögerten sich aktuell wegen ungeklärter Detailfragen die Durchführungsverträge, die die Einzelheiten der Verschmelzung von VW und Porsche regeln sollen. «Es läuft aber gerade sehr sehr gut. Es gibt keinen Disput», sagte Macht.
dpa-infocom
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