Balkan-Zoff: HwK kündigt Sohn des Ex-Chefs
Koblenz Vor nicht einmal einem Jahr verabschiedete sich der langjährige Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz in Richtung Ruhestand.
In zwei Wochen könnte Karl-Jürgen Wilbert seinem Nachfolger Alexander Baden vor dem Arbeitsgericht gegenüber stehen. Es geht um eine sehr persönliche Personalentscheidung – und den Balkan.
Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HwK) Koblenz hat dem Sohn seines Vorgängers die fristlose Kündigung ausgesprochen. Dieser zunächst rein arbeitsrechtliche und inzwischen per Flurfunk hinreichend bekannt gemachte Vorgang beschäftigt seit wenigen Tagen auch den Vorstand der Kammer – weil der frühere Hauptgeschäftsführer Wilbert an den Vorkommnissen beteiligt sein soll, die zu der Kündigung führten. Und weil er wohl als Zeuge gefragt ist, falls das Verfahren vor dem Arbeitsgericht nach einem Gütetermin am 15. Oktober streitig ausgetragen wird. Dann wird es auch um das Balkan-Engagement der Kammer gehen – gestern, heute und morgen.
Nach Informationen unserer Zeitung haben der Hauptgeschäftsführer der Kammer und ihr Präsident Karl-Heinz Scherhag den neunköpfigen Vorstand bis in die Details darüber unterrichtet, wie es zu der Kündigung kam. Auch die Mitarbeiter sollen informiert sein, um einer „Dolchstoßlegende“ vorzubeugen – nach dem Motto: Nachfolger mobbt Familie des prominenten Vorgängers.
Was der Vorstand zu hören bekam , versetzte manchen Handwerker in Erstaunen. Demnach soll der ehemalige Hauptgeschäftsführer nach seinem offiziellen Ausscheiden zum Jahresende 2008 versucht haben, neue Projekte mit Partnern auf dem Balkan zu verwirklichen – an der Kammer vorbei, als Berater. Bisweilen sei es um Volumina in Millionenhöhe gegangen, heißt es. Dem jeweiligen Projektleiter stehen dann Honorare nach EU-Richtlinien zu für jeden Tag, den er vor Ort tätig wird.
Diese Versuche begründet Wilbert damit, dass die HwK nach seinem Ausscheiden kein Interesse mehr an dieser internationalen Tätigkeit und neuen Balkan-Projekten habe. Das weist die Kammer weit von sich – die Unternehmungen sollen uneingeschränkt fortgeführt werden. Hilfreich war dabei, dass Wilbert, mehrfacher Ehrendoktor und Professor der Universität in Plovdiv (Bulgarien), auch bulgarischer Honorarkonsul ist. Trotzdem scheiterten diese Bemühungen um neue Projekte bislang – mal in Mainz, mal an der finanzierenden Stelle im Umfeld des Entwicklungshilfeministeriums.
Einen erneuten Versuch gab es angeblich, so erfuhr unsere Zeitung aus HwK-Kreisen, als Wilbert bei der HwK Trier antrat – dort war der Stuhl des Hauptgeschäftsführers verwaist, und Wilbert kümmerte sich als Berater einige Monate lang um die Führungsaufgaben. Aber nicht nur darum. Offenkundig schickte er von dort auch Einladungen an Handwerksvertreter auf dem Balkan – und die Kammern aus Moldawien und Montenegro schickten Delegationen an die Mosel. Und nicht (mehr) an den Rhein.
Mit Wilbert als Vertreter der HwK Trier vereinbarten die Gäste neue Projekte – die dann vom Trierer Kammerpräsidenten auch offiziell abgesegnet wurden. Im Februar gingen die Förderanträge auf den Weg.
In diesen Papieren wird der Sohn als Experte benannt – der jedoch gleichzeitig auf der Gehaltsliste der Ost-West-GmbH stand, einer Tochter der Handwerkskammer Koblenz, die alle Balkanprojekte der Kammer abwickelt und deren Geschäftsführer bis zum Jahresende HwK-Chef Wilbert war. Darin sieht die Kammer Koblenz einen Treuebruch des Sohnes.
Bekannt (und zum Stein des Anstoßes) wurden die Anträge, als die HwK Trier einen neuen Hauptgeschäftsführer bekam. Dem wurde der Vorgang auf den Tisch gelegt, und er setzte sich mit den Kollegen in Koblenz in Verbindung – zu beiderseitiger Verblüffung. Die Folgen: Trier zog die Förderanträge zurück, und die HwK Koblenz sprach dem Sohn die fristlose Kündigung aus.
Joachim Türk
RZO
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